Lotto online spielen in Deutschland - Ist Lotto24 eine seriöse Alternative?

Lotto24Es ist wie bei David gegen Goliath – der eine macht einen Millionen- Umsatz, der andere einen Milliarden-Umsatz. Doch spielen kann man bei beiden das gleiche.

Nach einer Umfrage des Meinungs- und Forschungsinstitutes des IfD Allensbach spielen etwa 8,4 Millionen Deutsche regelmäßig Lotto. Und 22 Millionen nehmen zumindest gelegentlich an Lotterien teil. Über ein Viertel der Glückssucher favorisiert dabei die Spielform Lotto 6 aus 49 am Samstag.

Kein Wunder, dass der Umsatz des staatlichen Deutschen Lotto- und Toto-Blocks (DTLB) im Jahr 2018 bei 7,36 Milliarden Euro lag. Und folgerichtig wurden die meisten Umsätze mit 6 aus 49 erzielt. Der Marktanteil im gesamten regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland ist dabei mit 32,6 Prozent, also etwa einem Drittel, der zweitgrößte. Der private Anbieter Lotto24 brachte es dagegen nach Unternehmensangaben im letzten Jahr auf ein Transaktionsvolumen von 320 Millionen Euro bei rund 2,2 Millionen Kunden. Damit dürfte der Umsatz um die 30 Millionen Euro gelegen haben.

Staatlich: Lotto.de - Privat: Lotto24.de

Das passiert mit den Einnahmen der staatlichen Lottogesellschaften

Der Deutsche Lotto- und Totoblock ist eine Vereinigung der Lottogesellschaften der 16 Bundeländer, dessen Ursprünge bis auf die Anfänge der Bundesrepublik im Jahr 1948 zurückgehen. Spielen kann man online auf Lotto.de oder in Lotto-Annahmestellen. Bekannte Marken sind neben 6 aus 49 auch die Glücksspirale, der Eurojackpot oder Keno.

Ein staatliches Unternehmen hat anders zu funktionieren wie ein privates: Die Hälfte der Einnahmen geht zurück an die Spieler. Mit 12 Prozent werden Betriebskosten abgedeckt und Provisionen an Annahmestellen und Vertriebspartner bezahlt. Ein knappes Viertel fließt in soziale Einrichtungen, Umwelt- und Denkmalschutz - das sind die zweckgebundenen Konzessionsabgaben. Hiermit werden Projekte aus den genannten Bereichen mit unterstützt, da eine 100 Prozent-Finanzierung nicht zugelassen ist.

Immerhin 16,67 Prozent beträgt die Lotteriesteuer, Gelder, die dem jeweiligen Landeshaushalt zufließen. Dies sind die individuellen Zahlen des Bundeslandes Hamburg. Die genaue Verteilung der Lottogelder des DTLB regelt jedes Bundesland nach den jeweiligen Richtlinien.

Wohin die staatlichen Lotto-Einnahmen fließen

Lotto24.de: Privater Anbieter in Turbulenzen

Lotto24 ist ein privates Unternehmen, eine Aktiengesellschaft zudem, bei dem man wie beim staatlichen Konkurrenten die bekannten und beliebten Glücksangebote spielen kann. Allein: Die Einnahmen fließen nicht – zumindest teilweise – zurück an die Gesellschaft, sondern ausschließlich diesem privaten Unternehmen zu.

Allerdings hat Lotto24 die staatliche Erlaubnis – verlängert in 2017 – für den Lotterievertrieb im Internet und Werbeerlaubnis für TV und Internet. Das eigentliche Geschäftsmodell: Lotto24 agiert als Vermittler für staatliche Lotteriegesellschaften und darf Lotto online in Deutschland ganz legal anbieten.

In seiner Selbstdarstellung beschreibt sich die Lotto24 Aktiengesellschaft als führenden deutschen Anbieter staatlicher Lotterien im Internet und als Marktführer. Dabei vermittelt das Unternehmen Spielscheine von eigenen Kunden an die staatlichen Landeslotteriegesellschaften sowie die Deutsche Fernsehlotterie - und erhält dafür Vermittlungsprovisionen. Das ist auch dann so, wenn Spieler über die Lotto24-App auf die Webseite des Unternehmens kommen.

Lotto24 hat unter anderem im Angebot: 6 aus 49, Spiel 77, Super 6, EuroJackpot, GlücksSpirale, Spielgemeinschaften, Keno und die Deutsche Fernsehlotterie.

Lotto24 Chart

Der Verlauf der Lotto24-Aktie in den letzten Jahren. Der jähe Einschnitt im Herbst 2018 war wie bei anderen Aktiengesellschaften der Glücksspielbranche weltweit festzustellen.

Das Unternehmen Lotto24 im Überblick

Die Aktie von Lotto24 ist weiterhin stabil im zweistelligen Euro-Bereich. Das Geschäftsjahr 2018 war erfolgreich: Mit 2,2 Millionen Kunden erreichte das Unternehmen ein Transaktionsvolumen von über 320 Millionen Euro. In 2017 lagen die Zahlen noch bei 1,5 Millionen und 220,7 Millionen Euro – der Umsatz wurde mit 25,2 Millionen Euro beziffert. Stand Juni 2019 liegt die Marktkapitalisierung – so das Unternehmen - bei 330 Millionen Euro.

Ihr Lotto-Kiosk im Internet.

Die Zahlen sind also nicht schlecht, doch es gab einschneidende Veränderungen: Denn 2019 wurde Lotto24 mehrheitlich von der Zeal Network SE übernommen und gehört seitdem zur Zeal-Gruppe. Zeal Network ist ein britisches Unternehmen mit dem Geschäftsfeld Online-Lotterien.

Übernahme durch die Zeal-Gruppe

Nach dem Übernahmeangebot vom 19. November 2018 hat die Zeal Network SE am 11. April 2019 über die Umsetzung aller Vollzugsbedingungen nach der Ende Januar 2019 veröffentlichten Angebotsunterlage informiert. Am 3. Mai 2019 informierte Zeal, dass 93,04 Prozent der Lotto24-Aktionäre das freiwillige Übernahmeangebot angenommen haben. Der 14. Mai 2019 kann als Datum der vollzogenen Übernahme festgehalten werden.

Als vorläufig letzten Akt der Verwerfungen verlässt Vorstand Magnus von Zitzewitz zum 30. Juni 2019 nach sieben Jahren auf eigenen Wunsch das Unternehmen. Seine Bestellung wäre noch bis zum 30. April 2020 gelaufen. Als Nachfolger übernimmt Jonas Mattsson, Finanzvorstand von Zeal, ab Juli zusätzlich das Finanzressort bei Lotto24.

Einschneidende Veränderungen auch im Aufsichtsrat: Vorausgegangen war Anfang Juni die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft, auf der der Aufsichtsratsvorsitzender Professor Willi Berchtold abberufen und Peter Steiner als neuer Aufsichtsratsvorsitzender berufen wurde. Nachfolger Steiner ist eng mit Zeal verbunden: Er ist auch dort der Aufsichtsratschef.

Der Wechsel ist nicht unumstritten, war Berchtold doch der letzte unabhängige Vertreter der Minderheitsaktionäre.

Weiteres Wachstum in 2019

Trotz schwacher Jackpot-Entwicklung im ersten Quartal 2019 konnte Lotto24 weiter wachsen: Das Transaktionsvolumen legte zu: mit 75,9 Millionen Euro um 3,6 Prozent. Der Umsatz stieg um 0,7 Prozent auf 8,6 Millionen Euro. Das Unternehmen informiert, dass aufgrund des jackpotbedingt geringeren Anteils der Spielgemeinschaften die Bruttomarge mit 11,4 Prozent ihren Vorjahreswert nicht ganz erreichte. Im ersten Quartal 2019 wurden etwa 86.000 neue Kunden hinzugewonnen, damit hat das Unternehmen nun 2.255 Millionen Kunden. Die positive Umsatzentwicklung, zudem geringere Marketingkosten führten - trotz der wegen der Übernahme im ersten Quartal 2019 angefallenen Beratungskosten von etwa 500.000 Euro - zu einem auf 0,9 Millionen Euro verbesserten Ebit. Das Ergebnis übertraf damit mit exakt 1,0 Millionen Euro ebenfalls das seines Vorjahreswertes.

Lotto24 ersetzt die illegale Zweitlotterie Tipp24

Die Übernahme von Lotto24 soll das Geschäft von Zeal fit für die Zukunft machen. Denn Zeal bietet bislang die Marke Tipp24 - also Wetten auf die deutsche Lotterie - an. Dabei beteiligen sich die Spieler allerdings nicht an der staatlichen Lotterie. Stattdessen landen die Spieleinsätze bei Zeal, das übrigens auch für mögliche Jackpots haftet. Dieses „Zweitlotterie“ genannte Geschäft ist juristisch problematisch. Der deutsche Fiskus soll mit dem Unternehmen um Nachzahlungen von Mehrwertsteuer streiten.

Aufgrund dieser vom Unternehmen als "regulatorische Risiken" beschriebenen Umstände in Deutschland für diese Zweitlotterien soll Zeal Network im November 2018 die Übernahme von Lotto24 angekündigt haben, um eine solide Geschäftsgrundlage zu erzielen.

Zeal will nun Tipp24 im Zuge der Übernahme einstellen und nur noch staatliche Lotterien vermitteln. Dabei sieht sich die neue, gemeinsame digitale Lotteriegruppe als Big Player: Nach Unternehmensangaben verwaltet man zusammen weltweit rund fünf Millionen Kunden.