Betrug von Anlegern mit Sportwetten durch eVision und webet4you

, Juli 19, 2016

eVisionTeam Betrug Sportwetten webet4you

Internetseite von eVisionTeam. Das Unternehmen wirbt auf webet4you um Anlegerkapital für Investitionen in Sportwetten (Bildquelle).

Betrüger werben mit mehreren Angeboten im Internet um Anleger, auch auf deutschsprachigen Seiten. eVision und weitere ähnliche internationale Unternehmen, die anscheinend zusammengehören, versprechen Kunden innerhalb kürzester Zeit hohe Renditen. Die Kapitalanlage wird angeblich in computergestützte Sportwetten investiert, die sichere Gewinne in immenser Höhe garantiert. Tatsächlich ist das Geschäftsmodell aber ein klassischer Betrug nach dem sogenannten Schneeballsystem.

Betrug durch eVision: Polizeieinsatz in Dortmund

In Dortmund haben Beamte des Polizeipräsidiums und die Staatsanwaltschaft Arnsberg vergangene Woche Räumlichkeiten einer Firma sowie eine private Unterkunft durchsucht. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei richten sich gegen die Firmengruppe eVision Team und eVisionTeam Networking GmbH mit Sitz in Dortmund. In mindestens 357 Fällen besteht der Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs. Die Beamten stellten umfangreiches Beweismaterial sicher und die Staatsanwaltschaft verpfändete Guthaben auf vorhandenen Konten. Ein 60-jähriger Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Das dubiose Geschäftsmodell von eVision

Die Firmengruppe um eVision bewirbt auf mehreren, auch deutschsprachigen Internetadressen wie beispielsweise webet4you und InetEarning sowie mithilfe von YouTube Videos die Möglichkeit einer Kapitalanlage. Bei einer Laufzeit von lediglich 14 Wochen verspricht das Angebot eine Rendite von 48 Prozent. Pro Woche werden mindestens 1 Prozent garantiert, gemäß Statistiken auf den entsprechenden Seiten soll die Rendite aber rund 4 Prozent pro Woche betragen. Das angebliche Geschäftsmodell versichert Anteilseignern, dass die Einlagen mit einer eigens entwickelten Software für internationale Sportwetten verwendet werden, „auf intelligente und einzigartige Weise.“ Vorgeblich hat man bei eVision einen Weg gefunden, Wettquoten und Angebote von Buchmachern so miteinander zu verglichen, dass beim Tippen auf ein Sportereignis in jedem Fall ein Gewinn entsteht. Die Anleger kaufen Anteile zum Wert von jeweils 50 Euro, wobei beliebig viele Anteile erworben werden können. Laut eVision beträgt der durchschnittliche Betrag 1.200 Euro. Nach einer Laufzeit von nur 14 Wochen ist der Anlagevertrag beendet und der Kunde erhält seine Investition samt garantierter Rendite von mindestens 48 Prozent zurück.

Geschäft mit Betrug: eVision funktioniert nach dem Schneeballsystem

Dass eVision oder ein anderes zur Firmengruppe gehöriges Unternehmen oder überhaupt jemand eine Software für todsichere Sportwetten besitzt, ist höchst zweifelhaft. Die Ermittler haben nach dem derzeitigen Stand der Untersuchung den dringenden Verdacht, dass es sich bei dem Geschäftsmodell um ein reines Schnellballsystem handelt. Anleger haben zwar in der Tat von eVision Auszahlungen erhalten. Diese erfolgten aber bislang ausschließlich auf den neu eingegangenen Geldern von weiteren Anlegern. Darauf lässt auch schließen, dass eVision auf den jeweiligen Internetseiten um Vertriebspartner wirbt. Wer sich als Affiliate registriert, kann angeblich zusätzlich bis zu 15,4 Prozent Provision durch das Anwerben von weiteren Anteilszeichnern verdienen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Anleger bislang um mindestens 1,2 Millionen Euro Kapital erleichtert wurden. Der Großteil der Gelder sei ins Ausland transferiert worden, teilten die Behörden mit. Ein Teil dieser Gelder wurde womöglich in Fahrzeuge einer thailändische Autovermietung investiert. Auf YouTube sind Videos der eVision Unternehmen zu finden, welche die Neuzugänge der Fahrzeugflotte von „Nic’s Group“ in Chiang Mai bewerben.

Die Staatsanwaltschaft Arnsberg und die Polizei in Dortmund suchen derzeit noch weitere, etwaige geschädigte Anleger. Diese können sich unter Angabe des Aktenzeichens 212 Js 45/16 melden bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg, Eichholzstraße 10, 59821 Arnsberg. Die Polizei Dortmund nimmt ebenfalls Hinweise entgegen unter KK23eVision.Dortmund@polizei.nrw.de. Weitere Angaben sind zurzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht möglich.

Gegen derartigen Betrug hilft nur Vorsicht und Skepsis

Ein Blick ins Impressum der einzelnen eVision Internetseiten offenbart anscheinende Unternehmenssitze in Hongkong, Bangkok und Belize. eVisionTeam bezeichnet sich selbst als Internetplattform für Crowdinvesting, eine neue Form des so beliebten Crowdfundings, die Anleger um partiarische Darlehen bittet, die nach einer Laufzeit angeblich mit hoher Rendite zurückgezahlt werden. Ob die Projekte, in die das Geld fließen soll, wirklich bestehen, ist höchst zweifelhaft. Zu den anderen Geschäftsmodellen von eVision zählt unter anderem eine Clubmitgliedschaft mit monatlichem Beitrag.

Auf den zusammengehörenden Internetseiten taucht immer wieder der Name Robert Schmalohr als Firmenchef oder Verantwortlicher auf. Ob es sich dabei um den 60-Jährigen in Untersuchungshaft handelt, kann die Polizei Dortmund wegen der andauernden Ermittlungen nicht bestätigen.

„Verdienen Sie jede Woche Geld, garantiert!“ heißt es auf der Internetseite von webet4you. So verlockend es klingt, es gibt keine absolut sichere Methode, bei Sportwetten zu gewinnen. Wer am schnellen Geld interessiert ist, läuft Gefahr, sich auf einen Betrug einzulassen. Jeder sollte Vorsicht und Skepsis walten lassen, wenn einem ein solches Angebot begegnet. Wer verspricht, das Geld von Kunden schnellstens zu vermehren, hat im besten Fall vor allem den eigenen Vorteil im Sinn. Im schlimmsten Fall handelt es sich um Betrug und Abzocke.

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