Spieler entledigen sich mit legalem Trick von ihren Schulden bei Online Casinos

, Januar 5, 2018

Video Slot eines Online Casinos

Video Slot eines Online Casinos (Bild: Youtube)

Spielschulden sind besonders für die große Anzahl von Spielern ein Problem, die Anzahl und Umfang ihrer Aktivitäten auf diesem Gebiet nicht oder nur schlecht kontrollieren können. Was früher die regelmäßigen Besucher von Spielhallen und -banken mit ihren Automaten und Tischspielen betraf, wirkt sich inzwischen immer stärker auf Onlinespieler aus. Einige von ihnen bedienen sich in letzter Zeit eines legalen Tricks, um ihre Schulden wieder loszuwerden.

 

Denn diese können bei Missbrauch relativ schnell entstehen: Mit zunehmender Teilnahme an Offline- wie Online-Games steigt bei Spielsüchtigen die Gefahr, sich finanziell zu übernehmen. Bei Verlusten sind wachsende Spielschulden die logische Konsequenz. Die Absicht, die Schulden durch noch mehr Spiele wieder hereinzuholen, führt oftmals in eine Abwärtsspirale, aus der sich die Spieler nur schwer selbst befreien können.

 

Jetzt kommt den Schuldnern die nicht eindeutige Klärung der juristischen Stellung von Online Casinos zu Hilfe. So wurde 2011 von den Bundesländer beschlossen, online getätigtes Glücksspiel bis auf Ausnahmen wie Lotterien und Sportwetten zu verbieten. Die Online Casinos sind hierzulande somit quasi illegal. Doch in der Realität spielt ein Großteil der Deutschen bei ausländischen Online Casinos, die zumeist ohne deutsche Lizenz operieren. Studien zufolge werden auf diese Weise 85 Prozent der Branchenumsätze getätigt.

 

Geht es um das Eintreiben entstandener Spielschulden, geraten die Anbieter in eine rechtliche Grauzone. Genau in diese Richtung argumentieren Vertreter von Initiativen zum Schutz vor Spielsucht. So versuchte das Kreditkartenunternehmen American Express, von einem Spieler seine Schulden bei Online Casinos einzureiben. Dieser hatte mit seiner gerade erst erhaltenen Karte von American Express innerhalb kürzester Zeit knapp 2.000 Euro verspielt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wies sein Bankkonto keine ausreichende Deckung auf. Also versuchte die Kreditkartenfirma schließlich über ein Inkassounternehmen die Spielschulden einzuziehen.

 

American Express erlässt dem Spieler seine Schulden

Der Spieler wandte sich in seiner Not an eine Suchtberatungsstelle, um seine Spielsucht zu bekämpfen und um von den Schulden loszukommen. Zur Zeit sieht es so aus, als hätte beides Erfolg. Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht in Bielefeld erklärte dazu:

 

„Ich habe American Express in einem Brief deutlich darauf hingewiesen, dass Online-Glücksspiel hierzulande verboten ist, (…) und natürlich ist auch die Mitwirkung an Zahlungen nicht erlaubt.“

 

Als Reaktion darauf verzichtete American Express auf die Forderung gegenüber dem Spieler. Stattdessen kündigte das Kreditkartenunternehmen seine Zusammenarbeit mit den Vertragspartnern, bei denen er seine Schulden hatte. Auf diese Weise gehen die Online Casinos leer aus und verlieren zudem American Express als Zahlungsanbieter. Aufgrund der Brisanz dieses Präzedenzfalls ist davon auszugehen, dass sich künftig weitere Betroffene auf die fehlende rechtliche Grundlage berufen, um die Zahlung zu verweigern.

 

Online Zahlungsanbieter

Zahlungsanbieter reagieren auf Zahlungsforderungen (Bild: Etaarifa)

Reagieren Unternehmen wie Visa oder MasterCard ähnlich wie American Express auf diese Fälle, entgehen den Casino-Anbietern Zahlungsausstände in unbekannter Höhe. Kommt es zudem zu Kündigungen der Geschäftsbeziehung, verlieren sie attraktive Partner für die Abwicklung von Finanztransaktionen mit ihren Kunden. Gerade bei Kreditkarten ist dies eine Gefahr, denn diese sind im Onlinegeschäft als Zahlungsmittel sehr weit verbreitet.

 

Vergleichbare Fälle bei PayPal

Doch nicht nur Kreditkartenfirmen werden mit der Problematik ausstehender Spielschulden konfrontiert. Auch bei PayPal stellt sich für viele Gamer in vergleichbarer Situation die Frage, inwieweit sie ihre Schulden bei dem Zahlungsanbieter bezahlen müssen. Hierbei handelt es sich um ein relativ junges Problem, denn PayPal wurde früher von den wenigsten Online Casinos als Zahlungsmittel akzeptiert.

 

Doch das ändert sich, denn in Deutschland verfügt inzwischen knapp jeder zweite Erwachsene über ein PayPal-Konto. Besonders im Vergleich zu den hierzulande kaum gebräuchlichen e-Wallets wie Skrill und Neteller liegt PayPal in der Gunst der Nutzer weit vorne. Daraus resultiert für die Online Casinos ein großes Potential an potentiellen neuen Kunden, weshalb viele von ihnen ihre Zahlungsmethoden um die ehemalige eBay-Tochter erweitert haben.

 

Bei dem Zahlungsanbieter PayPal gab es 2017 einen vergleichbaren Fall. Dort verzichtete der Finanzdienstleister auf eine Zahlungsforderung seitens eines Online Casinos in Höhe von 95.000 Euro. Mit Hilfe eingeschalteter Anwälte gelang es dem Schuldner, von PayPal eine Verzichtserklärung zu erhalten. Die Argumente der Anwälte waren damals ähnlich. Auch sie wiesen darauf hin, dass das Online-Glücksspiel in Deutschland per Gesetz als unerlaubtes Glücksspiel gilt. In weiteren vergleichbaren Fällen entschied PayPal ähnlich und verzichtete auf Forderungen, die aus dem Online-Glücksspiel stammten.

 

Justiz - im Gerichtssaal

(Bild: Pixabay)

Angesichts der rechtlichen Grauzone, in der die Online Casinos in Deutschland operieren, ist die Unsicherheit bis zu einer Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrags groß. Erst wenn eindeutige Rechtssicherheit gegeben ist, können sich Kunden mit Spielschulden wie auch Zahlungsanbieter auf eine eindeutige rechtliche Regelung berufen. Bis dahin wird es wohl weiterhin Einzelfallentscheidungen geben, deren Ausgang für alle Beteiligten ungewiss ist.