, August 23, 2017

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler

Drogenbeauftragte Marlene Mortler, hier bei der Vorstellung 2016, präsentierte jetzt den Sucht- und Drogenbericht 2017. (Bildquelle)

Der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2017 wurde vergangene Woche in Berlin vorgestellt und hat enorm wichtige Ergebnisse für die Glücksspielbranche geliefert. Die Befragung zum Thema Glücksspiel wird alle zwei Jahre durchgeführt und umfasste im aktuellen Durchgang einen Probandenpool von 11.500 Personen. In der Gesamtschau leiden in Deutschland weniger Menschen denn je an Spielsucht. Die Zahl der pathologischen Spieler ist auf ein neues Rekordtief seit dem Beginn der Studie vor acht Jahren gesunken. Insgesamt 0,37 % aller Befragten wiesen ein pathologisches Spielverhalten auf, 0,42 % ein problematisches. Neben den Zahlen und Fakten zum Drogenkonsum in der Bundesrepublik beschäftigt sich der Bericht auch mit der Arbeit und den Aktivitäten der Politik im Präventions- und Jugendschutzbereich.

 

Halbierung im Vergleich zum Vorjahr

Die Zahlen und Ergebnisse der Studie mögen für Glücksspielgegner zwar überraschend sein, sprechen jedoch eine deutliche Sprache. So ist ein klarer Rückgang von problematischem und pathologischem Spielverhalten in allen Untersuchungsbereichen festzustellen. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Zahlen sogar fast halbiert. Die aktuellen Daten präsentieren sich wie folgt:

 

  • Problematisches Glücksspiel: 0,42 % (2013: 0,69 %)
  • Pathologisches Glücksspiel: 0,37 % (2013: 0,82 %)

 

Es fällt zudem auf, dass immer noch weitaus mehr Männer als Frauen betroffen sind:

 

  • Problematisches Glücksspiel: 0,66 % männlich vs. 0,18 % weiblich
  • Pathologisches Glücksspiel: 0,68 % männlich vs. 0,07 weiblich

 

Als Messinstrument diente ein Fragebogen mit 20 Fragen, anhand derer pathologisches und problematisches Glücksspiel festgestellt werden kann. Befragte, die mindestens fünf der 20 Fragen positiv beantworten, gelten als pathologische Glücksspieler. Für die Diagnose eines problematischen Spielverhaltens reicht eine Quote von drei bejahten Fragen aus. Alle Daten zeigen einen klaren Trend zur Rückläufigkeit von Spielsucht und liegen zudem unter den Untersuchungsergebnissen vom Startjahr 2009.

 

Migrationshintergrund und Schulbildung als Risikofaktoren identifiziert

Laut des Berichts gibt es bestimmte Risikofaktoren, auch soziodemografische Merkmale genannt, die die Entstehung einer Glücksspielsucht begünstigen können. Neben den signifikanten Unterschieden in der Geschlechterverteilung wirken sich auch weitere Faktoren auf das Spielverhalten aus:

„Befragte mit ‘mindestens problematischem’ Glücksspielverhalten sind demnach zu 84,7 % männlich, spielen zu 64,4 % mehr als ein Glücksspiel, setzen zu 54,4 % mindestens 100 Euro pro Monat ein und spielen zu 53,7 % regelmäßig mindestens ein Glücksspiel. Weiterhin erhöht sich das Risiko, pathologisches Glücksspiel zu betreiben, signifikant bei Personen, die maximal über einen Hauptschulabschluss verfügen oder einen Migrationshintergrund aufweisen.“

Diese Kriterien werden für Erwachsene herangezogen. Bei Jugendlichen verhält es sich anders, da feste Strukturen oder klare Muster in diesem Alter schwieriger zu bestimmen sind. Dennoch sind junge männliche Erwachsene bis zu einem Alter von 25 Jahren besonders gefährdet. Aber auch 18,2 % der Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren gaben bei der letzten Befragung an, in den letzten 12 Monaten mindestens ein Glücksspiel gespielt zu haben. Aus diesem Grund kommt der Prävention, die in diesem Bereich sehr ernst genommen werden muss, eine besondere Bedeutung zu.

 

Spielautomaten nach wie vor am gefährlichsten

Aus einem volkswirtschaftlichen Blickwinkel betrachtet, ist die Glücksspielbranche ein zweischneidiges Schwert. So sind Glücksspiele ein Teil der Unterhaltungsindustrie und stellen einen Quell an Vergnügen und Freude für Freizeitspieler dar. Außerdem sichern sie die Existenz von Unternehmern und sorgen für eine lebendige Wirtschaft. Und schließlich bescheren sie dem Staat jedes Jahr Millionen an Steuereinnahmen. Trotz all dieser positiven Effekte auf Wirtschaft und Gesellschaft dürfen auch die Gefahren von Geldspielen nicht ignoriert werden. Der Drogen- und Suchtbericht hat dazu die geschätzten Durchschnittskosten ermittelt, die dem Staat durch Spielsucht entstehen:

„Wird für Deutschland eine Anzahl von 195.000 pathologischen und 245.000 problematischen Spielern (Mittelwert über verschiedene Studien) zugrunde gelegt, ergibt sich aus den von der WHO als relevant erachteten Effekten ein gesamtgesellschaftlicher Nettoeffekt von –411 Millionen Euro pro Jahr.“

Zudem differenziert der Bericht zwischen den einzelnen Spielformen und kommt zu dem Ergebnis, dass Automatenspiele aufgrund ihres hohen Suchtrisikos und der daraus entstehenden Folgekosten nach wie vor die größte Gefahr darstellen:

„Die verschiedenen Spielsegmente weisen stark unterschiedliche Effekte auf. Während Lotterien aufgrund der geringen Suchtgefahr eine insgesamt positive Wohlfahrtsbilanz aufweisen, sind Spielautomaten in Spielhallen, Gaststätten und staatlichen Spielbanken am schädlichsten.“

Breites Spektrum an Präventionsprojekten

Der Drogen- und Suchtbericht 2017

Drogen- und Suchtbericht 2017 (Bildquelle)

Um den negativen Folgen von übersteigertem Glücksspielkonsum vorzubeugen, fördert das Bundesministerium für Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verschiedene und vielfältige Projekte. Wichtige Adressen in diesem Zusammenhang sind:

Das gesamte Spektrum der Hilfs-, Beratungs- und Forschungseinrichtungen zum Thema ist jedoch noch weitaus größer. So finden sich auch Angebote zu speziellen Problematiken und Risikogruppen, wie etwa für Migranten oder Kinder aus suchtgefährdeten Familien.