Gute Vorsätze gehören zu Silvester wie Feuerwerke (Bildquelle: Pixabay)

Wetten, dass Sie es schaffen? Neujahrsvorsätze und die Wahrscheinlichkeit ihres Erfolges

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Gute Vorsätze für das neue Jahr gehören zu Silvester wie Raketen und Sekt. Die Vorhaben vieler Menschen decken sich dabei und werden Jahr für Jahr aufs Neue präsentiert. Die meisten Vorsätze drehen sich um die eigene Gesundheit oder die Optimierung von Alltag und Beruf.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Sie ihre guten Vorsätze auch wirklich einhalten? Warum verblasst der gute Wille oft schon innerhalb der ersten Neujahrswoche? Und was können Sie tun, damit ihre Vorhaben tatsächlich langfristig etablieren?

Wir geben Ihnen einige Antworten auf diese Fragen und verraten Ihnen, welches die gängigsten und somit auch am häufigsten gebrochenen Vorsätze sind.

„Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung ist schwer.“ – Goethe

Umfragen von Statista haben ergeben, dass jedes Jahr rund drei Viertel aller Deutschen Neujahrsvorsätze fassen. Mehr als die Hälfte nehmen sich dabei vor, mehr als nur eine Neuerung einzuführen. Allerdings schaffen es lediglich 20 % der Menschen, ihre Vorsätze tatsächlich langfristig umzusetzen.

Weitere 27 % halten sich mehr als zwei Monate an ihre Vorhaben, je 12 % schaffen es für jeweils einen Monat oder zwei bis drei Wochen, je 6 % eine Woche oder einen Tag und bei 3 % verblassen die guten Vorsätze innerhalb von Stunden.

Aber warum brechen die Menschen ihre guten Vorsätze? Die Antwort kannte schon Johann Wolfgang von Goethe und sie ist so simpel wie belustigend: „Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung ist schwer“. Schauen wir daher einmal im Detail, welche Vorsätze immer wieder geäußert werden und doch scheitern.

Gesündere Ernährung und Abnehmen

Frau in zu großer Jeans, abnehmen

Der Top-Neujahrsvorsatz der Deutschen ist seit Jahren das Abnehmen (Bildquelle: Pixabay)

Alle Jahre wieder nehmen sich Millionen von Menschen in Deutschland das Gleiche vor: sich endlich gesünder zu ernähren. Gute Gründe für eine gesunde Ernährung gibt es viele. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass eine vollwertige Ernährung, reich an Gemüse, Obst und Ballaststoffen, die beste Prävention und auch Therapie gegen „Volkskrankheiten“ wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzinfarkt sind.

Aber mal ehrlich, die meisten Menschen, die sich eine Ernährungsumstellung vornehmen, haben vor allem ein Ziel: Gewicht verlieren und dabei vor allem Fett abbauen. Insbesondere Frauen nehmen sich Jahr für Jahr vor, eine neue Diät anzufangen, um Weihnachtspfunde oder alteingesessenen Kummerspeck loszuwerden.

Woran scheitert es?

Wer abnehmen will, dem fällt als erstes das Wort „Diät“ ein. Frauenzeitschriften sind seit Jahrzehnten voll von den neuesten Crash-Diäten und Trends, die angeblich dabei helfen, innerhalb von wenigen Wochen mehrere Kilos zu verlieren.

Und genau da liegt eines der größten Probleme. Was das Abnehmen betrifft, haben viele Menschen schlichtweg falsche Erwartungen. Immer muss es schnell gehen und immer ist es die Zahl auf der Waage, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Ein Beispiel:

In den letzten Jahren waren z.B. die Low-Carb-Diäten hoch im Kurs. Tatsächlich hat der plötzliche Verzicht auf Kohlenhydrate den folgenden Effekt: Wir verlieren innerhalb weniger Tage Gewicht (allerdings nicht in Form von Fett). Der Grund dafür ist folgender: Jeder Erwachsene speichert knapp ein Kilogramm Kohlenhydrate in Form von Glykogen in Muskeln und Leber.

Frau auf Waage Füße

Crash-Diäten führen oft zu schnellem Gewichtsverlust, ohne jedoch Fett zu schmelzen (Bildquelle: PxHere)

Jedes Gramm Glykogen wiederum ist an drei bis vier Gramm Wasser gebunden. Wer also plötzlich auf Kohlenhydrate verzichtet, leert seine Glykogenspeicher inklusive des daran gebundenen Wassers.

Kohlenhydrate, bzw. Glukose sind jedoch ein unerlässlicher Nährstoff für jede unserer Körperzellen. Wie Ernährungsmediziner wie Dr. Michael Greger, Dr. Neal Barnard oder Dr. John McDougall erklären, sind Low-Carb-Diäten daher zum Scheitern verurteilt.

Der Körper fordert seinen Hauptenergielieferanten Zucker, die Gelüste wachsen, die Diät wird gebrochen und schlägt meist ins andere Extrem um. Die Kilos (Glykogen plus Wasser) kehren zurück, mit ihnen der Frust und das Aufgeben.

Die Lösung:

Während die Meinungen von Ernährungswissenschaftlern, Ernährungsmedizinern und Fitness-Experten in Bezug auf die perfekte Ernährung weit auseinanderdriften, bleibt doch eine Erkenntnis zurück:

Wer abnehmen will, sollte sich die Zeit nehmen, die zugrundeliegenden Mechanismen im Körper zu verstehen, um keine unrealistischen Erwartungen zu haben. Vor allem sollten Sie gerade bei diesem Vorsatz keine unflexiblen Zahlen im Kopf haben. Statt „fünf Kilo in zwei Wochen“, also lieber alle paar Wochen das Maßband anlegen und schauen, ob die Zentimeter weniger werden. Und weg mit der Waage!

Mehr Sport machen und fit werden

Jogger auf Waldweg

Jedes Jahr nehmen sich die Menschen vor, durch Sport ihre Fitness zu erhöhen (Bildquelle: PxHere)

Mehr Sport und bessere Fitness sind der zweit häufigste Vorsatz für das neue Jahr. Auch hier geht es vielen Menschen dabei ums Abnehmen. Kurz nach Neujahr verzeichnen daher auch die Fitnessstudios die meisten Neuanmeldungen.

Tatsächlich gibt es zwei Arten von Personen: diejenigen, die ohne Sport nicht leben können, und diejenigen, die sich zum Sport zwingen müssen. Während Erstere sich daher erst gar keine Vorsätze in dieser Hinsicht machen müssen, sind es Letztere, bei denen der Vorsatz immer wieder aufkommt.

Woran scheitert es?

Gerade beim Sport ist es der berühmte „innere Schweinehund“, der die guten Vorsätze jedes Mal zunichtemacht. Wer sich immer überwinden muss, einer bestimmten Aktivität nachzugehen, der wird fast immer früher oder später aufgeben.

Die Lösung:

Seien Sie auch hier realistisch und vor allem, finden Sie eine Aktivität, die Ihnen wirklich Spaß macht. Spaß und Abwechslung sollten die Hauptmotivation sein, einem bestimmten Sport nachzugehen. Wenn Sie nicht wissen, was Ihr Sport ist, probieren Sie einfach alles mal aus, ohne sich direkt festzulegen.  

Sehr hilfreich kann es auch sein, einer sportlichen Aktivität mit Freunden oder in der Gruppe nachzugehen. Statistisch gesehen bleiben Menschen deutlich länger einem Teamsport treu als beispielsweise dem einsamen Joggen.

Mit dem Rauchen oder Trinken aufhören

Person mit Zigarette und gefülltem Glas

Der Vorsatz, mit dem Rauchen und/oder Trinken aufzuhören hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig (Bildquelle: Flickr/Marco Verch Professional/CC BY 2.0)

Ebenfalls in die Kategorie Gesundheit und Körper fällt dieser immer wiederkehrende Vorsatz. Raucher nehmen sich oft vor, ihr Laster endgültig abzulegen. Personen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, wollen ihren Konsum reduzieren oder ganz einstellen.

Woran scheitert es?

Für wen das Rauchen oder Trinken eine starke Gewohnheit ist, der wird meist Schwierigkeiten haben, diese beiseitezulegen. Je nachdem wie stark die Gewohnheit oder auch Sucht ist, umso unangenehmer wird der Entzug. Kopfschmerzen, Gereiztheit und unerträgliche Unruhe lassen die Vorsätze daher oft ganz schnell verblassen.

Die Lösung

In diesem Fall ist die Lösung gar nicht so einfach. Ratgeberbücher zum Thema Entwöhnung beinhalten vor allem den Tipp, sich abzulenken und Alternativen zum Sucht- oder Gewohnheitsmittel zu finden. Auch hier kann es hilfreich sein, sein Vorhaben mit Freunden oder in der Gruppe anzugehen und „Mitleidende“ zu finden.

Weniger Stress, mehr Zeit für die Familie.

Schattenfigur rennt mit Aktenkoffer Uhr im Hintergrund

Viele Menschen nehmen sich vor, im nächsten Jahr weniger beruflichen Stress zu haben (Bildquelle: Pixabay)

Eine zweite typische Gruppe von Vorsätzen bezieht sich auf die „Work-Life-Balance“. Mehr als ein Drittel der Deutschen antworten in Umfragen zum Thema, dass sie im neuen Jahr weniger Stress im Beruf und damit mehr Zeit für Familie und Freunde haben wollen.

Woran scheitert es?

Die Erfolgschancen des Vorhabens, weniger Stress im Beruf zu haben, dürften stark vom Beruf abhängen. Wer nicht gerade Chef ist oder als Freiberufler sein eigener Chef ist, kann sich seine Arbeitszeit in der Regel nicht flexibel einteilen. Doch auch diejenigen, die theoretisch flexibler arbeiten könnten, scheitern oft am eigenen Ehrgeiz, der den einen oder anderen gar zum Workaholic macht.

Die Lösung

Abgesehen von dem allgemeinen „Tipp“, sich einen Job zu suchen, von dem man nicht nur leben kann, sondern der einem auch Spaß macht, kann es hier nur individuelle Lösungen geben.

Wer in der Position ist, seine Arbeit flexibel einzuteilen, sollte sich selbst trotzdem feste Zeiten setzen und damit die Arbeitszeit klar von der Freizeit und der Zeit mit der Familie abgrenzen. Idealerweise sollte man sich dabei auch erlauben können, beruflich einfach mal nicht erreichbar zu sein.

Geld sparen

Rosa Sparschwein Geldscheine Euro

Auch das Geldsparen ist ein typischer Neujahrsvorsatz der Deutschen (Bildquelle: Pixabay)

Auch der Vorsatz, Geld zu sparen, wird jedes Jahr von knapp 40 % der Menschen in Deutschland gefasst. Dieser Vorsatz steht dem vorherigen dabei unter Umständen entgegen. Um tatsächlich (mehr) Geld zur Seite legen zu können, müssen viele Menschen ihr Arbeitspensum erhöhen.

Wer um den beruflichen Mehraufwand herumkommt, aber dennoch am Ende des Monats oder Jahres mehr Geld übrighaben möchte, dem bleibt nur, gewisse Einschnitte zu machen.

Woran scheitert es?

Dass dieser Vorsatz immer wieder scheitert, liegt vor allem daran, dass er nicht konkret und ausreichend gut durchdacht gefasst wird.

Die Lösung

Verschaffen Sie sich einen ganz genauen Überblick über Ihre Finanzen und Ihre täglichen Ausgaben. Stellen Sie sich dabei dann die folgenden Fragen:

  • Kaufen Sie oft Dinge, die Sie gar nicht benötigen?
  • Fallen Sie auf vermeintliche Sparangebote rein, die tatsächlich nur dazu anregen, mehr auszugeben?
  • Essen Sie häufig auswärts oder kaufen Take-aways statt selbst zu kochen?
  • Gibt es kostenpflichtige Aktivitäten, auf die Sie notfalls auch verzichten könnten? (Kino, Wellness, Parties etc.)
  • Könnten Sie Heimwerken statt Neukaufen?
  • Gibt es Dinge, die Sie nicht mehr benötigen und verkaufen könnten?

Ein Tipp, der seit einigen Jahren immer wieder in Zeitschriften zu lesen ist, ist das „Mini-Sparen“. Empfohlen wird, jeden Tag einen Euro an die Seite zu legen. Am Ende des Jahres soll man so ein Plus von 365 Euro haben. Ob diese Methode im Zeitalter vom bargeldlosen Zahlen noch so praktikabel ist, bleibt dahingestellt.

Nachhaltiger und umweltbewusster leben

Grüner Planet Recycling Symbol Nachhaltigkeit

Seit ein paar Jahren nehmen sich immer mehr Deutsche vor, nachhaltiger zu leben (Bildquelle: Pixabay)

In unserer Gesellschaft, die immer umwelt- und klimabewusster wird, hat sich jüngst auch ein entsprechender Neujahrsvorsatz etabliert. Laut einer repräsentativen Civey-Umfrage aus dem Jahr 2020 erklärten ganze 75 % der Befragten, den Vorsatz gefasst zu haben, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu leben. Im konkreten wurden dabei folgende Punkte genannt:

  • Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr oder Elektroautos
  • Reduktion von Verpackungsmüll, insbesondere Plastik
  • Umstieg auf Ökostrom aus erneuerbaren Energien
  • Von Verkäufern kaufen, die für ihre nachhaltige Produktion ausgezeichnet wurden
  • Umstellung der eigenen Ernährung zu vegetarisch oder vegan
  • Recyceln und gebraucht kaufen, statt wegwerfen und neukaufen

Woran scheitert es?

Nachhaltiger und umweltschonender zu leben, ist eine bewusste Entscheidung. Während jeder einen Beitrag leisten kann, nehmen sich viele auch hier zu viel auf einmal vor. Nicht jeder kann einfach so den alten Diesel verschrotten lassen und sich direkt ein Elektroauto zulegen. Jeder kann jedoch in kleinen Schritten für Verbesserung sorgen.

Die Lösung

Beginnen Sie mit Maßnahmen, die Ihren Alltag nicht sofort maßgeblich verändern oder Sie viel Geld kosten. Verzichten Sie im Supermarkt beispielsweise darauf, Obst und Gemüse in Plastiktüten zu packen. Je nach Art des Lebensmittels benötigen Sie entweder gar keine Tüte, oder Sie können Ihre eigenen wiederverwendbaren Beutel verwenden. Das gilt sowohl für das Einpacken einzelner Früchte als auch den gesamten Einkauf.

Wasserflaschen Plastikflaschen im Regal

Plastik im Alltag zu reduzieren kann ein einfacher erster Schritt zur Nachhaltigkeit sein (Bildquelle: Pixabay)

Insbesondere beim Wasser lässt sich viel Plastik sparen. Das Leitungswasser in Deutschland ist in der Regel von hervorragender Qualität. Um ganz sicher zu gehen, könnte sich auch die Investition in einen Wasserfilter lohnen. Wer es gern sprudelnd mag, für den lohnt sich bspw. ein Trinkwassersprudler.

Auch der Umstieg auf Ökostrom ist eigentlich keine große Sache. In den letzten Jahren ist das Angebot der Zulieferer stark gewachsen und wer geschickt Preise vergleicht, kann beim Ökostrom oft sogar Geld sparen.

Die typischen Neujahrsvorsätze haben also einiges gemeinsam: Sie werden oft unüberlegt formuliert und sind an zu hohe Erwartungen geknüpft. Lassen Sie es daher also lieber langsam angehen. Und sollten Sie in diesem Jahr bereits jetzt gescheitert sein, warum nicht direkt nochmal versuchen? Den Vorsätzen dürfte es egal sein, an welchem Datum sie umgesetzt werden.

 

Quellen:

https://de.statista.com

https://www.4motions-energy.de/neujahrsvorsaetze-2021-knapp-3-4-der-deutschen-will-nachhaltiger-leben/

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama

https://nutritionfacts.org/

https://www.drmcdougall.com/articles/

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Sonja Çeven
Sonja Çeven

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