Skandale mit Wetten auf manipulierte Spiele und Match Fixing erschüttern immer wieder die Sportwelt im Fußball und weiteren Spitzensportarten (Bild: Midjourney)

Die größten Wettskandale im Fußball und anderen Sportarten

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Einfallsreiche Spieler versuchen seit Beginn des Glücksspiels, sich einen Vorteil zu verschaffen, beispielsweise durch kluge Strategie oder findige Manipulation. Sportwetten bilden keine Ausnahme und ziehen immer wieder Betrüger an.

Der Ausgang eines Matches lässt sich nicht vorhersagen, es sei denn, die Partie ist verschoben und läuft zu unfairen Bedingungen ab. Die Bestechung von Spielern oder Schiedsrichtern ist absolut unsportlich kann aber selbst die ranghöchsten Wettbewerbe betreffen und hat bereits für viel Aufruhr, jedoch wenig Veränderung gesorgt.

Welche Wettskandale haben sich in den letzten 20 Jahren über die verschiedenen Sportarten hinweg ereignet? Wir haben eine Top 10 der besonders skandalösen Fälle vom sogenannten Match Fixing zusammengestellt.

Die Top 10 Sportwetten Skandale der letzten 20 Jahre

Match Fixing ist das Sportwetten-Äquivalent zum abgekarteten Glücksspiel: Betrüger versuchen, den Ausgang einer sportlichen Partie oder eines Wettkampfes vorherzubestimmen, indem sie Spielern oder Schiedsrichtern entsprechende Anweisungen geben und dafür Bestechungsgelder zahlen.

Dabei sind nicht nur die Gegner im Wettkampf die Verlierer, sondern auch Buchmacher und Sportwetten-Spieler – abgesehen davon, dass Sportlichkeit und Fairness auf der Strecke bleiben.

Trotz strenger Überwachung und Warnsystemen, die Sportwetten-Betrug erkennen sollen, kam es vor allem im Fußball immer wieder zu Wettskandalen. Aber auch andere Sportarten blieben nicht verschont und Match Fixing ereignete sich beispielsweise im Tennis, Basketball, American Football oder in Sportarten wie Baseball und Snooker. Hier sind zehn Aufsehen erregende Fälle der letzten 20 Jahre.

Die Ermittlungskommission Flankengott: Der Robert Hoyzer und Felix Zwayer Wettskandal im deutschen Fußball

Der Fußball Wettskandal 2005 gilt als einer der größten Fälle von Betrug in der Bundesliga. Der Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte sich von einem dubiosen Wettpaten kaufen lassen.

Der Kroate Ante Šapina zahlte für die Manipulation mehrerer Spiele in der 2. Fußball Bundesliga, beim DFB Pokal und in der Regionalliga. Hoyzer wurde im Jahr 2005 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Robert Hoyzer flog für seine verschobenen Spiele auf, nachdem ihn andere Schiedsrichter beschuldigt hatten, Lutz Fröhlich, Olaf Blumenstein, Manuel Gräfe und Felix Zwayer. Im Felix Zwayer Wettskandal hatte aber auch dieser von Hoyzer Geld genommen, um ihm als Linienrichter bei der Manipulation zu helfen. Der DFB sperrte ihn in der Folge für sechs Monate.

Auch die Brüder Ante und Milan Šapina verbuchten Haftstrafen, wurden aber zu Wiederholungstätern und zogen die Wettmanipulation sogar in noch größerem Stil auf.

Die Ermittlungskommission „Flankengott“ der Staatsanwaltschaft Bochum deckte schließlich im Jahr 2009 einen Wettskandal auf, der mindestens 200 manipulierte Fußballspiele umfasste, davon 32 Fälle von Match Fixing in Deutschland. Die Betrüger bestachen Spieler, Trainer und Offizielle und schlossen Wetten im Ausland ab, wodurch sie rund zehn Millionen Euro erspielten.

Die Ermittlungskommission „Flankengott“ führte im Verfahren Bestechungsgelder in Höhe von insgesamt 1,75 Millionen Euro an. Angefangen von 250 Euro für manipulierte Spiele in der A-Jugend flossen bis zu 100.000 Euro für Begegnungen in höheren Ligen. Die UEFA sprach vom größten Betrugsskandal im europäischen Fußball überhaupt.

Ist Spielmanipulation strafbar?

Grundsätzlich ist es nicht ungesetzmäßig, dass sich ein Sportler oder Spieler nicht im eigenen Sinne oder dem Sinne seiner Mannschaft verhält – mit anderen Worten dürfen Spieler selbstverständlich Fehler machen. Das gilt auch für den Schiedsrichter: Wird der Unparteiische seiner Funktion nicht gerecht und entscheidet zugunsten einer Seite, ist das unsportlich, aber nach dem Gesetz nicht strafbar, selbst wenn Geld geflossen ist. Nimmt ein Schiedsrichter einen Betrag an, um den Spielverlauf absichtlich zu lenken, müssen sich weder Geldgeber noch Empfänger dafür vor der deutschen Strafgerichtsbarkeit verantworten.

Aber: Schiedsrichter, Spieler und Mannschaftsverantwortliche unterliegen der nationalen und internationalen Sportgerichtsbarkeit und müssen mit Konsequenzen wie Sperren oder Berufsverbot rechnen. Der Eingriff ins Spielgeschehen mit dem Zweck, durch Match Fixing erfolgreich Sportwetten zu platzieren, ist allerdings strafbares Handeln.

Der Australier und der Fall Koriopolis: Match Fixing im Profifußball Griechenlands

Im Jahr 2011 wurde ein Wett- und Manipulationsskandal in Griechenland bekannt, als die FIFA mehrere Spiele als manipuliert verdächtigte. Die verschobenen Partien betrafen die zweite und dritte griechische Liga. Die griechische Staatssicherheit und der Nachrichtendienst konnten die Täter durch abgehörte Telefongespräche ermitteln und überführen.

Das Landgericht Athen verurteilte insgesamt 58 Funktionäre, Schiedsrichter und ehemalige Spieler zu teils jahrelangen Haftstrafen, beispielsweise Giorgos Borovilo, Klub-Präsident von Asteras Tripolis.

Die höchste Strafe von zehn Jahren ging an Wasilis Karakoulis, ehemaliger Besitzer von Ilioupolis, der sich neben Spielmanipulation auch für illegalen Waffenbesitz sowie versuchte Erpressung und Geldwäsche verantworten musste.

Die Presse taufte den Wettskandal „Koriopolis“ – ein Wortspiel, das den italienischen Calciopoli Wettskandal aus dem Jahr 2006 aufgreift und mit dem griechischen Wort für „Abhören“ vermischt. Die Aufklärung des Falls „Koriopolis“ dauerte acht Jahre.

Trotz der Aufdeckung im Jahr 2011 wurde in Griechenland eine kriminelle Bande von etwa 60 Personen ab 2012 tätig, die für einen erneuten Wettskandal sorgten. Die Athener Geldwäsche-Behörde deckte den Fall im März 2024 auf, der ehemalige Fußball-Nationalspieler, Trainer und Vertreter der griechischen Super League 1 und 2 betrifft.

Ausgangspunkt war ein Mord: Am 31. Oktober 2018 wurde der Unternehmer Jannis Makris vor seinem Anwesen in Athen erschossen. Der Grieche, der lange Zeit in Australien gelebt hatte, trug deshalb den Spitznamen „der Australier“ und war im Ausland in Drogengeschäfte verwickelt.

Seine zwielichtigen Geschäftspartner erregten die Aufmerksamkeit der Ermittler: Diese nutzen griechische Wettfirmen, um mehr als eine Milliarde Euro an Schwarzgeld zu waschen, indem sie beispielsweise illegale Wetten auf Fußballspiele abschlossen. Nach Abschluss der Ermittlungen unter Leitung des Staatsanwalts Charalambos Vourliotis wurden elf Personen schuldig gesprochen.

Der Calciopoli Wettskandal im italienischen Fußball

Calciopoli bedeutet so viel wie „Fußballgate“ und bezeichnet einen italienischen Wettskandal aus dem Jahr 2006 in der Spitzenliga Serie A und der Zweitliga Serie B. Mehrere Schiedsrichter, Assistenten sowie Clubs und Funktionäre waren in den Fall verwickelt. Auch in diesem Fall brachten Telefonabhörungen Beweise und Verbindungen zutage.

Die Wettbewerbe der Serie A 2004/05 und 2005/06 standen unter Match Fixing Verdacht, aber es kam nur zu Ermittlungen, die 19 Partien in der Saison 2004/05 betrafen. Verwickelt waren die Teams Milan, Fiorentina, Juventus, Lazio und Reggina. Im Anschluss wurde Juventus der Titel aberkannt.

Match Fixing im Top-Tennis

Im Jahr 2016 berichteten die BBC und BuzzFeed über einen großen Tennis Wettskandal, der 16 Spitzenspieler in der Top 50 der Weltrangliste betraf, darunter mehrere Grand Slam Gewinner im Doppel und Einzel.

Zumindest von diesen lässt sich kaum sagen, dass sie unter Geldnot litten, insgesamt waren aber rund 70 Spieler in den Betrug und Wettskandal verwickelt und beschuldigt, absichtlich Matches verloren zu haben.

Eine Wettmafia mit Syndikaten in Russland und Italien zahlte den Spielern bis zu 50.000 US-Dollar pro Partie, um hohe Summen auf Außenseiterquoten zu wetten.

Genau deswegen kam es aber auch zu den Anschuldigungen: Der Daten-Journalist John Templon analysierte für BuzzFeed 26.000 Begegnungen von 2009 bis 2015 auf Match Fixing und verglich die Statistik für die Favoriten mit Sportwetten auf die Außenseiter, die überraschend gewannen und für hohe Wettumsätze sorgten.

Im Jahr 2007 sorgte beispielsweise der Russe Nikolai Dawidenko für Aufsehen, als er als Favorit gegen den Argentinier Martin Vassallo Argüello antrat und letztlich wegen einer Verletzung unterlegen aufgab.

Nach der Niederlage im zweiten Satz platzierten Tippspieler hunderttausende Dollar auf den Underdog Vassallo, sodass es beim Wettanbieter Betfair sogar zu einer Sperre der Sportwetten auf die Partie kam.

Trotz Wetten von insgesamt mehreren Millionen beteuerten beide Spieler ihre Unschuld. Zu einer Überführung kam es nicht, unter anderem, weil Dawidenko eine Offenlegung von Finanzdaten verweigerte.

Wettskandal um Jungstars der Azzurri

Im Oktober 2023 wurden drei junge Spieler der italienischen Nationalelf verdächtigt, an illegalen Online-Sportwetten beteiligt gewesen zu sein. In Italien ist Glücksspiel zwar erlaubt, aber nicht auf illegalen Wettseiten im Internet. Außerdem dürfen Sportler nicht auf die eigene Sportart wetten. Bei Verstoß drehen Sperren und Geldstrafen.

Im Mittelpunkt steht Nicolò Fagioli, der für Juventus Turin spielt und auch schon mit der Squadra Azzurra für Italien antrat. Er soll mehr als eine Million Euro verwettet haben. Er kooperiert mit der Staatsanwaltschaft mit der Aussicht auf eine mildere Strafe.

Zwei weitere betroffene Spieler sind Sandro Tonali und Nicolò Zaniolo, die ebenfalls in der Nationalmannschaft spielen und in der englischen Premier League unter Vertrag stehen. Nach Bekanntwerden wurden alle betroffenen Spieler von der EM-Qualifikation ausgeschlossen. Die Ermittlungen im Fall dauern noch an.

Der NBA Wettskandal um Schiedsrichter Tim Donaghy

In der National Basketball Association kommt es pro Saison zu rund 250 Millionen US-Dollar an Wetteinsätzen. Der über 13 Jahre lang tätige Schiedsrichter Tim Donaghy hatte Wettschulden und war deshalb in Kontakt zum organisierten Verbrechen geraten. Während der Jahre 2003 bis 2007 manipulierte er deshalb Matches und verkaufte Insider-Informationen. Die US-Bundespolizei FBI ermittelte.

Tim Donaghy wurde zu 15 Monaten Haft und drei Jahren Freilassung unter Überwachung verurteilt. Er gestand die Spielmanipulation sowie die Wetten auf eigene Matches. Seine Kooperation führte zu einer erheblichen Strafminderung.

Dennoch nannte David Stern, Chef der NBA, Tim Donaghy eine kriminelle „Ratte“ und bezeichnete den Fall als schlimmsten, den er je erlebt habe. Donaghys Mittäter waren nicht in der NBA tätig.

Superstar Wettskandal in der Major League Baseball in den USA

Der Japaner Shohei Ohtani ist in der US-Amerikanischen Major League Baseball ein Superstar, der für die Los Angeles Dodgers spielt und dafür ein Jahresgehalt von rund 70 Millionen Dollar kassiert. Anfang des Jahres 2024 wurde bekannt, dass Ohtani 4,5 Millionen US-Dollar an einen Wettmacher in Kalifornien überwiesen hatte.

Der Spieler selbst redete sich mit Diebstahl heraus und beschuldigte seinen Dolmetscher, das Geld ohne sein Wissen gezahlt zu haben. In den USA ist es Spielern und Baseball Clubs verboten, Sportwetten zu platzieren, doch jährliche Wetteinsätze von rund 120 Milliarden US-Dollar stellen offensichtlich eine große Versuchung dar.

Der größte Wettskandal im US-amerikanischen Baseball war aber der „Black Sox Scandal“ im Jahr 1919. Die New Yorker Mafia zahlte 100.000 US-Dollar für eine Niederlage der Chicago White Sox gegen die Cincinnati Reds bei der World Series. Die Spieler damals waren aufgrund eines besonders knausrigen Club-Chefs anfällig für Bestechung geworden.

Die Wettschulden von Ryan Tandy in der National Rugby League

Der Australier Ryan Tandy war ein professioneller Spieler in der National Rugby League und dort in einen Wettskandal verwickelt. Im Jahr 2010 fielen der australischen Wettagentur für Totalisatorwetten Unregelmäßigkeiten bei den Sportwetten auf Matches mit Ryan Tandy auf.

Wettaktivitäten von Freunden und Bekannten des Spielers überstiegen einen Gesamteinsatz von hunderttausend Dollar. Um diese zu gewinnen, hätte Tandy zum Nachteil seines Teams agieren müssen.

Ryan Tandy bestritt die Vorwürfe, konnte aber im Jahr 2011 des Match Fixing überführt werden und erhielt lebenslanges Berufsverbot. Es stellte sich heraus, dass der Spieler Wettschulden von mehr als 70.000 Dollar hatte. Im Jahr 2014 wurde er wegen Kidnapping rund um ein Drogendelikt verhaftet und verstarb drei Monate später an einer Medikamenten-Überdosis.

Wettskandal in der World Snooker Tour

Ende des Jahres 2022 wurde eine Manipulationsaffäre im Präzisionssport Snooker bekannt, der für die Suspension von zehn Spielern sorgte. Dazu gehört auch der Chinese Zhao Xin-tong, der zum Zeitpunkt als Star Platz Neun der Weltrangliste belegte.

Die World Professional Billiards and Snooker Association WPBSA ermittelte gegen die Spieler wegen Vorwürfen von verschobenen Partien. Die Funktionäre vermuteten Strukturen, die systematisch Spiele manipulierten, um Wetterfolge zu produzieren.

Dahinter soll das organisierte Verbrechen stehen in Form der chinesischen Mafia stehen, denn betroffen waren junge Spieler aus China. Chang Bingyu berichtete beispielsweise davon, bedroht worden zu sein.

Am Ende wurden Liang Wenbo und Li Hang von der WPBSA lebenslang gesperrt und zu Geldstrafen von rund 50.000 Euro verurteilt. Acht weitere Spieler erhielten Sperren für mehrere Monate und bis zu fünf Jahren.

Spielersperren in der National Football League in den USA

Die zunehmende Legalisierung von Sportwetten in unterschiedlichen US-Bundesstaaten sorgt für Probleme in der National Football League. Gemäß den Regeln der Liga dürfen Spieler, Trainer und Funktionäre keine NFL Wetten abschließen, auch nicht durch Mittelsmänner. In der Vergangenheit kam es wegen Verstößen zwar immer wieder zu Sperren, aber für mehrere Jahrzehnte ereigneten sich keine Wettskandale.

Jetzt häufen sich die Fälle: Im Jahr 2023 wurden mindestens zehn Spieler wegen NFL-Sportwetten gesperrt. Der teilweise lange Ausfall von teuren Spielern, für die mitunter hohe Transfersummen geflossen sind, kann die Teams in Schwierigkeiten bringen. In einigen Fällen hatten Spieler mehrere hundert Wetten abgeschlossen, darunter auch auf eigene Spiele, was zumindest den Verdacht des Match Fixing nahelegt.

Quellen:
https://www.kriminalpolizei.de/
https://www.dw.com/
https://www.completesports.com/the-biggest-sports-betting-scandals-in-history/
https://www.sportschau.de/
https://sportshandle.com/
https://wpbsa.com/

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Jakob Straub
Jakob Straub Casino Experte

Buchautor und Branchenexperte Jakob schreibt seit 5 Jahren für CasinoOnline.de

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