, July 4, 2019

Margot James, britische Ministerin für Digital- und Kreativ-Industrie, hat am Dienstag die Anbieter virtueller Lootboxen in Schutz genommen.

 

Margot James Profilfoto mit buntem Oberteil

Margot James verteidigte am Dienstag die Lootbox-Anbieter. (Quelle: Wikipedia)

Vor einem Komitee des britischen Unterhauses sagte die Tory Politikerin, dass Lootboxen nicht die klassische Definition des Glücksspiels erfüllten, also eines Spiels zur Erlangung eines finanziellen Vorteils mit rein zufälligem Ausgang.

 

Vielmehr, so James, nutzten Spieler die Lootboxen, um In-Game-Gegenstände oder Skins zu erwerben und ihr Spiel auf diese Weise zu verbessern.

 

Die Rolle von Lootboxen in Videospielen erhitzt seit vielen Monaten weltweit die Gemüter.

 

Zahlreiche britische Parlamentsabgeordnete betrachten die digitalen Beutetruhen mit beliebigem Inhalt als Glücksspielvariante, die womöglich zur Spielsucht unter Kindern und Jugendlichen beiträgt.

 

Kritik an allen Fronten

 

Wie The Telegraph (Link auf Englisch) berichtete, kritisierte insbesondere Damian Collins, Vorsitzender des Komitees für Digitales, Kultur, Medien und Sport, während der Anhörung die Regierungsmeinung.

 

Die Beutekisten glichen einem „Roulette-Rad“, bei dem Spieler in der Hoffnung auf ein positives Ergebnis Geld auf zufällige Pakete setzten. Zuspruch erhielt er vom Labour-Abgeordneten Clive Efford, der vor allem eine Gefahr für junge Gamer sieht.

So regulieren andere Staaten Lootboxen

Während in Großbritannien noch über den richtigen Umgang mit digitalen Beutekisten gestritten wird, haben andere EU-Staaten bereits passende Gesetze kreiert, die das Phänomen der Lootboxen erfassen. So werden die Beutetruhen sowohl in den Niederlanden als auch in Belgien als Glücksspielvarianten behandelt und sind deshalb illegal. Spieleanbieter, die sie in den Ländern dennoch offerieren, droht eine strafrechtliche Verfolgung.

 

In Deutschland wurde die rechtliche Stellung der Lootboxen noch nicht abschließend geklärt. In Großbritannien und den USA sind sie bislang legal. Dies könnte sich allerdings in nächster Zeit ändern. So präsentierte der republikanische US-Senator Josh Hawley im Mai 2019 den „The Protecting Children from Abusive Games Act“, der möglicherweise virtuelle Beutetruhen verbieten könnte. Die aktuelle politische Diskussion im Vereinigten Königreich zeigt, dass eine Regulierung auch hier nicht unwahrscheinlich ist.

Kinder setzten sich bei den Spielen all den Emotionen von Glücksspiel aus. Fraglich sei, wie die Regierung immer noch übersehen könne, dass es bei den Online-Games um Glückspiel gehe.

 

Abgeordnete der Scottish National Party, der drittgrößten Partei im britischen Unterhaus, fragten sogar, ob die Regierung aufgrund ihrer Handlungslosigkeit selbstgefällig mit dem Thema umgehe.

 

Fehlt es an Beweisen?

 

Margot James, die in ihrer Ministerrolle auch die Interessen der Industrie berücksichtigen muss, gab sich vorsichtiger. Bevor es zu einem regulatorischen Eingriff kommen könne, müsse genau geprüft werden, ob Lootboxen tatsächlich eine Form des Glücksspiels darstellten.

 

Vor dem Komitee mahnte sie zur Besonnenheit und bekräftigte gleichzeitig die Bereitschaft der Regierung, alles zu tun, um die britische Jugend zu schützen:

„Wenn mir Beweise vorgelegt würden, dass Lootboxen ein Tor zu problematischem Spielen darstellen, dann würde ich mir Sorgen machen. Ich denke, dass es sich bei der Gaming-Community um eine große Anzahl junger Leute handelt – natürlich keineswegs nur junge. Gaming ist ein Vergnügen für alle Altersgruppen. Aber in Bezug auf junge Personen müssen wir besonders wachsam sein, und wenn Beweise auftauchen sollten, dass Lootboxen ein Tor zum problematischen Spielen darstellen können, müssen wir dies ernst nehmen und etwas unternehmen.“

Vorher brauche es allerdings Untersuchungen, die diese Annahme stützten. Bisher gäbe es keine Langzeitstudien zum Thema und das Forschungsgebiet sei noch zu jung, um ein abschließendes Urteil über den Zusammenhang von Glücksspiel und Lootboxen zu fällen.

 

Was kann die Industrie tun?

 

Die Gaming-Industrie hielt sich bei den Diskussionen um den Charakter der Lootboxen in den letzten Monaten stark zurück. Grund dafür könnte das drohende Medienecho, aber auch die Reaktion der Politik gewesen sein.

 

Ganz falsch lag man mit diesen Sorgen womöglich nicht. Als sich die Verantwortlichen von EA und EPIC Games Ende Juni 2019 vor dem britischen Unterhaus zur Sache äußerten, fielen die Beiträge einiger Redner durchaus unglücklich aus.

 

So versuchte EA-Vertreterin Kerry Hopkins die Lootboxen während der Anhörung als „Surprise Mechanics“ (dt. „Überraschungs-Mechaniken“) zu verkaufen, die ethisch seien und Spaß machten.

 

 

Ob sich die Situation der Lootbox-Anbieter durch eine bloße Neubenennung derselben Sache verbessern wird, erscheint unwahrscheinlich. Transparenz und ein klares Bekenntnis zum Jugendschutz könnten hingegen den Unterschied ausmachen.