, 09.06.2020

In Bulgariens Glücksspielbranche sorgt eine Gesetzesinitiative für Unruhe. Darin fordern die Initiatoren die Schließung eines Großteils der landbasierten Casinos. Die Branche befürchtet deshalb einen Geschäftseinbruch von 75 %.

 

Nur noch zehn Casinos im gesamten Land?

Auslöser der Unruhe war eine letzte Woche unter Führung des Politikers Valeri Simeonov von der rechtsgerichteten Partei NFSB eingereichte Gesetzesvorlage. Dieser will landbasierte Glücksspielbetriebe nur noch im Umkreis von 20 km rund um Bulgariens Hauptstadt Sofia genehmigen.

 

Würde das Vorhaben in die Tat umgesetzt, dürften ab 2026 nur noch zehn große Casino-Resorts im Ballungsgebiet der Millionenmetropole existieren. Darüber hinaus solle im Rest des Landes kein landbasiertes Glücksspiel mehr möglich sein, so Simeonov.

 

Als Ziel gab der Politiker an, dass

diese Aktivität sich auf Ausländer, auf Touristen und nicht auf Bulgaren konzentrieren [solle].

Die Branche erwartet herbe Einschnitte, denn das Vorhaben würde zur Schließung von 638 Casinos und Spielhallen führen. Vertreter der Bulgarian Gaming Association, die eigenen Angaben zufolge 60 % der lizenzierten Anbieter vertritt, zeigten sich geschockt. Sie fürchten neben Einbußen von 75 % den Verlust Zehntausender Arbeitsplätze.

 

In einem Statement erklärte ein Sprecher, dass neben 30.000 Jobs viele Sportvereine aufgrund entgangener Sponsoring-Einnahmen gefährdet seien. Zudem verlöre der Staat jährlich Steuergelder in Millionenhöhe, wenn die Betriebe schließen müssten.

 

Staatlicher Konkurrent für Online Casinos?

Die aktuelle Initiative ist nicht Simeonovs erster Vorstoß gegen die Glücksspielbranche. So startete er im Januar eine Gesetzesvorlage, die ein Verbot privater Lotterien in Bulgarien vorsah. Diese wurde vom Parlament im Februar verabschiedet und verschaffte dem staatseigenen Anbieter Toto bei der Durchführung von Lotterien ein Monopol.

Um das Glücksspiel künftig besser zu koordinieren, plant die Regierung den Einsatz einer neuen Glücksspielkommission. Die bisherige Behörde ist in zahlreiche Bestechungsskandale verwickelt. Um dies zu verhindern, soll die neue Koordinierungsstelle direkt dem Ministerrat unterstellt werden.

Mit einer letzte Woche präsentierten Gesetzesvorlage stützt nun auch die Regierungspartei GERB den Anbieter Toto. Demnach solle es dem Staatskonzern erlaubt werden, neben Sportwetten und Lotterien auch Online-Casino-Spiele anzubieten.

 

Sollte dieses Gesetz das Parlament ebenfalls passieren, dürften sich die Betreiber der privatgeführten Online-Casinos künftig einer erstarkten staatlichen Konkurrenz ausgesetzt sehen.