, 15.05.2021

Die European Gaming & Betting Association (EGBA) beschäftigt sich seit einiger Zeit vermehrt mit dem Thema Glückspiel-Monopole vs. Multi-Lizenz-Systeme. Am Donnerstag hat der europäische Glücksspielverband in diesem Zusammenhang eine neue Analyse der Glücksspiellandschaft Europas veröffentlicht [Seite auf Englisch].

 

Der EGBA zufolge verfügen 25 europäische Staaten heute über ein Multi-Lizenz-System für den Bereich des Online-Glücksspiels. Deutschland und die Niederlande, in denen das Online-Glücksspiel erstmals in diesem Jahr legal werden soll, werden bereits dazu gezählt.

 

In 21 der 25 Länder mit Multi-Lizenz-System werden alle Sparten des Glücksspiels auf diese Weise reguliert. In den übrigen vier Ländern stellt je eine oder mehrere der Glücksspiel-Sparten eine Ausnahme dar. In Ungarn und Slowenien herrscht beispielsweise ein Sportwetten-Monopol, in Österreich und Polen hingegen fallen alle Online-Glücksspiele mit Ausnahme der Sportwetten unter ein Monopol.

Laut der Zusammenfassung der EGBA gibt es einige wenige Staaten in Europa, in denen der Glücksspielsektor zumindest im Online-Bereich als unreguliert bezeichnet werden kann. Irland beispielsweise beruft sich noch immer auf sein Glücksspielgesetz von 1956, welches auf das Online-Glücksspiel nicht anwendbar ist. Die Regierung des Landes arbeitet seit mehreren Jahren an der Verabschiedung eines neuen Glücksspielgesetzes. Ein weiteres Land gänzlich ohne Regulierung des Online-Glücksspiels ist Luxemburg.

Zwei Länder in Europa halten hingegen mit voller Kraft an ihrem Glücksspiel-Monopol fest: Finnland und Norwegen. Letztes Land hatte die EGBA erst kürzlich ins Visier genommen, da das Monopol des Landes in den Augen des Verbandes auf ganzer Linie scheitere. So seien die Zahlen der Spielsüchtigen in Norwegen deutlich höher als in anderen europäischen Ländern.

 

Die Verteidiger des Glücksspiel-Monopols

Trotz der mahnenden Worte der EGBA gibt es auch im deutschsprachigen Raum viele Befürworter von Glücksspiel-Monopolen. Nach Ansicht des Diplompsychologen Dr. phil. Tobias Hayer beispielsweise seien „monopolartige Strukturen“ auch für den künftigen deutschen Online-Glücksspielmarkt die beste Lösung.

 

Ähnlich sieht dies auch die Regierung Österreichs. Das Online-Glücksspiel soll dort auch künftig ausschließlich auf der zur Casinos Austria AG und den Österreichischen Lotterien gehörigen Plattform win2day angeboten werden. Alle anderen Anbieter sollen per DNS-Blocking gesperrt werden.

 

In den Augen der EGBA sind diese Ansätze jedoch rückschrittig. Generalsekretär Maarten Haijer kommentiert:

Anders als bei den Monopolen sind die Vorteile von vollständiger Multi-Lizenzierung offensichtlich: besserer Verbraucherschutz, mehr Steuereinnahmen für den Staat und bessere Kontrolle über die Online-Glücksspiel-Märkte. Der Großteil europäischer Staaten hat dies bereits verstanden – wann verstehen es die Restlichen?

Die EGBA begrüße indes, dass zahlreiche Länder in Europa sich der Realität des Online-Glücksspiels bereits angepasst hätten. Schließlich lasse sich anhand der umfangreichen Vergleichsdaten nicht leugnen, dass Multi-Lizenz-Systeme die effizienteste Form der Glücksspiel-Regulierung darstellten.