, 19.11.2019

Die Anwälte des Wynn-Resorts Gründers Steve Wynn sind der Meinung, dass mit dessen Rückzug aus dem Konzern auch die Zuständigkeit der Glücksspielbehörde von Nevada für dessen Belange ein Ende gefunden habe. Dies erklärten die Juristen nun als Reaktion auf eine im Oktober eingereichte Beschwerde des Nevada Gaming Control Boards (NGCB) gegen den Glücksspielunternehmer.

Wynn wird verdächtigt, über Jahre Angestellte sexuell missbraucht zu haben. Nach Ansicht der Behörde verfügt er damit nicht mehr über die charakterlichen Voraussetzungen, um jemals wieder in der Branche tätig zu sein.

 

„Nicht integer“

 

Am 14. Oktober dieses Jahres  wandte sich das NGCB mit einer 23-seitigen Beschwerde an die Nevada Gaming Commission. In dieser forderte es die Verhängung einer Geldstrafe gegen den ehemaligen Casinomagnaten Steve Wynn und seine Einordnung als Person mit unzureichender Integrität. Der Unternehmer steht im Verdacht, über Jahre hinweg rund 150 weibliche Angestellte sexuell genötigt zu haben.

Wer in Nevada als Glücksspielunternehmer aktiv sein möchte, muss nicht nur bestimmte wirtschaftliche, sondern auch moralische Voraussetzungen erfüllen. Dies regeln das Nevada Revised Statute und die Gaming Commission Regulations.

 

Unter anderem müsse der Lizenznehmer eine Person von gutem Charakter, Ehrlichkeit und Integrität sein. Sein Verhalten dürfe weder für die Glücksspielbranche noch für den Bundesstaat eine Bedrohung darstellen, so die Vorgabe.

Mit der offiziellen Aberkennung der charakterlichen Eignung wäre eine Rückkehr des 77-Jährigen in den Glücksspielmarkt von Las Vegas vermutlich endgültig ausgeschlossen. Seine aktiven Lizenzen wurden bereits von den Behörden eingefroren.

 

„Keine Bedrohung für die Branche“

 

Nun reagierten die rechtlichen Vertreter Wynns auf den Vorstoß des NGCB. Sie beantragten die Abweisung jeglicher Beschwerden vor der Gaming Commission.

 

Ihrer Rechtsauffassung zufolge sei es weder die Befugnis der Kommission noch des Control Boards, Sanktionen gegen ihren Mandanten zu verhängen. Schließlich pflege dieser bereits seit langem keinerlei Beziehung mehr zu Lizenznehmern des Staates und könne somit auch keinen negativen Einfluss auf den Glücksspielsektor haben:

Die spezifische Frage lautet: Hat die Nevada-Gesetzgebung Nevadas Glücksspielregulierungsbehörden ausdrücklich oder stillschweigend dazu ermächtigt, eine Person zu disziplinieren, die nicht mehr an einem Nevada-Glücksspiellizenznehmer beteiligt ist und somit keine mutmaßliche Bedrohung für die Branche mehr darstellt oder die breite Öffentlichkeit? Unsere Antwort auf diese Frage ist ein klares „Nein“.

Tatsächlich hatte der auf ein Vermögen von über drei Milliarden US-Dollar geschätzte Unternehmer seinen Posten als CEO des Wynn-Konzerns bereits im Februar 2018 aufgegeben. Im folgenden Monat veräußerte der heute 77-Jährige zudem seine gesamten Firmenanteile.

 

Skandal mit Folgen

 

Dem Rückzug von der Unternehmensspitze war das Bekanntwerden (Seite auf Englisch) diverser Vorwürfe vorausgegangen, nach denen Wynn seine Position im Konzern über Jahre wiederholt ausgenutzt haben soll, um weibliche Angestellte sexuell zu belästigen und missbrauchen. Der Casinogründer bestreitet die Taten.

 

Logo Nevada Gaming Control Board

Das NGCB hält Steve Wynn für ungeeignet, weiterhin im Glücksspielsektor aktiv zu sein (Quelle:gaming.nv.gov/)

Der Skandal hatte zu einer Umstrukturierung des Unternehmens inklusive Austauschs der gesamten Führungsriege geführt. Dem unter Wynn tätigen Management war vorgeworfen worden, die Übergriffe des Firmengründers nicht nur geduldet, sondern auch gedeckt zu haben.

 

Es folgten diverse Verhandlungen mit den Glücksspielbehörden der Staaten Nevada und Massachusetts, die im Umgang des Konzerns mit den Taten Wynns massive Verstöße gegen die Lizenzbedingungen für Glücksspielanbieter erfüllt sahen.

 

Das Unternehmen erklärte sich zur Zahlung empfindlicher Geldstrafen bereit und bemüht sich seither, seinen Ruf auch durch die Implementierung einer neuen Unternehmenskultur zu reparieren.

 

Wynn selbst musste sich wegen seiner mutmaßlichen Taten bislang nicht vor Gericht verantworten. Zwar sind diverse juristische Vorgänge anhängig, bislang konnte der Milliardär jedoch immer wieder Teilerfolge verbuchen.

 

Spiel auf Zeit?

 

Tatsächlich kommt auch die aktuelle Eingabe der Juristen wenig überraschend. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Beschwerde der NGBC hatten Experten vermutet, dass die Vertreter Wynns eine rechtliche Überprüfung in die Wege leiten und das Verfahren somit in die Länge ziehen könnten.

 

Denn so lange nicht endgültig entschieden ist, inwieweit die NGCB überhaupt in der Position ist, Strafmaßnahmen gegen Wynn in die Wege zu leiten, ist eine Aberkennung der offiziellen charakterlichen Eignung nicht möglich.

 

Das Control Board hat nun bis zum 27. November Zeit, auf das Schreiben der Anwälte zu reagieren. Zum vorläufigen Showdown in der Causa Wynn könnte es ab dem 19. Dezember kommen. Dies ist der früheste Zeitpunkt für eine Anhörung der Parteien vor der Gaming Commission, die somit möglicherweise noch in diesem Jahr über die Zukunft von Steve Wynn in der Glücksspielwelt entscheiden könnte.

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