, 31.10.2018

Die Regierung von Gibraltar will mit politischen Mitteln für einen Verbleib der Glücksspielanbieter werben, denn im Zuge des bevorstehenden Brexits hatten bereits Gaming-Anbieter wie Bet365 und 888 angekündigt, ihre Operationen wenigstens teilweise auf die Insel Malta zu verlegen.

 

Gibraltar und Spanien sehen gemeinsame Zukunft

 

Während in diesem Monat beim Treffen der Europäischen Regierungschefs in Brüssel über den geordneten Ablauf des Brexits beraten wurde, stand auch das Verhältnis zwischen Gibraltar und Spanien auf der Agenda.

 

Bet365 ist einer der Anbieter, die ihr Glück in Malta suchen. (Quelle: Wikipedia)

Gibraltar ist Teil des Vereinigten Königreichs und ein beliebter Standort für Glücksspielanbieter. Gründe dafür sind niedrige Steuern und ein einfacheres Verfahren zur Erlangung einer Glücksspiellizenz. Zudem können die in Gibraltar ansässigen Firmen in der gesamten Europäischen Union operieren.

 

Dies könnte sich allerdings ändern, sollte Gibraltar nach dem Brexit kein Teil der EU mehr sein.

 

Nachteile, die nach dem Ausscheiden Gibraltars aus der Europäischen Union drohen, könnten auch die spanischen Nachbarn treffen. Die Gaming-Industrie beschäftigt in Gibraltar mehr als 3.400 Personen. Nicht wenige der Angestellten kommen täglich über die spanische Grenze zur Arbeit.

 

Aus diesem Grund arbeiten Politiker aus Spanien und Gibraltar Hand in Hand, um die wirtschaftlich wichtige Branche in Gibraltar zu halten. Würden sich die positiven Vorzeichen für die Gaming-Industrie ins Negative kehren, könnte ein Exodus der Firmen nach Malta drohen.

Wieso ist Gibraltar so wichtig für Spanien?
Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet, das am 29. März 2019 zusammen mit dem Vereinigten Königreich aus der EU austreten soll. Die Halbinsel ist seit 1704 Teil des britischen Empires, wird allerdings von Spanien beansprucht.

 

Die engen wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Spanien und Gibraltar haben sich historisch geformt und hängen letztlich mit der geografischen Nähe zusammen. Die wirtschaftliche Kooperation wurde durch die EU-Partnerschaft zusätzlich gefestigt.

 

Täglich pendeln etwa 12.000 Arbeiter zu ihren Arbeitsplätzen nach Gibraltar. Mehr als 50 % von ihnen sind Spanier. Erleichtert wird der Verkehr von Waren und Dienstleistungen durch gemeinsame EU-Standards wie Zölle und offene Grenzen. Während die Arbeitslosigkeit in der spanischen Grenzregion Campo de Gibraltar mit knapp 40 % ein krasses Ausmaß angenommen hat, hat Gibraltar eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten weltweit.

 

Stabilität für Firmen

 

Gibraltar und Spanien wollen mit ihren Statements über eine Fortsetzung der Kooperation ein starkes Zeichen für wirtschaftliche und politische Stabilität setzen. Immerhin wäre ein harter Brexit, ein kompletter Bruch der UK mit den Staaten der EU-Staaten, mit weitreichenden Folgen verbunden. So müssten EU-Bürger eine Arbeitserlaubnis beantragen, wenn sie in der Brexit-Zone tätig sein wollen.

 

Dies träfe die in Gibraltar ansässige Gaming-Branche hart. Die bürokratischen Hürden könnten das Wachstumspotential der Industrie beschränken. Zudem könnte sich das attraktive Steuerregime, dass die in Gibraltar lizenzierten Betreiber genießen, durch einen Brexit zum Nachteil verändern.

 

Diese Skepsis über die Zukunft teilen auch die Anbieter, die den Beteuerungen aus der Politik wenig Glauben schenken und ihre Operationen nach Malta verlegen wollen.

 

Malta als attraktiver Ausweichort

 

Schon jetzt haben sich einige Glücksspielanbieter dazu entschieden, ihr Glück im östlichen Mittelmeer zu suchen. Denn Unternehmen wie Bet365 und Co. genießen niedrige Steuern auf der Insel und dürfen sich über günstige Beiträge für Jahreslizenzen freuen.

 

Malta

Malta könnte ein neuer Bezugsort für Gaming-Anbieter aus Gibraltar werden (Quelle: Pixabay)

So verlangt die MAG (Seite auf Englisch), die Malta Gaming Authority, für eine Online-Glücksspiellizenz zwischen 10.000 und 25.000 Euro pro Jahr. Je nach Jahresgewinn und Typ der Lizenz kommt ein Compliance-Beitrag von 4 bis 0,4 % jährlich hinzu, eine Gebühr, die für die Prüfung regelkonformen Operierens erhoben wird. Zusätzlich fällt eine Steuer in Höhe von 5 % auf Einnahmen an, die von maltesischen Spielern generiert werden.

 

In Gibraltar werden für Jahreslizenz und Verwaltungsgebühr bis zu 100.000 Pfund fällig. Hinzu kommt Glücksspielsteuer von 0,15 %.

 

Mehr Rechtssicherheit in Malta

 

Gaming-Anbieter, die sich in Malta niederlassen, erwartet ein hohes Maß an Rechtssicherheit, die Brexit-Länder derzeit nicht bieten können. Die MAG rühmt sich mit der langen Tradition einer glücksspielfreundlichen Gesetzgebung:

„2004 wurde Malta der erste EU-Staat, der eine umfassende Gesetzgebung für Online-Gaming einführte. Interessengruppen schätzen Malta als eine der verlässlichsten und belastbarsten Gerichtsbarkeiten der Welt.“

Außerdem ist Malta ein attraktiver Wohnort für Menschen mit hohem Einkommen, das aus dem Ausland stammt.

 

Durch das Global Residence Programm müssen Personen mit permanentem Wohnsitz in Malta lediglich 15 % Steuern auf ausländische Einkünfte zahlen, sollten diese ins Land gebracht werden.

 

Ob Gibraltar nach einem Brexit mit solchen Steuermodellen konkurrieren kann, ist fraglich.