, 24.01.2018

Spielhallen und Wettbüros

Wettbüros und ihre FOBT sind im Fokus der Initiative (Bild: Artefact Magazine)

Großbritanniens Wett- und Glücksspielbranche steht vor schwierigen Zeiten. Zumindest die Betreiber von Wettbüros und anderen Unternehmen, die die soganannten FOBT (fixed-odds betting terminals) aufstellen. Grund ist die Aussage des britischen Kulturstaatssekretärs Matthew Hancock, der die Maximaleinsätze bei den Geräten begrenzten möchte. Im Raum steht dabei ein Betrag von nur noch 2 Pfund je Einsatz.

 

Beobachter zeigten sich von der Initiative Hancock überrascht. Dieser ist schließlich selbst ein ausgebildeter Jockey und häufiger Gast auf den Pferderennbahnen – einem Bereich mit ebenfalls herausragender Bedeutung für die Glücksspielindustrie. Nicht wenige hatten deshalb erwartet, dass sich der Staatssekretär beim Thema Glücksspiel zurückhält. Diesen Erwartungen und sicherlich auch Hoffnungen trat er mit der geplanten Begrenzung energisch entgegen.

 

Reduzierung von 100 Pfund auf 2 Pfund zum Schutz von sozial Schwächeren

Momentan können Nutzer an einem FOBT-Automaten alle 20 Sekunden bis zu einhundert Pfund setzen. Dies ermöglicht es, in nur einer Minute an FOBT 300 Pfund auf Casinospiele wie Roulette, Slots und virtuelle Pferde- sowie Hunderennen zu setzen. Politiker versuchen deshalb schon lange, die Verbreitung der FOBT einzuschänken.

 

Bisher können Spieler an einem FOBT innerhalb kürzester Zeit hohe Verluste erleiden. Die Gewinnanreize erhöhen zudem die Gefahr, schneller in die Spielsucht abzugleiten. Deshalb soll der Einsatz auf fünfzig und teilweise gar nur zwei Pfund reduziert werden. Denn besonders problematisch ist, dass die FOBTs insbesondere in ärmeren Gegenden mit sozial schwächeren Bevölkerungsschichten beliebt sind.

 

Dort finden sich überproportional viele Wettbüros, wo die FOBT hauptsächlich aufgestellt sind. Angesichts der oft prekären finanziellen Verhältnisse der Bewohner sind die Auswirkungen der Spielsucht um so gravierender. Mit der geplanten Kürzung der Einsätze würden Folgeschäden der Spielsucht wie Verarmung und Verschuldung nicht gelöst, aber doch immerhin stark reduziert.

 

Wie Offizielle aus dem für das Glücksspiel zuständigen Ministerium für Kultur, Medien und Sport verlautbarten, sei die Gesetzesvorlage noch nicht formell auf den Weg gebracht. Seine Einführung sei nach einer dreimonatigen Evaluierung allerdings sehr wahrscheinlich. Aus dem Ministerium heißt es dazu:

 

„Anbieter von Spielautomaten und Spielhallen müssen dafür Sorge tragen, dass die Branche sicher und nachhaltig betrieben wird, damit Spielsuchtgefährdete und Kinder vor Missbrauch geschützt sind. Wir werden sicherstellen, dass die erforderlichen Schritte eingeleitet werden. Momentan unterziehen wir die Situation einer detaillierten Prüfung und klären dann die erforderlichen rechtlichen Schritte.“

 

Befürworter des Vorstoßes sehen in den Spielautomaten die Hauptverursacher für Spielsucht und bezeichnen die FOBT-Geräte als „Super-Droge“ für die Nutzer. Die jüngste Initiative ist dabei lediglich ein weiterer Schritt bei dem Vorhaben, Einsätze und Gewinnsummen der Automaten zu reduzieren.

 

Matthew Hancock

Matthew Hancock (Bild: Independent)

Um die Versuchung für die Nutzer möglichst gering zu halten, wurden die Maximalgewinne der FOBT bereits auf 500 Pfund reduziert. Dahinter steht der Gedanke, dass durch verringerte Einsätze und kleinere Gewinne die Chancen steigen, viele Nutzer vor der Gefahr einer Spielsucht zu schützen.

 

FOBT sind für annähernd fünfzig Prozent der Einnahmen der Buchmacher verantwortlich. Als Reaktion auf die Ankündigung fielen die Kurse von britischen Glücksspielunternehmen. So gaben Ladbrokes Coral um zwölf und William Hill gar um 15 Prozent nach. Dies verdeutlicht, wie wichtig die Automaten für die Firmen sind. Analysten zufolge würde die Begrenzung auf zwei Pfund Ladbrokes Coral bis zu 437 Millionen Pfund an jährlichem Umsatz kosten. Auch William Hill wäre mit einem Minus von 288 Millionen Pfund stark von der Regel betroffen.

 

Große Auswirkungen auf die gesamte Branche

Die Industrie befürchtet, dass das Gesetz zur Schließung von bis zu 3.000 Wettbüros und dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze führen würde. Der Verband der Branche sagte:

 

„Jede Entscheidung sollte zuallererst das Problem der Spielsucht angehen. Spielhallen investieren bereits heute große Summen in Maßnahmen zur Verhinderung von Spielsucht. Der diskutierte Maximaleinsatz von zwei Pfund kommt jedoch einem Verbot von Spielautomaten gleich. Dieses gefährdet 21.000 Jobs und hätte zudem schwerwiegende Auswirkungen auf den Hunde- und Pferderennsport.“

 

Weiterhin befürchten Aktionäre und Finanzexperten, dass es sich bei dem aktuellen Vorhaben nur um einen weiteren Schritt der Regierung hin zu noch stärkerer Beschränkung und Regulierung der Wett- und Glücksspielbranche handelt. Besonders in letzter Zeit hat es seitens der Politik verstärkt Anstrengungen gegeben, die Glücksspielbranche stärker zu kontrollieren und zu besteuern.

 

Allerdings steht noch nicht fest, inwieweit die Regierung dem Vorschlag Folge leisten wird. Zwar endete die Evaluierung am Dienstag, doch bis zur endgültigen Entscheidung könnten noch Wochen oder gar Monate vergehen. Es wird zudem nicht ausgeschlossen, dass Hancocks Aussagen Wettanbieter dazu veranlassen, rechtliche Schritte gegen die Initiative einzuleiten, um die Beschränkung und den daraus resultierenden Umsatzverlust noch abzuwenden.