, 31.05.2021

Der hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) zufolge bedürfe es zahlreicher Änderungen am neuen Glücksspielstaatsvertrag, um das Glücksspiel in Deutschland sicherer zu machen und Spieler vor einer Spielsuchterkrankung zu schützen. Dies hat am Samstag die Zeit berichtet.

 

Die Liste der Kritikpunkte an der aktuellen Fassung des Vertrages ist lang. Laut der HLS stelle nicht nur die Legalisierung des Online-Glücksspiels neue Risiken dar. Auch diverse Veränderungen, die ab dem 1. Juli im landbasierten Glücksspielsektor erfolgen sollen, brächten Gefahren mit sich.

 

Glücksspiele zu allgegenwärtig?

Dazu zähle beispielsweise, dass Lotterie-Produkte, inklusive Rubbellose und Sportwetten, künftig nicht mehr nur in Lotterieannahmestellen, sondern auch in Spielhallen und im Gastgewerbe verkauft werden dürfen. In den Augen von HLS-Geschäftsführerin Susanne Schmitt normalisiere dies das Glücksspiel:

Glücksspiel ist riskant und darf nicht verharmlost werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass es zum Lebensalltag hinzugehört.

Durch die Erweiterung der Verkaufsstandorte ergäben sich zwei neue Risiken: Zum einen könnten Lotto-Spieler mit anderen und im Vergleich zum Lotto riskanteren Glücksspielprodukten wie Spielautomaten in Kontakt kommen, wenn diese am gleichen Ort verkauft würden.

 

Zum anderen stehe der Verkauf von Lotterie-Produkten im Gastgewerbe im Widerspruch zum Alkoholverbot in Lotterieannahmestellen. Alkohol sei dort „aus gutem Grund verboten“, denn er enthemme und vermindere die Selbstkontrolle beim Spielen.

 

Online-Glücksspiel ohne Glücksspiel-Aufsicht

Das höchste Risiko gehe jedoch vom Online-Glücksspiel aus. Die erstmalige Legalisierung von Online-Poker, Online-Roulette und Co, so Schmitt, müsste mit deutlich strikteren Regelungen einhergehen. Beispielsweise sollte Werbung für Online-Glücksspiel gänzlich verboten sein, fordert sie.

 

Schließlich fehle im Zusammenhang mit dem Online-Glücksspiel gänzlich die soziale Kontrolle, die üblicherweise beim „Gang in die Spielhalle“ vorhanden sei.

Online-Glücksspiel ist rund um die Uhr und mit dem Smartphone überall möglich.

Besonders problematisch daran sei jedoch, dass auch die nötige Kontrolle durch die geplante deutsche Glücksspielaufsicht nicht von Beginn an gewährleistet werden könne. In der Tat geht aus dem Zeitplan des Landes Sachsen-Anhalt hervor, dass diese erst 2023 vollständig arbeitsfähig sein könnte.

 

Laut Schmitt müsse daher zumindest an anderer Stelle versucht werden, die Problematik auszugleichen. Die erwarteten Mehreinnahmen für die Länder sollten dazu genutzt werden, um „die Mittel für Prävention und Beratung in Sachen Glücksspielsucht zu erhöhen“.

 

Derzeit litten allein in Hessen schätzungsweise 31.000 Menschen an Spielsucht. Zahlreiche weitere seien indirekt betroffen. All diese Menschen könnten sich kostenlos an die 15 Beratungsstellen des Landes wenden.

Similar Guides On This Topic