, March 19, 2019

Am Mittwoch verkündete der ehemalige irische Landwirtschaftsminister Tom Hayes die Gründung des Gambling Awareness Trusts, einer Organisation, die künftig Millionen von Euro in Spielerschutz und Aufklärung investieren soll. Die Spendengelder sollen dabei von den Buchmachern und anderen Profiteuren der Glücksspielbranche kommen.

 

Mangelnder Spielerschutz im ganzen Land

Das Glücksspiel in Irland ist allgegenwärtig und auch der Online Markt boomt seit Jahren. Laut einer aktuellen Studie zum Glücksspielverhalten der Iren haben mehr als zwei Drittel der Bevölkerung innerhalb des letzten Jahres gezockt. Auch hingen auf der grünen Insel knapp 7.000 Arbeitsplätze am landbasierten und Online Glücksspiel.

 

Doch mit dem starken Wachstum der Glücksspielbranche, allen voran Online Casinos und Online Buchmacher, stieg in den letzten Jahren auch die Zahl der Problemspieler und Spielsüchtigen. Letzten offiziellen Zahlen zufolge gäbe es rund 40.000 Fälle von Spielsucht in der Republik.

 

Irland zähle darüber hinaus heute weltweit zu den Nationen mit den höchsten Pro-Kopf-Verlusten. Ebenfalls besorgniserregend sei die hohe Anzahl minderjähriger Spieler im Land.

 

Gegenmaßnahmen oder Organisationen, die sich spezifisch dieser Probleme annehmen, gab es bisher kaum. Als einzige Anlaufstelle verblieb die von privaten Spenden finanzierte Wohltätigkeitsorganisation Problem Gambling Ireland.

 

Buchmacher sollen Millionen spenden

Doch aufgrund des immer größer werdenden Handlungsbedarfes wurde jetzt der Gambling Awareness Trust gegründet. Über den Trust, der ähnlich einer Wohltätigkeitsorganisation arbeiten wird, sollen jährlich Millionen von Spendengeldern eingenommen und zu Zwecken des Spielerschutzes eingesetzt werden.

 

Euroscheine

Millionen von Euro sollen dem spielerschutz zugutekommen (Bild: Wikipedia)

Konkret sollen die Gelder dabei beispielsweise in Aufklärungskampagnen und Forschungsarbeit fließen sowie direkt an Beratungsstellen gehen, die Problemspieler dann kostenlos aufsuchen können.

 

Gespendet werden die nötigen Gelder zu einem Großteil direkt aus der Glücksspielbranche. Über kurz oder lang sollen sich sowohl sämtliche Online Casinos und Buchmacher als auch andere Profiteure der Branche an den Spenden beteiligen.

 

Aktuellen Berichten zufolge wird die Irish Bookmakers Association gleich zu Beginn im Namen aller von ihr repräsentierten Buchmacher 1 Mio. Euro an den Trust zahlen. Laut Angaben der Vereinigung vertritt diese zwischen 700 und 850 Wettbüros im gesamten Land.

 

Bereits 2013 hatte die irische Regierung die Gründung eines derartigen Fonds vorgeschlagen, aber ihrerseits in der nationalen Glücksspielgesetzgebung keine Fortschritte machen können.

 

Der ehemalige irische Junior-Agrarminister Tom Hayes soll nun die Leitung des Trusts übernehmen. Im Hinblick auf den Stillstand der Glücksspielgesetzeslage sagte er:

Während wir noch immer warten, dass die Regierung die Gambling Control Bill durchsetzt, zeigen wir durch die Gründung unserer neuen Organisation, dass wir uns der Notwendigkeit des sofortigen Handelns bewusst sind. Wir können nicht mehr warten, bis das politische System etwas unternimmt. Die Organisation wird als unabhängige Einheit arbeiten und hofft auf Geldspenden aus der gesamten Glücksspielbranche.

Neben Hayes sollen die ehemalige Gesundheitsministerin Kathleen Lynch, der pensionierte Polizeikommissar John Forde, der ehemalige Geschäftsführer der Aiseiri-Suchtklinik Willie Collins und die pensionierte Bezirksrichterin Gillian Hussey im Vorstand sitzen. Aus der Glücksspielbranche selbst soll niemand dem Gremium beitreten.

 

Gesetze seit Jahren in der Schwebe

Seit Jahren nun hängen die irischen Glücksspielgesetze in der Luft, denn die bereits 2013 verfasste Gambling Control Bill wurde noch immer nicht endgültig verabschiedet. Grund dafür waren immer wieder Uneinigkeiten unter den Ministern.

 

Sobald das geplante Regelwerk geltend gemacht wird, dürfen Online Casinos und Buchmacher nur dann legal in Irland auftreten, wenn sie eine offizielle Lizenzierung durch die irische Regierung erhalten.

 

Grundsätzlich sind Online Glücksspiele bereits seit 2001 erlaubt. Damals wurde der „Horses and Greyhound Racing Act“ formuliert, der den Markt auch internationalen Buchmachern öffnete.

 

Government of Ireland

Die irische Regierung soll Lizenzen ausstellen (Bild: Wikipedia)

Vierzehn Jahre später bestätigte der „Betting Act“ vom 15. März 2015 die Legalität, allerdings erstmals nur unter der Bedingung, dass Lizenzen erworben und Steuern gezahlt werden müssen. Beides ist jedoch bis heute nicht der Fall.

 

Auch für den Spielerschutz wäre eine derartige Lizenzierung ein wichtiger Schritt. Die Online Casinos und Online Buchmacher wären nämlich dann gezwungen, effiziente Anti-Geldwäsche-Systeme sowie die nötige Software zum Erkennen von problematischem Spielverhalten vorzuweisen.

 

Darüber hinaus wäre es gesetzlich verpflichtend, entsprechende Spendenabgaben an Organisationen wie den Gambling Awareness Trust zu leisten.

 

Wie die Zeitung Irish Post [Bericht auf Englisch] im Februar analysierte, könnte es in diesem Jahr tatsächlich zur Durchsetzung der Gambling Control Bill kommen. Schließlich erhöhe sich der Druck auf die Politik von allen Seiten und die Gründung des Trusts könnte jetzt der perfekte Anstoß sein, Irlands Problem des unregulierten Glücksspiels zu beseitigen.