, 08.04.2019

Der britische Traditionsbuchmacher Ladbrokes hat nach der Senkung des Maximaleinsatzes an Fixed-Odds-Betting-Terminals (FOBTs) neue Funktionen für seine Roulette-Spiele eingeführt.

 

Rouletterad mit Kugel

Roulette ist ein beliebtes Spiel an FOBTs. (Quelle: Wikipedia)

Eine „Turbo“-Option soll Spielern ab sofort ermöglichen, nur noch halb so lange auf das Ende einer Roulette-Runde warten zu müssen. Insgesamt soll die Rundendauer nun nur noch 7 Sekunden betragen.

 

Der Wettanbieter erhofft sich durch Verkürzung der Wartezeiten mehr Spieleinsätze pro Stunde und damit eine Stabilisierung seiner Umsätze nach der Einführung der Richtlinie zur Verminderung der Höchsteinsätze an FOBTs.

 

Britische Regulatoren hatten im März 2018 beschlossen, Einzelwetteinsätze an FOBTs von maximal 100 Pfund (ca. 116 Euro) auf 2 Pfund (ca. 2,30 Euro) zu reduzieren. Die Entscheidung wurde für Wettbüros ab 1. April 2019 bindend.

 

Große Glücksspielunternehmen wie William Hill hatten in den letzten Monaten immer wieder vor den signifikanten wirtschaftlichen Folgen der niedrigen Einsatzlimits gewarnt.

 

Eine Vollkontakt-Auseinandersetzung

 

Nur eine Woche nach der Einführung der neuen Standards für Wetteinsätze beginnen sich Glücksspielanbieter und die UK Gambling Commission (UKGC) gegenseitig in eine Vollkontakt-Auseinandersetzung zu verstricken.

 

Pünktlich zum 1. April hatten bereits die Buchmacher Paddy Power und Bedfred Roulette-ähnliche, neue Spiele angeboten, die es ihren Kunden ermöglichen sollten, aller 2 Minuten bis zu 500 Pfund (ca. 580 Euro) setzen zu können.

 

Die UKGC, die oberste Behörde zur Regulierung von Glücksspiel im Vereinigten Königreich, drohte umgehend mit einer Bestrafung der Konzerne, die die Spiele daraufhin unverzüglich aus dem Angebot nahmen.

Diese regulatorischen Maßnahmen kann die UKGC gegen Glücksspielunternehmen veranlassen:

  • Verwarnungen
  • Einführung zusätzlicher Lizenzbedingungen
  • Aussetzung einer Lizenz
  • Rücknahme einer Lizenz
  • Verhängung von Bußgeldern

Dass die UKGC die Einführung von Ladbrokes` „Turbo“-Option nun ohne Weiteres hinnehmen wird, scheint in Anbetracht der historisch engen Auslegung der Glücksspielregeln durch die Behörde eher unwahrscheinlich.

 

Bereits letzten Dienstag ließ Richard Watson, verantwortlicher Direktor für Regeldurchsetzung bei der UKGC, in einem Statement (Link auf Englisch) wissen, dass Glücksspielfirmen nicht versuchen sollten, die neue Leitlinie durch alternative Angebote zu umgeben.

„Wir waren gegenüber den Betreibern absolut offen darüber, dass wir erwarten, dass sie nach der Einführung der Wetteinsatzreduzierung in dieser Woche verantwortungsvoll handeln werden. Wir haben den Betreibern geraten, neue Produkte vom Markt zu nehmen, die die Änderungen untergraben. Wir werden alle anderen Produkte untersuchen, die nicht im Sinne und Zweck der neuen Regeln sind.“

Gute Zahlen trotz regulatorischer Hürden

 

Obwohl zahlreiche britische Glücksspielanbieter, die bislang einen bedeutenden Umsatzanteil durch FOBTs generierten, mit Sorge in die Zukunft blicken, darf sich Ladbrokes` Mutterkonzern GVC über gute Umsatzzahlen für das 1. Quartal 2019 freuen.

 

Dem Konzern, dem neben Ladbrokes auch andere Marken wie Bwin und partypoker gehören, steigerte sein Ergebnis zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. März 2019 um 17 % im Vergleich zum Vorjahr.

 

GVC Logo

GVC ist der Mutterkonzern von Ladbrokes und hat mit den neuen FOBTs-Regeln zu kämpfen. (Quelle: Wikipedia)

Verantwortlich für das positive Resultat waren vor allem die profitablen Online Casinos und Online Sportwetten.

 

Die Einkünfte aus landbasierten Wettangeboten und Spielen stieg in Großbritannien und Europa lediglich um 2 %. Ein Betrag, der durch die Einsatzreduzierung an FOBTs in den nächsten Monaten noch ins Negative drehen könnte.

 

Welche Auswirkungen die neuen Regeln schlussendlich haben, würden die nächsten Wochen zeigen, sagte GVC-CEO Kenneth Alexander im Rahmen des Quartalsberichts.

 

Schlimmstenfalls rechnet GVC als direktes Resultat mit einer Schließung von bis zu 1.000 Wettbüros im Vereinigten Königreich.

 

Das Heil in der Neuen Welt suchen

 

Als Antwort auf die Probleme in Europa suchen Ladbrokes und GVC ihr Heil in der Neuen Welt. Schon im Sommer 2018 hatte GVC angekündigt, seine Sportwetten-Operationen in Nordamerika auszuweiten und zukünftig mit dem Casino-Unternehmen MGM Resorts zusammenarbeiten zu wollen.

 

Die Nachricht vom 200 Millionen US-Dollar-Deal (ca. 188 Millionen Euro) folgte einem Urteil des US-Supreme Courts, welches letztes Jahr das Verbot von Sportwetten aufhob und damit den Weg für einen regulierten Sportwettenmarkt in den USA freimachte.

 

Sollten die nächsten Wochen und Monate tatsächlich zeigen, dass die FOBTs zu einem unprofitablen Geschäft für Ladbrokes werden, könnte der US-Sportwettenmarkt umso mehr an Bedeutung für den Konzern gewinnen.

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