, March 1, 2019

Die Geschäftsführung des britischen Sportwetten-Anbieters William Hill und seine Anleger dürften mit gemischten Gefühlen auf die jüngsten Geschäftszahlen des Glücksspielkonzerns blicken: Obwohl der Umsatz leicht stieg, weist das Unternehmen für 2018 einen millionenschweren Rekordverlust aus. Das Management macht rechtliche Beschränkungen für das Minus verantwortlich.

 

Die britischen Buchmacher haben das letzte Jahr nach eigenen Angaben mit einem hohen Verlust abgeschlossen. Wie die Geschäftsleitung am Freitag bekanntgab, beträgt der Gesamtverlust vor Steuern für das Jahr 2018 stattliche 722 Millionen Pfund Sterling (umgerechnet 838,6 Millionen Euro).

 

Damit hat sich die Gewinnbilanz von William Hill gegenüber dem Vorjahr um 870 Millionen Pfund Sterling verschlechtert, denn 2017 hatten die Buchmacher noch einen Gewinn von 147 Millionen Pfund erzielt. Im Vergleich dazu entwickelte sich der Umsatz von William Hill positiv. Er wuchs gegenüber dem letzten Jahr um knapp 2 Prozent von 1,59 Milliarden (2017) auf 1,62 Milliarden Pfund Sterling.

 

Management: Es liegt an den FOBTs

FOBT-Terminal

Die umstrittenen FOBTs (Bild: Rex)

Die Ursache für den rekordverdächtigen Jahresfehlbetrag steht nach Meinung des Managements von William Hill eindeutig fest: Die Buchmacher machen die Regierung von Großbritannien für das Millionenminus verantwortlich. Diese hätte durch die Reduzierung der Maximaleinsätze bei den fixed odds betting terminals (FOBT)-Spielautomaten den Grundstein für die Misere gelegt.

 

Die Regierung hatte im letzten November nach langem Hin und Her beschlossen, die Maximaleinsätze bei diesen für die Aussteller äußerst lukrativen Geräten von bisher 100 auf nur noch 2 Pfund Sterling radikal zu reduzieren. Auf diese Weise sollen Spieler vor zu hohen finanziellen Verlusten geschützt werden.

FOBTs spielen in Großbritannien eine große Rolle. Sie sind tausendfach in Wettbüros zu finden und äußerst umstritten. Kunden können dort innerhalb kurzer Zeit hohe Beträge auf unterschiedlichste Glücksspiele setzen. Kritiker heben deshalb hervor, dass die Geräte bei Betroffenen für hohe finanzielle Verluste und die Gefahr einer Spielsucht sorgen könnten.

Die Minimierung, die für einen Aufschrei seitens der Glücksspiel-Industrie in Großbritannien geführt hatte, tritt am 01. April 2019 in Kraft. Buchmacher wie William Hill erwarten, dass der Branche daraus in den kommenden Jahren Milliardenverluste entstehen. Allein William Hill taxiert diese für sich auf insgesamt 883 Millionen Pfund Sterling.

Bei dem Minus handelt es sich nicht um operative Verluste aus den geschäftlichen Aktivitäten von William Hill. Die Ankündigung der kommenden 2-Pfund-Regel bei FOBTs führte jedoch dazu, dass sich die Ertragsaussichten und damit die Werte der Wettbüros sowie die ihrer Glücksspiellizenzen reduziert haben.

 

Da die Regelung 2018 beschlossen wurde, übertragen die Finanzexperten von William Hill die Belastungen auf das Geschäftsergebnis von diesem Jahr.

Ein Großteil des Minus’ entsteht demnach beim Wert der etwa 2.330 Wettbüros, die William Hill im ganzen Land betreibt. Die Analysten prognostizieren, dass nach Eintritt des Limits 38 % von ihnen unrentabel wirtschaften würden. Bei diesen rund 900 Shops müssten folglich die größten Abschreibungen vorgenommen werden, was insgesamt etwa 72 % des Verlusts ausmachen würde.

 

Weitere Abschreibung dürften auf die Gebäude der Shops, den Wert ihrer Lizenzen und für erforderliche Restrukturierungsmaßnahmen anfallen. Die Einschätzung ist nicht neu, denn William Hill hatte bereits vor knapp einem Jahr vor einem Abschreibungsbedarf in dieser Höhe gewarnt [Seite auf Englisch].

 

Anleger zeigten sich deshalb trotz des Millionenverlustes nicht überrascht. Die Aktie von William Hill gab im Verlauf des Freitags mit einem Minus von rund 2 % nur moderat nach.

 

Operativer Gewinn bei William Hill

Ohne die Abschreibungsverluste durch die FOBT-Regelung sieht die Gewinnsituation für William Hill um einiges besser aus. Zwar sanken die Gewinne aus dem operativen Geschäft gegenüber 2017 um etwa 15 %, doch immerhin erwirtschafteten die Briten noch immer einen operativen Gewinn in Höhe von 233,6 Millionen Pfund Sterling.

 

Philip Bowcock, Vorstandsvorsitzender von William Hill, gab sich deshalb optimistisch für die nähere Zukunft. Er sagte bei Vorlage der Zahlen:

2018 war ein arbeitsreiches und wichtiges Jahr für uns. Es gab einschneidende regulatorische Entscheidungen in Großbritannien und den USA, die uns die nötige Gewissheit zur Ausarbeitung einer neuen 5-Jahres-Strategie geben. Das Ziel ist eine Verdopplung der Profite bis 2023.

Boomende Geschäfte in den USA

Insgesamt steht einem leichten Rückgang der Einnahmen durch die britischen Wettbüros ein signifikanter Anstieg der Geschäfte in den USA gegenüber. Seit der Legalisierung von Sportwetten ist William Hill in den Vereinigten Staaten in den Bundesstaaten New Jersey, West Virginia, Delaware, Mississippi, Rhode Island und Pennsylvania mit Angeboten aktiv.

 

Dort kommt das Unternehmen mittlerweile auf einen Marktanteil von 34 %. William Hill plant deshalb, in weitere Bundesstaaten zu expandieren, sobald diese die Lizenzierung von Sportwetten ermöglichen. Kein Wunder, dass Philip Bowcock in den USA ein hohes Wachstumspotential für William Hill sieht. Zu den mittelfristigen Geschäftsaussichten erklärte er:

Wir haben drei Kerngeschäftsbereiche mit unterschiedlichen Perspektiven: Der Onlinebereich wächst in Großbritannien und international, das Geschäft mit den Wettbüros steht aufgrund des bevorstehenden 2-Pfund-Limits vor Veränderungen und wir sehen eine rasante Expansion bei Sportwetten in den USA.

Experten sehen die Entwicklung in den USA allerdings durchaus kritisch. Einige befürchten, dass die Legalisierung wieder zurückgedreht werden könnte. Käme es tatsächlich dazu, hätten William Hill und Co. einen weiteren Problembereich, in dem Verluste drohen.