, 09.07.2020

Im Fall eines am Montag in der JVA Saarbrücken verstorbenen U-Häftlings soll kein Fremdverschulden vorliegen. Dies berichtet der Saarländische Rundfunk (SR) unter Berufung auf die ermittelnden Behörden. Der 56-Jährige galt als mutmaßlicher Drahtzieher eines der größten Online-Betrugsringe der europäischen Geschichte. Mit dem Angebot dubioser Wetten auf Finanzprodukte soll er mehrere 100 Mio. Euro ergaunert haben.

 

200.000 deutsche Opfer?

 

Österreichische Fahnder hatten den Verstorbenen im Januar 2019 in Tirol festgenommen. Seit Oktober vergangenen Jahres befand er sich in saarländischer Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass er maßgeblich für den Aufbau eines betrügerischen Firmennetzwerkes verantwortlich gewesen sei.

 

Über die Seiten „Option888″, “TradeInvest90”, “XMarkets.com”, “ZoomTrader” und “TradoVest” soll der Mann Anleger mit binären Optionen um viele Millionen gebracht haben.

 

Die Zielgruppe beschrieb Elfriede Sixt, die sich im Rahmen der Initiative EFRI (European Funds Recovery Initiative) für die Belange der Betroffenen einsetzt, so:

Der typische Geschädigte ist der Rentner im besten Alter, der ein bisschen was gespart hat, doch auch wohlhabende Geschäftsleute fallen immer wieder auf die Betrüger herein.

Abgesehen davon, dass die deutsche Banken- und Finanzaufsicht BaFin das Angebot der hochriskanten Wetten auf Finanzprodukte für Privatanleger verbietet, seien die Gelder zumeist gar nicht investiert worden, sondern direkt in die Taschen der Betreiber geflossen.

 

Insgesamt gehen die Ermittler von bis zu 200.000 Geschädigten allein in Deutschland aus. Die Verluste könnten sich laut SR im neunstelligen Bereich bewegen.

 

Todesursache unklar

 

Am Montagmorgen hatten Bedienstete der JVA Saarbrücken den Verdächtigen leblos in seiner Zelle aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft teilte dem SR gestern mit, dass eine Obduktion keinen Hinweis auf ein Fremdverschulden beim Tod des Mannes erbracht habe.

Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge habe der letzte Haftprüfungstermin des Verstorbenen im März stattgefunden. Bei diesem sei vom Oberlandesgericht erneut der dringende Tatverdacht festgestellt worden. Auch die anhaltende Flucht- und Verdunkelungsgefahr habe dazu beigetragen, dass der Mann in Haft verblieben sei. Die nächste Prüfung sei für Ende Juli angesetzt gewesen. Im ersten Quartal 2021 hätte es voraussichtlich zur Anklageerhebung kommen sollen.

Nun sollen toxikologische Gutachten Klarheit über die Todesursache bringen. Die Ergebnisse werden für die kommenden Tage erwartet.

 

Die Betrugs-Ermittlungen enden trotz des Todes des Hauptverdächtigen nicht. Neben ihm sollen 13 weitere Personen an den Betrügereien beteiligt gewesen sein. Zum aktuellen Stand des Verfahrens äußerten sich die zuständigen Behörden nicht.