, 09.04.2020

Die aufgrund von COVID-19 von Regierungen weltweit geforderte Selbstisolation scheint die Menschen in Australien besonders hart zu treffen. Laut einem Bericht des Sydney Morning Herald [Seite auf Englisch] ist die Beteiligung am Online-Glücksspiel innerhalb von nur einer Woche um 67 % gestiegen. Gleichzeitig habe sich auch der Alkohol- und Tabak-Konsum um zirka 33 % vermehrt.

 

Bei australischen Suchtexperten läuten daher die Alarmglocken. Es werde befürchtet, dass die Corona-Pandemie die Suchtentwicklung unter Menschen in einem nie zuvor erlebten Maße befördern könnte.

Am 29. März hat Australiens Premierminister Scott Morrison einige strikte Maßnahmen verhängt, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Dazu zählen, wie in anderen Ländern, partielle Ausgangssperren und ein Verbot von öffentlichen Versammlungen und Events. Auch die Casinos des Landes bleiben bis auf weiteres geschlossen. Aktuell (Stand 9. April) wurden in Australien 6.104 Menschen positiv auf das Virus getestet.

Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf die jüngst gemeinsam erfassten Zahlen von Alphabeta, einem Dienstleister für Datenanalyse, und Illion, einem australischen Kreditinstitut.

 

Die Daten zeigten ebenfalls ein drastisches Absinken gesundheitsförderlicher Aktivitäten. Demnach beschäftigten sich die Menschen während des Lockdowns 95 % weniger mit körperlicher Fitness und 43 % weniger mit Bildung.

 

Sorge um fehlende Einsatzlimits

Der aktuelle Trend bezüglich der täglichen Aktivitäten der Australier sei überaus besorgniserregend. Insbesondere aus finanzieller Sicht könnte vor allem die gestiegene Beteiligung am Online-Glücksspiel dramatische Folgen nach sich ziehen.

 

Anders als im landbasierten Glücksspiel, gebe es bei Online-Glücksspielen oftmals kein Einsatzlimit. Dort wo es eines gebe, sei dieses deutlich höher, als es bei einem echten Spielautomaten je möglich wäre.

 

Online- und mobile Spielautomaten hätten aufgrund verschiedener Anreize und der leichteren Verfügbarkeit auch ein deutlich höheres Suchtpotential. Charles Livingstone, ein Professor der Monash University in Melbourne, sagt über Online-Slots:

Sie berühren unmittelbar das Belohnungssystem des Gehirns. Menschen, die sich unter Stress befinden, empfinden das als sehr befreiend. Es ist jedoch äußerst alarmierend, wenn es [der Anstieg des Online-Glücksspiels; Anm. d. Verf.] tatsächlich 67 % sind.

Der geschäftsführende Leiter der Spielerschutzorganisation Alliance for Gambling, Tony Mohr, hingegen sorge sich mehr um aktuelle Sportwetten-Trends. Viele Menschen wetteten aus Langeweile und Mangel an Alternativen auf „absurde“ Dinge und Geschehnisse.

 

Die Wettindustrie komme damit einem „Blutegel“ gleich, der die Gesellschaft „aussauge“, während diese ohnehin bereits versuche, größere Probleme zu bewältigen.

 

Ob die Warnungen der Suchtexperten die rasch steigende Glücksspielbeteiligung verlangsamen können, bleibt jedoch abzuwarten.