, 15.04.2021

Zwölf Jahre nachdem ein New Yorker Gericht ihn zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt hat, ist Bernard Lawrence „Bernie“ Madoff gestern in Haft verstorben. Dies bestätigten die zuständigen Behörden. Madoff gilt als einer der größten Finanzbetrüger der Geschichte. Als Anlageberater hatte er Investoren mittels eines Schneeballsystems um rund 65 Mrd. US-Dollar gebracht.

 

Tod im Haftkrankenhaus

 

Über Jahrzehnte hatte das Leben des Bernie Madoff in erster Linie aus Lügen bestanden. Gegenüber Reportern der Washington Post [Seite auf Englisch] sprach der Mann, der auch als „König des Ponzi-Scheme“ galt, Anfang Januar 2020 aber wohl die Wahrheit.

 

Er befinde sich im Endstadium einer Nierenerkrankung, sei an den Rollstuhl gefesselt und rund um die Uhr auf Pflege angewiesen, so der ehemalige Star der Wall Street. Die Ärzte hätten ihm noch 18 Monate gegeben:

Ich bin unheilbar krank. Es gibt keine Heilung für meine Art von Krankheit. Also, wissen Sie, ich habe gesessen. Ich sitze bereits seit 11 Jahren, und, ganz ehrlich, ich habe darunter gelitten.

Das Gericht hatte die beantragte vorzeitige Entlassung Madoffs abgelehnt. Seither, so Medienberichte, habe er sich auf einer Palliativstation in einem Gefängniskrankenhaus im US-Bundesstaat North Carolina befunden. Hier war er am Mittwoch im Alter von 82 Jahren verstorben.

 

Ein Kartenhaus bricht zusammen

 

Der Fall Madoff hatte ab 2008 international hohe Wellen geschlagen. Nachdem zuvor im Zuge der sich anbahnenden Finanzkrise immer mehr Investoren ihre Einlagen abgezogen hatten, war Madoffs Unternehmen, die Bernard L. Madoff Investment Securities LLC, erstmals sichtbar in finanzielle Schieflage geraten. Das Brokerhaus hatte bis dato als verlässlicher und äußerst erfolgreicher Anlageverwalter für Hedgefonds und reiche Privatleute gegolten.

 

Letztlich stellte sich heraus, dass Madoff, der in der New Yorker High Society nicht nur als Finanzgenie, sondern auch als Philanthrop gefeiert worden war, ein milliardenschweres Schneeballsystem errichtet hatte.

 

Tatsächlich waren die Gelder der Investoren nie angelegt, sondern zur Auszahlung vermeintlicher Rendite und der Finanzierung des eigenen luxuriösen Lebenswandels genutzt worden.

Spätere Ermittlungen ergaben, dass Madoff sein Ponzi-System offenbar allein betrieben hatte. Selbst engste Familienmitglieder, die im Unternehmen tätig waren, ahnten offenbar nicht, dass sie Teil des wohl größten Betrugs der US-Finanzgeschichte waren.

Am 29. Juni 2009 war Bernie Madoff wegen Diebstahls, Geldwäsche und Urkundenfälschung zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im Zuge des Prozesses und auch später hatte er wiederholt seine Reue beteuert.

 

Das Platzen der Madoff-Blase hatte tausende Opfer in den finanziellen und persönlichen Ruin gestürzt. Mindestens zwei Menschen begingen aufgrund ihrer Verluste Suizid. Der ältere Sohn Madoffs, Mark (†46), nahm sich im Jahr 2010 infolge der Ereignisse das Leben. Drei Jahre starb der jüngerer Sohn Andrew im Alter von 48 Jahren an Krebs. Er hatte vor seinem Tod den Stress der vergangenen Jahre für die Rückkehr der überstanden geglaubten Erkrankung verantwortlich gemacht.

 

Mit dem Tod Madoffs ist ein weiteres Kapitel des bis dato wohl größten bekannten Anlagebetrugs geschlossen. Ob der Wall-Street-Skandal, der neben vielen Milliarden Dollar auch Menschenleben kostete, als warnendes Beispiel oder einer von vielen in die Geschichte eingehen wird, wird sich zeigen.