, 28.03.2020

Tobias Hayer, Suchtexperte an der Universität Bremen, sieht in der Verbreitung von Online-Sportwetten eine erhöhte Gefahr für Spieler.

 

In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem Gesundheitsinformationsportal webcare+ sagte Hayer, dass vor allem die permanente Verfügbarkeit der Online-Wetten zu Gefahren führen könne:

„Grundsätzlich zeichnen sich Online-Glücksspiele, und hierzu zählen die Online-Sportwetten, dadurch aus, dass sie jederzeit – also 24 Stunden 7 Tage die Woche – mit einem mobilen Endgerät an jedem Ort nachgefragt werden können. Insbesondere lassen sich hier Live-Wetten nennen, die sich auf bestimmte Ereignisse gerade stattfindender Sportevents beziehen (…). Gewinne können sofort wieder eingesetzt und Verluste durch erneute Spielteilnahmen ohne Probleme ausgeblendet werden. Somit besteht die Gefahr, dass sich schrittweise eine gewisse Eigendynamik mit den entsprechenden Negativfolgen einstellt.“

In der Sucht unterschieden sich Online-Wetten und Offline-Wetten nicht. Jedoch seien Sportwetten von anderen Formen der Spielsucht abzugrenzen.

 

Bei Betroffenen von Sportwettensucht, so der Experte, hielte sich „hartnäckig der Irrglaube, durch die eigene Expertise in Sachen Fußball und Co. in einfacher Weise zu Geld kommen zu können.“

 

Risikogruppe sind junge Männer

 

Obgleich man wisse, dass derzeit knapp eine halbe Millionen Deutsche Anzeichen von problematischem oder krankhaftem Spielverhalten aufwiesen, lägen laut Hayer keine exakten Daten zur Zahl der Sportwettensüchtigen in der Bundesrepublik vor. Die klinische Erfahrung bestätige allerdings, dass die Zahl zunähme.

 

Zur Risikogruppe für Sportwettenabhängigkeit gehörten vor allem junge Männer und Personen mit Migrationshintergrund. Überdies seien Sportvereine „häufig von glücksspiel- und speziell auch sportwettbezogenen Problemen betroffen.“

Wird Spielsucht im Vereinssport zum Problem?

Dass Mitglieder von Sportvereinen eher dazu neigen, an Glücksspielen wie Sportwetten teilzunehmen, geht aus einer Studie der Universität Bremen hervor. Eine Umfrage unter 300 Vereinsmitgliedern aus den Städten Kiel und Bremen ergab, dass 52 % der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten an Sportwetten teilgenommen hatten.

Für Problemspieler stünden mittlerweile in Deutschland verschiedene Hilfsangebote bereit. Betroffene, so Hayer, sollten diese besser früher als später in Anspruch nehmen, um eine andauernde Verhaltensänderung erzielen zu können.

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