, 03.02.2019

Obwohl es privaten Glücksspielanbietern per Gesetz verboten ist, in Deutschland zu operieren, machen viele von ihnen unter anderem durch das Sponsoring von Fußballvereinen massiv Werbung für sich. Mit MoPlay ist nun ein weiterer Betreiber von Online Wettangeboten am Start und der neue Sponsor der Berliner Hertha BSC zeigt sportlichen Ehrgeiz im Kampf um Zielgruppen.

 

Manchester United-Partner ist jetzt Exklusiv-Partner

 

MoPlay ist eine Tochter des Sportwettenanbieters Addison Global Limited und hat sich in der britischen Premier League bereits einen Namen als Sponsor des englischen Rekordmeisters Manchester United gemacht. Nun will die Marke auch in Deutschland sichtbar werden und geht eine Exklusiv-Partnerschaft mit den Erstligisten von Hertha BSC ein.

 

Die Berliner, die sich vom Sportartikelersteller Nike ausrüsten lassen und deren Hauptsponsor seit der laufenden Saison die Discounterkette TEDi ist, präsentiert den neuen Partner auf der vereinseigenen Webseite als „revolutionär neue, mobile Sportwetten-Marke“ und freut sich auf eine langfristige Zusammenarbeit.

 

„Zielgruppe Millennials“

 

Gleiches gilt für MoPlay-CEO Jürgen Reutter, der darauf hofft, seiner Marke durch die Zusammenarbeit mit der Hertha eine führende Position in Deutschland erschließen zu können:

Für den deutschen Markt ist die Bundesliga eine ideale Plattform, um unsere Marke zu positionieren. Darüber hinaus können jüngere Zielgruppen in Deutschland von unserer Produktdifferenzierung profitieren.

 

Unser Unternehmen ist mit Marke und Produkt darauf ausgerichtet, die Zielgruppe der Millennials anzusprechen, ein Kundensegment, das von den aktuellen Anbietern nur nachrangig bedient wird. In dieser Zielgruppe wollen wir auch in Deutschland Marktführer werden.

Eine anvisierte Marktführerschaft klingt nach großen Plänen. Einziges Problem des dynamisch auftretenden Unternehmens: nähme man es ganz genau, dürfe die Firma ihre fleißig beworbenen Online-Produkte überhaupt nicht in Deutschland anbieten. Das Glücksspielmonopol liegt nach wie vor beim Staat.

 

Sponsoren operieren fast ausnahmslos ohne Lizenz

 

Der 2017 gegründete Mutterkonzern von MoPlay, Addison Global Limited, verfügt zwar über eine Glücksspiellizenz des Staates Gibraltar, zum legalen Betrieb von Wett- und Glücksspielangeboten in Deutschland berechtigt diese nach EU-Regularien vergebene Lizenz aber keineswegs.

 

Damit befindet der Neu-Sponsor in illustrer Gesellschaft, denn auch andere, prominent auf Fußballtrikots und Bandenwerbung vertretene Anbieter wie Tipico oder Leo Vegas segeln unter den Fahnen von Lizenzgebern wie Gibraltar oder Malta.

2012 sollte das staatliche Monopol auf Sportwetten im Glücksspielstaatsvertrag gelockert werden. Man entschied, 20 Konzessionen zum Betrieb von Sportwetten zu vergeben. Diese sollten im Sinne der eingeführten „Experimentierklausel“ bis zum 30. Juni gültig sein. Rund 80 europäische Anbieter nahmen an der Ausschreibung teil, nach einer Vorauswahl blieben 35 von ihnen übrig.

 

Nachdem kommuniziert worden war, wer die heiß begehrten Lizenzen erhalten würde, reichten einige der leer ausgegangenen Unternehmen Klage ein: Unter anderem bemängelten sie Intransparenz im Vergabeverfahren. Daraufhin wurde von der Ausstellung der Lizenzen Abstand genommen.

 

Somit dürfen private Unternehmen bis heute keine Sportwetten in Deutschland anbieten, de facto werden aber zumindest die Betreiber, die sich bei dem Bewerbungsverfahren durchgesetzt hatten, geduldet.

Betrachtet man die aktuellen Sponsorings von Proficlubs und -verbänden, fällt auf, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Glücksspielanbieter den Weg über den Sport in die öffentliche Wahrnehmung suchen.

 

54 Sponsoringverträge mit einem jährlichen Volumen von mindestens 50.000 Euro im Jahr laufen derzeit im Spitzenfußball der dritten bis ersten Liga, der Großteil der Sponsoren entstammt dem privaten Glücksspielmarkt.

 

Millionenzahlungen durch Glücksspielindustrie

 

Topsponsor aus diesem Bereich ist seit Jahren Branchenriese Tipico, der den FC Bayern München als offizieller Partner und auf zweiter Ebene mit jährlich zehn Millionen Euro unterstützt. Die Zweitligisten des Hamburger SV erhalten von dem Wettanbieter immerhin noch 700.000 Euro im Jahr.

 

Es folgen bwin mit Sponsorings von insgesamt 4,25 Millionen Euro in der ersten und zweiten Bundesliga und der staatliche Anbieter Lotto, der 3,975 Millionen in den Fußball der beiden höchsten Klassen investiert.

 

Sponsorings: Eine Investition in die Zukunft?

 

Warum aber dieser enorme finanzielle Aufwand? Branchenkenner gehen davon aus, dass die privaten Anbieter, die sich bislang in einer Art inoffizieller Duldung im bislang unregulierten deutschen Glücksspielmarkt bewegen, sich auf eine Novellierung des Glücksspielstaatsvertrags vorbereiteten. Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag läuft 2021 aus, bis dahin muss die Politik Lösungen für den Umgang mit Online Casinos und Co. finden.

 

Bandenwerbung im Stadion

Banden- und Trikotwerbung des Wettanbieters bwin (Quelle:flickr.com/Ytoyoda, licensed under CC BY-SA 4.0)

Einerseits bedeutet die Sichtbarkeit durch Sponsorings in reichweitenstarken Sportarten wie Fußball für die Glücksspielanbieter Werbung. Zum anderen möchte man die eigene Marke durch die Verknüpfung mit beliebten Vereinen aus der Schmudddelecke holen:

 

Operiert man zu lange in einem Graubereich wie dem Glücksspielmarkt für private Anbieter in Deutschland, färbt das auch auf das eigene Image ab, so sauber dies auch in anderen Ländern sein mag.

 

Nicht zuletzt wirken die Anbieter mit ihren Sponsorings auch indirekt auf die Entscheidungsfinder in der Politik ein: „Seht her, wir sind da, wir sind akzeptiert, gebt uns endlich die Möglichkeit, ganz legal zu arbeiten.“

 

Für den Sport ist die seit einiger Zeit zu beobachtende Dynamik der Glücksspiel- und Wettanbieter eine gute Nachricht: Je mehr potenzielle Sponsoren auf den Markt drängen, desto mehr sind sie auch bereit, für einen prominenten Werbeplatz auf einem Trikot oder im Stadion zu zahlen.

 

Goldgräber und Zauderer

 

Ob sich die Goldgräberstimmung auszahlen wird und Sponsor MoPlay ganz offiziell Marktführer bei seiner jungen Zielgruppe werden könnte, bleibt bis auf Weiteres allerdings ungewiss. Zwar gibt es mittlerweile diverse europäische Staaten, die auf eine Liberalisierung des Glücksspielmarktes ihrer Länder, einhergehend mit Maßnahmen zum besseren Spielerschutz setzen, ob Deutschland diesen Beispielen folgen will, wird sich herausstellen.

 

Die für den neuen Glücksspielstaatsvertrag zuständige Ministerpräsidentenkonferenz hält sich bislang, trotz positiver Signale aus einzelnen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Hessen, bei der Frage, wie es konkret weitergehen soll, bedeckt.