, June 21, 2019

Für Nutzer der Android-Smartphones bietet Google in einigen Ländern Glücksspiel-Apps zum Download an. Berichten zufolge plant der Softwarekonzern sogar eine Ausweitung des Angebots.

 

Dies will Google nach Angaben des B2B-Onlinemagazins EGR erreichen, indem Programmierern bei der Gestaltung der Glücksspiel-Apps weniger technische Hürden in den Weg gelegt werden. Damit wählt das Unternehmen eine Strategie, die im absoluten Gegensatz zu dem Vorgehen des Apple-Konzerns steht [siehe letzter Abschnitt des Artikels].

 

Demnach will Alphabet Inc., der Mutterkonzern von Google und dem mobilen Betriebssystem Android, mit diesem Schritt erreichen, dass Entwickler einfacher Spiele mit Glücksspiel-Charakter entwickeln und im Play Store vertreiben können.

 

Feste Regeln für Glücksspiel-Apps bei Google

Allerdings bekommen die Anbieter nicht vollkommen freie Hand. Wer bei Google Apps mit Glücksspiel-Charakter anbieten möchte, muss sich festen Regeln unterwerfen.

 

Unter Online-Glücksspiele zählen für Google die folgenden Bereiche:

Hierzu gehören u.a. Online Casinos, Sportwetten und Lotterien sowie Geschicklichkeitsspiele, bei denen Geld- oder Sachpreise angeboten werden.

Wie für alle anderen Apps gilt generell, dass sie den rechtlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes entsprechen müssen. Darüber hinaus müssen Entwickler gültige Glücksspiel-Lizenzen der jeweiligen Staaten vorweisen können. Wo dies nicht der Fall ist, darf die App nicht angeboten werden.

 

Weiterhin müssen die Apps deutlich darauf hinweisen, dass sie nur für Volljährige geeignet sind. Mittels wirksamer Authentifizierungstechnik muss dabei sichergestellt werden, das Minderjährige keinen Zugang zu den Apps erhalten.

 

Schließlich macht Google deutlich, dass in den Apps auf die Risiken des Glücksspiels hingewiesen werden muss und Nutzern Informationen zum verantwortungsvollen Spiel angeboten werden.

 

Deutschland bleibt vorerst ausgeschlossen

 Google Play

Googles App Store (Bild: Google)

Derzeit können in Europa nur Nutzer in Großbritannien, Irland und Frankreich die Echtgeld-Glücksspiel-Apps nutzen. Wie das B2B-Onlinemagazin EGR berichtet, könnte der Kreis der Regionen jedoch erweitert werden, um mehr Menschen Zugang zu den Spielen zu geben.

EGR zufolge sieht Google bei den Ausweitungsbemühungen jedoch keine Eile. So sehr das erweiterte Angebot die Nutzer in vielen Ländern erfreuen dürfte, bleiben deutsche Kunden vorerst weiter außen vor.

 

Dabei wäre die Ausweitung auf andere Regionen für Googles Firmenpolitik ein durchaus logischer Schritt. Nachdem der Suchmaschinen-Gigant im Jahr 2010 kommerzielle Glücksspiel-Apps aus seinem App Store verbannt hatte, sind diese seit August 2017 in einigen Ländern wieder verfügbar.

 

Zudem erlaubt der Konzern in den Apps wieder die Werbung für Glücksspiele, insoweit der rechtliche Rahmen des jeweiligen Landes dies zulässt. Auch bei der Werbung gilt, dass sich diese nur an volljährige Personen richten darf und ausdrücklich auf das verantwortungsvolle Spiel hinweisen muss.

 

In den USA geht Google sogar noch einen Schritt weiter. Dort ist der Vertrieb von Daily Fantasy Sports-Apps wie DraftKing oder FanDuel zulässig. Nutzer können über diese Apps unter anderem Wetten auf Sportereignisse tätigen und um Echtgeld spielen.

 

Apple verfolgt eine andere Strategie

Sollte Google das Angebot von Glücksspiel-Apps tatsächlich auf andere Länder ausdehnen, stünde die Strategie des Softwarekonzerns in krassem Gegensatz zum Vorgehen eines anderen großen IT-Konkurrenten: Apple.

Googles Android-System hat sich bei den mobilen Betriebssystemen zum Marktführer aufgeschwungen. In Europa lag der Marktanteil im Mai bei 73,5 % und damit fast dreimal so hoch wie der des Erzrivalen Apple (25,5 %).

 

In Deutschland ist der Abstand nicht ganz so gravierend. Hier liegt Android mit 71,2 % vor iOS (27,9 %). Noch enger ist der Abstand in Großbritannien, wo Google mit 50,5 % hauchdünn vor Apple (48,8 %) führt.

Der iPhone-Produzent hatte bei seiner jüngsten Entwicklerkonferenz angekündigt, den Vertrieb von Glücksspiel-Apps stark einschränken zu wollen. Demnach soll es bei der kommenden Generation des iOS-Betriebssystems nicht mehr möglich sein, browserbasierte HTML5-Games im App-Store anzubieten, bei denen um Echtgeld gespielt wird.

 

Dies soll künftig nur noch nativen Apps vorbehalten sein. Grund dafür ist, dass Apple diese bei der Zulassung sehr viel stärker prüft, und dass auf diese Weise unliebsame Inhalte bereits im Vorfeld blockiert werden können.

 

Damit führt Apple seinen Anti-Glücksspiel-Weg konsequent fort. Und das nicht nur in Deutschland, denn auch in den USA können Nutzer nicht auf Apps von FanDuel und vergleichbaren Anbietern zugreifen.

 

Googles endgültige Entscheidung wird zeigen, ob deutsche Nutzer demnächst mit ihren Android-Smartphones mehr Glücksspiele zocken können, während iPhone-Kunden weiter mit einem reduzierten Angebot leben müssen.

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