, 03.06.2020

Als erster Bundesstaat Australiens hat New South Wales (NSW) den Betrieb von Spielautomaten wieder genehmigt. Seit dem 1. Juni sind damit schätzungsweise 10.000 der “Pokies“ genannten Geräte wieder spielbereit. Kritiker befürchten, dass Spielsucht und gesundheitliche Probleme der Spieler sprunghaft ansteigen könnten.

 

Kritik an Bundesregierung

Der Schritt der Regierung von NSW zog umgehend Kritik auf sich. Neben Politikern aus anderen Bundesstaaten waren es dabei hauptsächlich Vertreter von Spielschutz- und Wohlfahrtsorganisationen, die sich um die Verfassung der Spieler sorgen und einen “Tsunami” gesundheitlicher und finanzieller Schäden prophezeien.

 

Auch Tony Mohr, Vorsitzender der Alliance for Gambling Reform [Seite auf Englisch], kritisierte die Entscheidung scharf:

Hier geht es wirklich um Geld vor öffentlicher Gesundheit. Ich denke, das ist offensichtlich.

Mit der Entscheidung steht NSW im Vergleich zu anderen Bundesstaaten, die „keine Eile“ bei Aufhebung des Pokie-Verbots haben und dies für mindestens einen weiteren Monat beibehalten möchten, allein da. Seit Montag dürfen Pubs, Spielhallen und alle anderen Geschäfte mit Pokie-Lizenz die Geräte wieder aktivieren, solange bei den Spielern ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt bleibt.

Der Pokie-Neustart dürfte nicht bei allen Betreibern uneingeschränkte Freude ausgelöst haben. So wird ausgerechnet der Glücksspielkonzern Crown Resorts in Zukunft nicht von den Milliardeneinnahmen der Pokies profitieren können. Grund dafür ist, dass Konkurrent Star Casino mit den Behörden eine bis zum 30. Juni 2041 geltende Exklusivlizenz zum Betrieb der Spielautomaten ausgehandelt hat.

Die Organisationen werfen den Regulierungsstellen in Sydney weiterhin vor, sich nicht ausreichend auf den erneuten Spielbetrieb vorbereitet zu haben. So sei nicht untersucht worden, wie Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten nach Beendigung der neunwöchigen Pokie-Pause reagieren, sobald sie wieder an die Geräte können.

 

Ungleichbehandlung durch die Regierung

Darüber hinaus kritisieren kirchliche Organisationen eine Bevorzugung der Glücksspielbranche durch die Behörden. So könnten Clubs und andere große Vergnügungsbetriebe Hunderte von Menschen zum Feiern und Spielen aufnehmen, während sich in Kirchen lediglich 50 Gläubige zum Gebet einfinden dürften.

 

Zudem sei es nicht verständlich, warum Gotteshäuser eingeschränkte Öffnungszeiten hätten, während Spieler ihr Geld an den Pokies noch um drei Uhr nachts verzocken könnten. Die Regierung müsse sich besser darum kümmern, ihre Bürger vor den potentiellen Gefahren des Glücksspiels zu bewahren.