, 22.04.2020

Australische Automatenspieler sollen aufgrund des Corona-bedingten Shutdowns binnen weniger Wochen über 1 Milliarde Australischer Dollar (ca. 580 Mio. Euro) eingespart haben. Dies gab die Spielerschutzorganisation Alliance for Gambling Reform (AGR) heute in einer Presseerklärung bekannt. Die erzwungene Abstinenz, so die Aktivisten, brächte nicht nur persönliche finanzielle Vorteile, sondern könne auch Wirtschaft und Gesellschaft zugutekommen.

 

Milliarde gespart am Spielautomaten

 

Während unter anderem die deutsche Automatenindustrie eine zügige Wiedereröffnung von Spielhallen & Co. fordert, sehen australische Spielerschützer positive Nebenwirkungen der Schließungen im Zuge der Corona-Schutzmaßmaßnahmen.

 

Nach wenigen Wochen, in denen das Spiel an den beinah allgegenwärtigen Automaten in Pubs, Clubs und Spielhallen unterbunden gewesen sei, hätten australische Spieler heute die magische Marke von 1 Milliarde nicht verlorener Australischer Dollar geknackt.

 

Nehme man die nicht erfolgten Verluste in Casinos hinzu, erhöhe sich der eingesparte Betrag auf geschätzte 1,5 Milliarden AUD, so die Organisation AGR (Seite auf Englisch).

Auf lange Sicht wünscht sich die AGR eine Komplett-Abkehr vom Automatenspiel in Australien. So unterstützt sie auch im aktuellen Statement explizit den Ansatz des Politikers Andrew Barr, der Gastronomiebetreibern, die auf ihre Lizenz zum Aufstellen der Geräte verzichten, einen finanziellen Anreiz in Höhe von 15.000 AUD in Aussicht gestellt hat.

Gelder für Lebensmittel und Kultur

 

Der für seine harsche Kritik an der australischen Glücksspielpolitik bekannte Pastor Tim Costello bezeichnet die als „Poker Machines“, kurz „Pokies“, bekannten Geldspielgeräte im aktuellen AGR-Statement unter anderem als Geißel für Australien und warnt vor einer Unterschätzung der Gefahren:

Die negativen Auswirkungen des Glücksspiels sind vielfältig und beinhalten nicht nur den Verlust von Geld – sie können auch psychische Erkrankungen, Obdachlosigkeit, Gewalt in der Familie und in einigen Fällen sogar Todesfälle durch Selbstmord umfassen. Dies sind schwerwiegende Probleme, die unweigerlich durch diese Krise eskalieren, aber die Minimierung der Schäden durch das Glücksspiel, die zu diesen Problemen beitragen, ist eine gute Sache.

Anstatt in die Automaten könne die eingesparte Milliarde nun in Lebensmittel, die Begleichung von Arztkosten, in Miete oder Kreditrückzahlungen fließen. Neben den finanziellen Vorteilen, die so sowohl bei den Betroffenen als auch der Wirtschaft entstünden, könne ein langfristiger Verzicht auf das Automatenspiel zudem gesellschaftlich positive Wirkung entfalten.

 

So könnten Ressourcen und Flächen, die bislang für Pokies reserviert gewesen seien, künftig für Kunst und Kultur genutzt werden. Die so freigewordenen Mittel kämen somit dem Allgemeinwohl anstatt der Glücksspielindustrie zugute, so der Pastor.