, September 4, 2019

Am Dienstag veröffentlichten die beiden Schweizer Glücksspielbehörden, die Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) und die Lotterie- und Wettkommission (Comlot), die ersten offiziellen Sperrlisten für ausländische Online Casinos, die in der Schweiz illegal sind.

 

Auf den Listen befinden sich derzeit kombiniert fast 100 Glücksspiel-Webseiten, die noch innerhalb dieser Woche von den Schweizer Fernmeldedienstleistern gesperrt werden sollen.

 

Die letzte Hürde des Geldspielgesetzes

Die Umsetzung des im Juni 2018 per Volksentscheid mehrheitlich beschlossenen Schweizer Geldspielgesetzes geht derzeit in die letzte Phase. Das Gesetz, welches offiziell am 1. Januar 2019 in Kraft trat, sah eine komplette Umstrukturierung der Schweizer Glücksspiellandschaft vor.

 

Grand Casino Baden Außenansicht

Das Online Glücksspiel soll nur den Schweizer Spielbanken erlaubt sein (BIld: Wikimedia/Voyager)

Insbesondere im Hinblick auf das Online Glücksspiel sollten sich die Zugangsmöglichkeiten für die Schweizer Bürger grundlegend ändern. Das Gesetz stellte die Weichen dafür, dass die 21 lizenzierten Spielbanken des Landes künftig auch Online Casinospiele anbieten dürfen.

 

Gleichzeitig sollten die illegalen Online Casinos mithilfe elektronischer Zugangssperren blockiert werden. Als illegal gelten dabei seit dem 1. Juli dieses Jahres ausnahmslos alle Online Glücksspielanbieter mit Sitz im Ausland.

 

Bereits im Juni kündigte die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) daher an, innerhalb der nächsten Monate eine offizielle Sperrliste freizugeben, welche in Zukunft fortwährend erweitert und aktualisiert werden soll.

 

Casinos nur noch wenige Tage verfügbar

Die Sperrliste der ESBK ist seit dem gestrigen Dienstag online einsehbar. Die anfängliche Liste beinhaltet die Namen von 39 verschiedenen Glücksspiel-Webseiten, die offiziell als illegal eingestuft wurden.

 

Unter den künftig gesperrten Webseiten befinden sich auch Branchengrößen wie Bet365, Bet-at-home oder Interwetten.

 

Eine ergänzende Liste veröffentlichte im selben Zuge auch die Lotterie- und Wettkommission (Comlot). Auf der Sperrliste der Comlot befinden sich derzeit insgesamt 65 gesperrte Online Casinos.

 

Unter Berücksichtigung der auf beiden Sperrlisten aufgeführten Online Casinos ergibt sich so eine erste Gesamtzahl von fast 100 illegalen Online Glücksspiel Webseiten.

 

Person zahlt mit Kreditkarte Online

Von weiteren Einzahlungen in die illegalen Casinos ist abzuraten (Bild: Pixabay)

Aktuell lassen sich noch fast alle der gelisteten Webseiten ungehindert aus der Schweiz öffnen. Auch das Erstellen eines neuen Kundenkontos sowie das Einzahlen von Geldern ist gegenwärtig noch möglich.

 

Ratsam ist dies keinesfalls, denn die Schweizer Fernmeldedienste sind dazu angehalten, noch innerhalb der nächsten Tage alle gelisteten Webseiten zu blockieren.

 

Laut einem Bericht der Schweizer Zeitung Blick könne gegen diese Verfügung zwar noch Einspruch eingelegt werden, da diese noch nicht rechtskräftig sei, doch verzögere dies die Umsetzung der Netzsperre nicht.

 

Kooperation mit ausländischen Casinos denkbar

Um nicht auf den besagten Sperrlisten aufgeführt zu werden, hatten sich einige internationale Online Casinos auf Anraten der Eidgenossenschaft bereits im Vorfeld vom Schweizer Markt zurückgezogen.

 

Auf diese Weise konnten diese sich die Option offenhalten, in Zukunft mit den für das Online Glücksspiel lizenzierten Schweizer Spielbanken zu kooperieren.

 

Poker Spielkarten und Casino Chips

Online Poker künftig über ausländsiche Plattformen denkbar (Bild: Pixabay)

Davon profitieren könnten künftig vor allem renommierte internationale Online Poker Portale. So legt das Schweizer Geldspielgesetz fest, dass die lizenzierten Schweizer Spielbanken unter bestimmten Umständen Pokerspiele über ausländische Plattformen anbieten dürfen.

 

Die besagten Poker Webseiten müssen dafür einen guten Ruf genießen, zu keinem Zeitpunkt auf den Schweizer Sperrlisten gestanden haben und in einem Land lizenziert sein, welches sich nicht auf der offiziellen schwarzen Liste der Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF, „Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche“) befindet.

 

Online Angebote werden wachsen

Bisweilen sicherten sich vier Schweizer Spielbanken (Baden, Luzern, Davos und Pfäffikon) eine Lizenz, um auf ihren Webseiten auch Online Casinospiele anbieten zu dürfen.

 

Das erste Schweizer Internet Casino Jackpots.ch ging Anfang Juli unter der Leitung des Grand Casino Baden online. Im August folgte schließlich die Grand Casino Luzern AG mit ihrer Online Glücksspiel Webseite Mycasino.ch.

 

Mit dem Wegfall der zahlreichen illegalen Casinos ist das Online Spielangebot in der Schweiz zwar zunächst drastisch gesunken, doch ist damit zu rechnen, dass dieses über die nächsten Jahre stetig ausgebaut werden wird.

 

Sollte es in Zukunft tatsächlich auch zu Kooperationen mit ausländischen Anbietern kommen können, steht einem umfangreichen und legalen Schweizer Online Glücksspiel nicht mehr viel im Wege.

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