, 09.06.2021

Das Handelsblatt Research Institut hat im Auftrag vom Verband der Internetwirtschaft eco eine Studie zum deutschen Online-Glücksspielmarkt veröffentlicht. Die Erhebungen zeigten, dass Nachjustierungen am Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) erforderlich seien, mahnte eco in einer Pressemitteilung am Dienstag.

 

Eine repräsentative Befragung von 2.000 Personen habe ergeben, dass insbesondere aus Perspektive des Daten- und Spielerschutzes sowie im Hinblick auf die geplante Besteuerung Änderungen am GlüStV vorgenommen werden müssten, um die Regulierung marktkonform zu gestalten.

 

Im Pressegespräch erklärte Professor Dr. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Instituts, dass ein großer Teil der Online-Casino-Spieler überaus sensibel auf Veränderungen der Spielbedingungen reagieren könnte:

Das bedeutet, falls sich auf der Online-Casino-Seite, auf der sie bislang spielen, die Spielbedingungen verändern, beispielsweise in Form von schlechteren Gewinnchancen, geringerem Einsatzlimit oder geringerer Spielgeschwindigkeit, würden über 40 Prozent der Online-Casino-Spieler ein Angebot suchen, bei dem sich die Spielbedingungen nicht verschlechtert haben.

Glücksspielregulierung mit Fingerspitzengefühl

Angesichts der Tatsache, dass rund drei Viertel der deutschen Bevölkerung bereits gewerbliche Glücksspielangebote, online sowie offline, wahrgenommen hätten, sei die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen ein wichtiger und richtiger Schritt seitens des Gesetzgebers.

 

Allerdings sei bei der Regulierung auch Fingerspitzengefühl gefragt, so eco-Ehrenpräsident Professor Michael Rotert. Diese müsse rechts- und marktkonform gestaltet sein, um dem Ziel der Marktöffnung und Liberalisierung nicht entgegenzuwirken.

 

Professor Rotert kommentierte:

Dänemark, Spanien und Italien zeigen, wie es gehen kann und sollten auch für den deutschen Gesetzgeber als Best Practice in Sachen Kanalisierung betrachtet werden.

Sperrdatei und Besteuerung des Glücksspiels

Bezüglich des Datenschutzes sehe Professor Rotert ein Problem bei der Glücksspielregulierung. Die Studie habe ergeben, dass den Menschen der Schutz der persönlichen Daten überaus wichtig sei. Eine überzogene Datensammlung könne die Kanalisierung ebenfalls gefährden.

 

Dazu sagte Professor Rotert:

Eine sinnvolle Regulierung, die eine staatliche Kontrolle ermöglicht, besteht in einer Öffnung des Online-Glücksspielmarktes für lizenzierte Anbieter, die unter staatlicher Kontrolle stehen.

Die Grundgedanken einer zeitgemäßen deutschen Glücksspielregulierung seien Liberalisierung und Kanalisierung. Dies gelte auch für die Besteuerung des Glücksspiels.

 

Die vorgesehene Steuer in Höhe von 5,3 % auf die Einsätze führe ebenfalls dazu, dass die lizenzierten Angebote für die Spieler unattraktiv würden. Die Folge sei, dass sie sich mittelfristig vom deutschen Markt distanzierten und illegale Angebote bevorzugten. Dort sei allerdings kein angemessener Spielerschutz gewährleistet, so Dr. Rürup.