, 15.04.2021

Vor einem halben Jahr hat die sogenannte Duldungs- oder Übergangsphase für Online-Casino-Anbieter in Deutschland begonnen. Unternehmen, die sich an die Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV) 2021 halten, sollen dazu berechtigt sein, eine Lizenz zu erwerben. Allerdings sei der Erfolg bisher nur mäßig, berichtete die Tagesschau am Mittwoch.

 

Nach Angaben der Investigativ-Journalisten des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Philipp Eckstein und Jan Lukas Strozyk sollen sich zahlreiche Online-Glücksspiel-Betreiber nicht an die Vorgaben halten. So sei es trotz des vorgegebenen Einzahlungslimits von 1.000 Euro monatlich immer noch möglich, höhere Summen einzuzahlen.

 

Eckstein und Strozyk erklären in ihrem Bericht, dass dem NDR Daten zugespielt worden seien, die belegten, dass sich viele Online-Casinos nicht an diese Limits hielten. Zu besagten Betreibern sollen auch große Anbieter wie Bet-at-home, Lottoland, Drückglück, Wunderino, Bwin und Tipico gehören.

Im November 2020 soll ein Spieler bei Wunderino insgesamt 4.500 Euro eingezahlt haben, im November habe derselbe Kunde insgesamt weitere 16.650 Euro einzahlen können. Im Januar habe ein Spieler bei Lottoland Einzahlungen von insgesamt 6.750 Euro vornehmen können. Ein Spieler bei Drückglück habe im November 21.000 Euro eingezahlt.

 

Die Einzahlung höherer Beträge sei auch bei Tipico und Bwin möglich gewesen. Ein Spieler bei Bwin soll im November knapp 8.500 und weitere 2.300 Euro im Januar eingezahlt haben. Ende November habe ein Spieler in einer Transaktion 5.000 Euro auf sein Tipico-Konto überweisen können. Aus den Unterlagen sei allerdings nicht hervorgegangen, ob das Geld auf das Casino- oder Sportwetten-Konto überwiesen worden sei.

Viele Online-Casinos halten sich an die Vorgaben

Der NDR kontaktierte den Sportwetten- und Casino-Anbieter Bwin. Ein Sprecher des Unternehmens habe versichert, dass man sich an die Limits halte. Der Sportwetten-Anbieter Tipico habe darauf verwiesen, dass es keine Einzahlungslimits für Sportwetten gebe. Weiter heißt es in der Mitteilung von Tipico:

Das Unternehmen setzt die Vorgaben des Übergangsregimes um. Die Einhaltung ihrer Pflichten als Anbieterin wurde durch das Regierungspräsidium Darmstadt erst kürzlich überprüft und es gab keinerlei Beanstandung.

Die Redaktion von CasinoOnline.de testete mehrere Plattformen. So scheint eine Einzahlung von 5.000 Euro auf das Sportwetten-Konto bei Tipico ohne Probleme möglich.

 

Online-Einzahlungsformular

Die Einzahlung höherer Beträge auf das Sportwetten-Konto bei Tipico scheint problemlos möglich. (Bild: casinoonline.de)

 

Bei dem Versuch, auf den Tipico-Games-Account den gleichen Betrag einzuzahlen, kam es zum Abbruch der Transaktion mit dem Hinweis, dass für voll verifizierte Kunden das maximale Limit bei 1.000 Euro liege.

 

Bei Drückglück wurde eine Einzahlung in Höhe von 5.000 Euro ebenfalls abgelehnt. Es erschien folgender Hinweis:

Die Einzahlung auf dein DrueckGlueck-Konto wurde abgelehnt, da du dein Tages-/Wochen-/Monatslimit für die Einzahlungen überschritten hast.

Allerdings scheint der Verdacht gegen den Casino-Anbieter Wunderino bestätigt. Ein Blick in den Kassenbereich zeigt, dass derzeit noch Einzahlungen bis zu 10.000 Euro möglich sein könnten.

 

Kassenbereich Online-Casino

Einzahlungen hoher Beträge bei Wunderino scheinen immer noch möglich. (Bild: casinoonline.de)

 

Nach Angaben der NDR-Reporter hätten jedoch mehrere Innenministerien erklärt, dass der Spielerschutz sich durch die Übergangsregelung verbessert habe. Zahlreiche Unternehmen hätten ihre Angebote bereits an die neuen Vorgaben angepasst.

 

Die Redaktion von CasinoOnline.de konnte nach eingehender Überprüfung der Angebote mehrerer Online-Casinos die Aussage der NDR-Reporter bestätigen, die ebenfalls angeben, die Angebote der Glücksspiel-Plattformen getestet zu haben.

 

So sind die Höchsteinsätze an den Spielautomaten auf 1 Euro begrenzt. Auch gibt es kaum noch klassische Tischspiele wie Blackjack und Roulette. Live-Casino-Angebote wurden ebenfalls entfernt.

 

Probleme sehen Eckstein und Strozyk vielmehr bei den Behörden und deren Möglichkeiten, die Einzahlungslimits zu überprüfen. Schließlich sind die Online-Glücksspiel-Angebote rein formal noch illegal. Aus diesem Grunde sollen viele Behörden davor zurückschrecken, ihre Mitarbeiter unter echtem Namen Testspiele durchführen zu lassen.

 

Das Bundesland Rheinland-Pfalz soll angegeben haben, dass die Möglichkeit bestehe, Tests unter falscher Identität durchführen zu lassen. Zur genauen Vorgehensweise bei der Überprüfung der Limits habe die Behörde allerdings keine Angaben gemacht.

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