, March 29, 2019

Ralph Hasenhüttl, Trainer des britischen Premier League Clubs FC Southampton, verbietet seinen Profikickern die Nutzung von WLAN im Teamhotel. Als Grund für den ungewöhnlichen Schritt gab er an, dass seine Spieler auf den Zimmern zu viel Zeit beim Gaming verbringen würden.

 

Am gestrigen Donnerstag erklärte der 51-jährige Trainer, dass er ab sofort bei Auswärtsspielen in den Hotels das WLAN abstellen lasse. Damit werde seinen Spielern künftig der direkte WLAN-Zugang zu Fortnite, Apex und Co. verbaut.

 

WLAN-Sperre zum Schutz der Spieler

Der Ex-Trainer von RB Leipzig gab an, dass er auf diese Weise seine Spieler vor den abhängig machenden Videospielen schützen wolle. Bei der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel gegen Brighton & Hove Albion erklärte er:

Speziell Gaming ist etwas, wogegen man aktiv vorgehen muss. Und das werde ich tun. Bei meinem letzten Club hatte ich auch Spieler, die vor einem Match bis drei Uhr morgens vor dem Bildschirm saßen.

Hasenhüttl betonte, dass er die Anordnung zum Wohle der Spieler träfe und dabei sicherstellen wolle, dass sie am Tag des Matches fit und ausgeruht seien. Gleichzeitig nutzte der Österreicher, der seit Dezember 2018 bei Southampton auf der Trainerbank sitzt, die Gelegenheit, um vor den Gefahren der Gaming-Sucht zu warnen:

Es ist kein kleines Problem. Wenn du ehrlich bist, ist es dasselbe wie Alkoholismus oder Drogensucht. Es ist etwas, wovon man abhängig werden kann. Deshalb muss ich mich darum kümmern. (…) Ich stehe immer im Kontakt mit meinem Kapitän und anderen Spielern, um darüber zu reden.

Einen aktuellen Anlass, der Grund zur Besorgnis geben könnte, gäbe es allerdings nicht. Der Trainer sagte, dass in seiner Mannschaft niemand ernsthafte Probleme mit Videospielen oder übermäßiger Nutzung von Social Media habe.

 

Sicherlich ist auch Hasenhüttl bewusst, dass die Sperrung von WLAN-Zugängen in Zeiten großzügiger Datenflatrates eher von symbolischer Natur ist, schließlich lässt sich ein Videogame über die normale Mobilfunkanbindung ebenso gut spielen.

 

Ausuferndes Gaming wie eine Krankheit behandeln?

Southamptons Trainer richtete bei dem Termin einen Appell an die Behörden, sich intensiver mit dem Problem des übermäßigen Konsums von Videospielen auseinanderzusetzen. Solange dies nicht geschähe und ein problematisches Spielverhalten von den zuständigen Stellen nicht als Krankheit anerkannt werde, müssten die Klubs eigene Wege gehen, um ihre Spieler zu schützen.

Bei der Diskussion über den ausufernden Konsum von Videospielen rückt immer wieder das Spiel Fortnite in den Mittelpunkt. Kein Wunder, wird es doch weltweit von über 220 Millionen Menschen gespielt. Hersteller Epic Games konnte die Zahl seiner Nutzer innerhalb nur eines halben Jahres fast verdoppeln.

 

Doch mittlerweile muss der Anbieter mit kräftigem Gegenwind kämpfen. Bereits mehrfach wurde Epic Games wegen des Einsatzes von umstrittenen Lootboxen privatrechtlich verklagt. Auch von offizieller Seite drohen Probleme. So verbannte die chinesische Regierung das Game wegen ethischer Verfehlungen zeitweise gleich ganz aus dem Internet des Riesenreiches.

Der Vorstoß des Fußballtrainers kommt kurz nachdem die britische Tageszeitung “The Sun” von vergleichbaren Problemen eines britischen Spielers berichtet hatte. Der ungenannte Fußballstar gab an, in der Vergangenheit täglich bis zu 16 Stunden Fortnite gespielt zu haben. Zu seinen Gewohnheiten sagte er der Sun gegenüber:

Wenn ich vom Training zurückkam, schaltete ich zuerst die Xbox an und spielte Fortnite. Meist spiele ich acht bis zehn Stunden am Tag. Einmal habe ich jedoch vor einem Match 16 Stunden nonstop gespielt.

Die ausufernde Zockerei habe dazu geführt, dass er in der Vergangenheit mehrmals das Fußballtraining seines Teams verpasst habe. Nun fürchte er aufgrund seiner Spielsucht um seine künftige Karriere.

 

Doch der Spieler sorgt sich nicht nur um sich selbst. Er gibt an, dass viele seiner Teamkameraden zu viel spielen würden. Teilweise würden sie sogar zusammen bei Fortnite online gehen.

 

Auch Paul Merson, ehemaliger Fußballstar bei Top-Clubs wie Arsenal oder Aston Villa und jetziger Kommentator für den TV-Sender Sky, gab zu, spielsüchtig zu sein. Bei ihm handele es sich allerdings nicht um Videospiele, sondern um exzessives Glücksspiel. Nach eigener Aussage habe ihn seine Spielsucht in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Pfund Sterling gekostet.

 

Die beiden aktuellen Fälle und Hasenhüttls Vorstoß zeigen, dass die Spielsucht-Problematik auch vor den Türen hochgezahlter Fußballspieler nicht haltmacht.