Freitag, 30. September 2022

Trotz strikter Verbote: 11 Millionen Chinesen nutzen illegale Online-Glücksspiel-Angebote

Rote Flaggen

Das Ministerium für öffentliche Sicherheit in China hat am Dienstag eine Erklärung zu seinen Maßnahmen gegen das illegale Glücksspiel im Jahre 2020 abgegeben. Demnach seien laut China News [Seite auf Chinesisch] über 3.500 Fälle von grenzüberschreitendem Glücksspiel gelöst und rund 75.000 Verdächtige festgenommen worden.

Weiterhin hätten die Behörden 1.160 Webseiten, die das Glücksspiel bewarben, vom Netz genommen und 980 IT-Teams aufgelöst. 1.960 illegale Zahlungsplattformen und Finanzinstitute seien eliminiert worden. Dabei seien über 1 Billion Yuan (124 Mrd. Euro) beschlagnahmt worden.

11 Millionen Spieler in China täglich auf Online-Glücksspiel- und Poker Plattformen

Trotz der strengen Restriktionen und der Bemühungen der Behörden, gegen illegales Glücksspiel vorzugehen, sollen im Schnitt 11 Millionen Spieler in Online-Casinos und auf Poker-Plattformen spielen. Davon sollen 2,7 Millionen Spieler in Guangdong, Chinas bevölkerungsreichsten Region, und 640.000 Spieler in Peking leben.

Um auf die Spielangebote zuzugreifen, sollen die Nutzer laut dem Bericht des Ministeriums knapp 9.000 verschiedene mobile Apps zur Auswahl haben. Zur Finanzierung des Online-Glücksspiels sollen mindestens 14 Zahlungsmethoden verfügbar sein. Dazu gehören neben bekannten Apps wie Alipay und UnionPay auch Kryptowährungen wie Tether.

Kryptowährung und Online-Shops: Das komplexe Zahlungs-System illegaler Glücksspiel-Anbieter

Online-Glücksspiel ist in China illegal. Daher besteht das erste Hindernis der Spieler darin, Geld auf Online-Glücksspiel- und Poker-Plattformen zu transferieren. Dafür nutzen die Spieler mehrere Methoden.

Glücksspiel-Webseiten nutzen häufig große E-Commerce-Plattformen, um Transaktionen, die als legitime Online-Shopping-Deals getarnt sind, im großen Stil zu ermöglichen.

Wird eine Überweisung auf eine Online-Glücksspiel-Plattform abgewickelt, wird die Zahlung auf ein Konto überwiesen, das beispielsweise mit einem Lebensmittelhandel verbunden ist. Diese Online-Shops werden auch als „Running Points“ bezeichnet, die die Funktion haben, die Gelder der Spieler zu waschen.

Geldwäsche über Running Points

Um Geld einzuzahlen, folgt ein Spieler einem Zahlungslink auf einer Glücksspiel-Webseite, die eine Verbindung zu einer Running Point-Plattform herstellt. Dort wird eine Zahlung getätigt, die auf gekaufte oder geliehene Bankkonten von Privatpersonen transferiert wird.

Das Geschäft ist recht lukrativ, denn die Running Points erhielten laut Medienberichten eine Provision von 2,5 bis 4 % pro Transaktion, Inhaber der Konten erhielten zwischen 1 bis 2 %.

Das eingezahlte Geld wird dann an illegale Banken überwiesen, die es an die Glücksspiel-Plattformen weiterleiten. Diese illegalen Untergrundbanken existieren seit langem in China und werden unter anderem dafür genutzt, um Geld aus dem Land zu transferieren und Immobilien im Ausland zu erwerben.

Ein weiterer Kanal für die Einzahlung von Geld auf Online-Glücksspielseiten ist das Auffüllen von Handy-Guthaben. Diese Transaktionen werden als normales Guthaben für Mobiltelefonkonten getarnt, leiten jedoch tatsächlich Geld an Glücksspielseiten weiter.

Eine recht neue Methode ist die Verwendung der Kryptowährung Tether USDT. Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen ist USDT an den Wert des US-Dollar gebunden und daher weniger volatil. USDT soll häufig bei Geldwäsche, Glücksspielen und anderen illegalen Aktivitäten eingesetzt werden.