, 25.08.2021

Die neue Glücksspielbehörde der Länder hat einen Standort gefunden. Wie das Online-Magazin HalleSpektrum am Dienstag berichtet hat, habe das Land Sachsen-Anhalt eine Bürofläche von 2.822 m2 im „Technischen Rathaus“ im Stadtzentrum von Halle angemietet. Die Räumlichkeiten hätten seit dem Auszug der Stadtverwaltung Ende 2020 leer gestanden.

 

Das sechsstöckige Gebäude mit einer Gesamtfläche von 9.300 m² war erst im Mai 2020 von dem privatgeführten Immobilien-Konzern POLIS Immobilien AG gekauft worden. Die Stadtverwaltung hatte zu jenem Zeitpunkt 85 % der Fläche genutzt. Im Erdgeschoss befinden sich diverse Geschäfte des Einzel- und Fachhandels.

 

Wie den Informationen von HalleSpektrum zu entnehmen ist, werde die Glücksspielbehörde sich auf der zweiten Etage niederlassen. Es gäbe gegenwärtig Verhandlungen für die Etagen drei bis sechs mit anderen potenziellen Mietern.

 

Die künftigen Büroräume der Glücksspielbehörde würden jedoch noch ausgebaut. Vorrübergehend sei ein Teil der Fläche zur Interimsnutzung freigegeben worden.

Im Rahmen der finalen Ausarbeitung des Glücksspielstaatsvertrages 2021 haben sich die Länder Anfang letzten Jahres auf die Stadt Halle (Saale) als Standort der Glücksspielbehörde der Länder geeinigt. Wie die FAZ zu jener Zeit berichtete, sei nicht bekannt, warum die Wahl auf Halle gefallen sei. Spekulationen zufolge könne die Nähe zum Großraum Leipzig eine Rolle gespielt haben, wo sich in den letzten Jahren zahlreiche IT-Firmen und Experten niedergelassen hätten. Diese könnten von der Behörde kooperieren, so die Zeitung.

 

Ein Blick auf den bundesweiten Mietspiegel könnte ebenfalls eine Erklärung bieten. Die Durchschnittpreise für Büroflächen pro Quadratmeter liegen in Sachsen deutlich niedriger als in anderen Bundesländern. Laut Standort Sachsen fallen in Leipzig durchschnittlich 16 Euro an, in Dresden 14 Euro und in Halle lediglich 10 Euro. Zum Vergleich: In Frankfurt am Main werden 45 Euro pro Quadratmeter fällig, in München und Berlin je knapp 40 Euro.

Eine der größten Glücksspiel-Behörden Europas?

Obwohl sich die neue Glücksspielbehörde der Länder das Gebäude mit anderen Mietern teilen wird, könnte sie zu einer der größten staatlichen Glücksspielaufsichten Europas werden. Wie die Zeit Anfang des Jahres berichtete, sei geplant, über die nächsten Jahre mehrere Hundert Mitarbeiter anzustellen.

 

Mit „ein paar Dutzend“ Angestellten seien bis dato schon Verträge geschlossen worden. Ihre Arbeit solle die Behörde dann mit 110 Mitarbeitern „weitgehend“ zum 1. Januar 2023 aufnehmen.

Im internationalen Vergleich scheint sich die neue Institution dabei gut auf den Arbeitsmarkt auszuwirken. So sind beispielsweise in der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen in Strängnäs nach eigenen Angaben weniger als 60 Mitarbeiter tätig.

 

In der niederländischen Glücksspielaufsicht, die in Den Haag im selben Gebäude angesiedelt ist wie das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaften, arbeiten derzeit hingegen knapp 100 Mitarbeiter.

 

An den zwei Standorten der britischen Glücksspielaufsicht (UKGC) in Birmingham und London hingegen werden 350 Mitarbeiter beschäftigt.

Verspätung der Behörde vielmals kritisiert

Doch noch gibt es die deutsche Glücksspielaufsicht nicht. Politiker verschiedener Parteien in mehreren Bundesländern hatten genau aus diesem Grund gegen den Glücksspielstaatsvertrag gestimmt. So sei es ein großes Risiko für den Spielerschutz, das Online-Glücksspiel zu legalisieren, bevor die nötige Kontrollinstanz einsatzbereit sei, so die Kritik vieler.

 

Die NRW-Landtagsabgeordnete Elisabeth Müller-Witt (SPD) merkte im April dieses Jahres an, dass die Anbieter lediglich „versprechen“ müssten, sich an die Regeln zu halten, und schon hätten sie freie Hand, ohne von Beginn an kontrolliert zu werden.

Dies ist weit mehr als ein Vertrauensvorschuss für eine Branche, die bislang nicht bewiesen hat, dass sie diesen auch verdient.

Fürs erste dürfte dieser Status Quo jedoch bestehen bleiben. Bis die Behörde dann nach Angabe des Innenministeriums in Magdeburg ab Mitte 2022 ihre „ersten Aufgaben“ übernimmt, bleiben ihre künftigen Aufgaben auf die einzelnen Länder verteilt.

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