Sonntag, 02. Oktober 2022

BetVictor-Vorstand Alvarez gibt Aufsichtsrats­vorsitz bei Österreichischen Lotterien ab

Luke Alvarez (53) ist nur Tage nach seiner Ernennung zum Vorsitzender des Aufsichtsrats der Österreichischen Lotterien GmbH zurückgetreten. Dies gab das Unternehmen gestern per Pressemitteilung bekannt.

Nur Stunden zuvor hatten Medienberichte über mögliche Unvereinbarkeitsprobleme Alvarez‘ Schlagzeilen gemacht. Neben seiner neuen Tätigkeit bei den teilstaatlichen Österreichischen Lotterien ist der Brite auch Chairman des privaten, in Österreich nicht lizenzierten Online-Glücksspiel-Anbieters BetVictor.

Rücktritt nach vier Tagen

Am 21. Januar hatten die Aufsichtsräte der Österreichischen Lotterien den Briten Luke Alvarez per Umlaufbeschluss zum neuen Vorsitzenden gewählt. Nur vier Tage später folgte das Aus. So teilten die Lotterien, deren Hauptanteilseigner die Casinos Austria AG ist, gestern in einem knappen Statement mit:

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Luke Alvarez hat aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung seine Funktion als Mitglied des Aufsichtsrat (sic!) der Österreichischen Lotterien GmbH zurückgelegt. Der Aufsichtsrat nimmt diese Entscheidung zur Kenntnis.

Bis auf Weiteres werde sein Stellvertreter, der CEO der tschechischen SAZKA Group Robert Chvátal, den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen. Bereits zuvor hatte Chvátal den Posten innegehabt, nachdem er ihn im September 2020 von Casinos Austria-Chefin Bettina Glatz-Kremsner übernommen hatte. Den Stellvertreterposten besetzt von nun an laut Unternehmenswebseite der ehemalige Novomatic-Chef Harald Neumann.

Das offenbar plötzliche Auftauchen „privater Gründe“, die einen Rücktritt unumgänglich machen, folgte zeitlich unmittelbar auf Hintergrundrecherchen des Kurier zur Personalie Alvarez. Die österreichische Tageszeitung hatte am Montagmorgen einen Artikel veröffentlicht, demzufolge sich der Glücksspiel-Manager im Zentrum eines Interessenkonflikts  befinden könnte.

In direkter Konkurrenz?

Als Chairman des Online-Glücksspiel-Konzerns BetVictor stehe Luke Alvarez vor möglichen Unvereinbarkeitsproblemen, so der Verdacht. Der Betreiber von Sportwetten- und Casinoangeboten agiere in direkter Konkurrenz zu den Österreichischen Lotterien. Obwohl BetVictor keine Lizenz für den österreichischen Markt besitze, sei das Angebot für Spieler aus der Alpenrepublik problemlos erreichbar.

Im November 2018 wurde Luke Alvarez offiziell als neuer Chairman des 1946 in Großbritannien ins Leben gerufenen Glücksspiel-Betreibers BetVictor vorgestellt.

Das über Jahrzehnte auf Sportwetten spezialisierte Unternehmen hatte seinen Hauptsitz 1998, mutmaßlich aus Steuergründen, nach Gibraltar verlegt. Seither expandiert der Konzern massiv im Online-Glücksspiel.

In Deutschland operiert die Gruppe als vom zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt lizenzierte BV (Germany) Ltd. und steht unter anderem hinter dem Sportwetten-Angebot der Bild, BildBet.

Dem Nachrichtenportal oe24.at zufolge war Luke Alvarez den Lotterie-Mitarbeitern nach seiner Wahl zum Aufsichtsratschef in einer internen Mail vorgestellt worden. Hierbei sei mitgeteilt worden, dass der Brite zuvor führende Positionen in zahlreichen international aktiven Unternehmen der Gaming-, Technologie- und Unterhaltungsindustrie innegehabt habe.

Inwieweit die aktuelle Tätigkeit des Branchen-Insiders für BetVictor und die damit einhergehende mögliche Unvereinbarkeit allen Verantwortlichen bewusst war, ist bislang öffentlich nicht bekannt. Weder Alvarez selbst noch die Lotterien sollen sich zu entsprechenden Anfragen geäußert haben.