, 07.10.2020

Das Landgericht Paderborn verhandelt den Fall einer 47-Jährigen, die ihre Mutter (76) aus Habgier brutal ermordet haben soll. Hintergrund soll eine Spielsucht der Angeklagten sein. Nun beschrieb ein Polizist vor Gericht, dass Sandra N.-L. mit Sportwetten einen Schuldenberg von über 170.000 Euro angehäuft hatte. Während der Ermittlungen hatte die Frau ihren damaligen Ehemann, einen aus dem TV bekannten Tierarzt, schwer belastet.

 

Angeklagte besaß 90 Konten

 

Das Tötungsdelikt an einer 76-Jährigen aus dem nordrhein-westfälischen Borchen gibt weiterhin Rätsel auf. Am zweiten Verhandlungstag brachte ein Finanzermittler der Polizei vor den Paderborner Richtern ein wenig Licht ins Dunkel.

Karin N. war im September 2019 tot in ihrem Bett aufgefunden worden. Spuren wiesen auf eine massive Gewalteinwirkung hin. Nahezu zeitgleich waren Sandra N.-L. und ihr damaliger Mann Ralf L. auf der A3 nahe Erlangen in einen schweren Autounfall verwickelt, bei dem der Fahrer eines anderen Fahrzeugs getötet wurde. Nachdem die Angeklagte auf die Gegenfahrbahn gelaufen war, wurde sie schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ralf L. kam kurz darauf in Untersuchungshaft.

Der Beamte schilderte, dass die angeklagte Sandra N.-L. sich binnen fünf Jahren mit rund 173.000 Euro verschuldet habe. Zudem habe sie das Haus beliehen, in dem sie mit Mutter und Ehemann gelebt habe. Grund hierfür sei, dass die Angeklagte seit 2014 regelmäßig hohe Beträge auf den Ausgang von Sportbegegnungen, insbesondere Tennisspielen, gesetzt habe.

 

Zu Beginn seien jährlich rund 10.000 Euro in die Wetten geflossen, zuletzt bis zu 70.000 Euro. Die Ausgaben, so der Ermittler, hätten „in keinem normalen Verhältnis zu den Einnahmen“ der Frau gestanden, die monatlich rund 2.000 Euro netto verdient habe.

 

Finanziert habe sie ihr Glücksspiel hauptsächlich mit Krediten bei unterschiedlichen Banken. Insgesamt seien die Beamten auf 90 Konten der Angeklagten gestoßen.

 

Zum Muttermord gezwungen?

 

Vor Gericht schweigt Sandra N.-L. zu den Vorwürfen. Während der Ermittlungen hatte sie jedoch ihren mittlerweile geschiedenen Ehemann schwer belastet. So sagte sie gegenüber Verwandten und Ermittlern aus, dass der Veterinär, der es als Mitwirkender einer TV-Tiersendung zu kleiner Prominenz gebracht hatte, sie zu der Gewalttat gezwungen habe.

 

Im gemeinsamen Haus war zudem ein von der Angeklagten verfasster Brief gefunden worden. In dem, laut Westfalen-Blatt, teils wirren Schreiben habe die Frau auch Bezug auf die Tat genommen:

Mutter und ich haben gegen ihn gekämpft, aber er ist zu stark (…) Er ist total krank und wird mich auch noch umbringen.

Ralf L. hatte im Laufe der Ermittlungen 99 Tage in Untersuchungshaft verbringen müssen, bevor er wegen mangelnden Tatverdachts freigelassen wurde. Sandra N.-L. droht bei Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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