, 21.11.2019

In der vergangenen Woche verkündete der britische Glücksspielindustrieverband Betting and Gaming Council (BGC), den Spielerschutz an Wettterminals mithilfe einer speziellen Künstliche Intelligenz-Lösung stärken zu wollen.

 

Nun gaben die großen Buchmacher des Landes an, ihre FOBT-Geräte bereits mit dem Anonymous Player Awareness System ausgerüstet zu haben. Der Echtzeitalgorithmus soll problematisches Spielverhalten erkennen und es per Zwangspause unterbrechen.

 

Mehr Achtsamkeit beim Spiel

 

Wie das BGC in der vergangenen Woche bekanntgab, soll eine neue Software Problemspielern in Großbritannien dabei helfen, mehr Achtsamkeit in Bezug auf ihr eigenes Spielverhalten an FBOTs (fixed odds betting terminals) zu entwickeln.

 

Der britischen BBC gegenüber gaben nun Vertreter der größten Wettanbieter an, das Anonymous Player Awareness System (APAS) bereits flächendeckend in ihren Wettbüros installiert zu haben.

 

So seien alle 1.600 Standorte von Buchmacher Betfred mit dem System ausgestattet. Auch die 3.600 Wettbüros von Anbieter Ladbrokes Coral verfügten nun über das APAS. Branchenriese William Hill bestätigte ebenfalls die Implementierung der Software.

FOBTs sind insbesondere in Großbritannien verbreitete Wettterminals mit festen Quoten. An den Spielautomaten wird zumeist auf den Ausgang eines digitalen Roulettespiels gesetzt. Alternativ locken die Terminals unter anderem mit Wetten auf Bingo oder simulierte Hunde- und Pferderennen.

APAS analysiert per Algorithmus in Echtzeit die Handlungen des Spielers am FOBT. Erkennt die künstliche Intelligenz Auffälligkeiten, interveniert sie:

 

In diesem Fall wird das Spiel automatisch für 30 Sekunden unterbrochen. Während dieses Zeitraums wird der Spieler über eine Meldung auf dem Monitor des Geräts auf die Möglichkeit hingewiesen, sich selbst Limits in Bezug auf Spieldauer und Ausgaben zu setzen.

 

„Abkühlphase“ und persönliche Ansprache

 

Welche Muster genau die Zwangspause auslösen, ist nicht bekannt. Laut einem Sprecher des Industrieverbandes BGC untersuche das APAS eine Reihe unterschiedlicher Faktoren, um festzulegen, ob ein Spieler gefährdet sei:

Dies beinhaltet schwankendes Spielverhalten, Verlusten hinterherzujagen, die Spielgeschwindigkeit und die Zeit, die an dem Automaten verbracht wird. Daher können der Alarm und die “Abkühlphase“ zu fast jeder Zeit während des Spiels ausgelöst werden. Es hängt speziell von der Person ab, die an der Maschine spielt.

Zusätzlich sende das System eine Meldung an die Spielhallenaufsicht. Laut BGC erkundige sich das Personal in diesem Fall bei dem betreffenden Spieler nach seinem Befinden und biete, wenn nötig, Hilfe an.

 

Ebenfalls zur Unterbrechung des laufenden Spiels führt eine ununterbrochene Spieldauer von 20 Minuten. In diesem Fall verordnet das APAS eine Pause von 20 Sekunden.

 

Vor der breiten Markteinführung war das APAS bereits im Umgang mit Stammspielern eingesetzt worden, die sich an den FOBTs in eigene Accounts einloggten. In diesen Fällen hatte das System auch die vorherigen Bewegungen im jeweiligen Kundenkonto in die Berechnungen miteinbezogen.

 

Interessenvertreter hofft auf Vertrauensbildung

 

Für Wes Himes, den Interimsvorsitzenden des BGC, ist die Einführung des APAS eine Chance, das angekratzte Image seiner Branche aufzupolieren.

 

Logo Betting and Gaming Council

Das BGC zeigt sich zufrieden mit den neuen Maßnahmen zum Spielerschutz an FOBTs (Quelle:bettgandgamingcouncil.com)

Er hoffe, die Maßnahmen zum sicheren Spiel würden als Zeichen guter Absicht seitens der Wettanbieter verstanden und hülfen dabei, verlorengegangenes öffentliches Vertrauen wiederherzustellen. Der BGC setze darauf, auch künftig weitere Initiativen zum Spielerschutz im Wett- und Glücksspielbereich zu implementieren.

 

Spielerschützer sehen die Bemühungen der Industrie derweil skeptisch. So bemängelt Dr. Alan Smith, Bischof von St. Albans und prominenter Kritiker der britische Glücksspielindustrie, dass die Branche die Herausforderungen des Spielerschutzes nicht umfassend angehe:

 

Während sich die Wettanbieter öffentlich ihrer Maßnahmen zum Spielerschutz rühmten, bekämpften sie gleichzeitig jegliche Regulierungsbemühungen. Schlussendlich läge die Last der Verantwortung auch beim nun eingeführten APAS vollständig auf den Schultern der Verbraucher. Dies erlaube es den Konzernen, weiterhin „süchtig machende Glücksspielprodukte zu entwickeln und zu fördern“.

 

Pausen an FOBTs nicht lang genug?

 

Auch Mark Griffiths, Professor für Verhaltenssucht an der Universität von Nottingham, gibt sich im Gespräch mit der BBC nur verhalten optimistisch:

 

Generell könne man von einem Schritt in die richtige Richtung sprechen. Inwieweit das APAS aber tatsächlich Auswirkungen auf das Spielverhalten habe, müsse noch evaluiert werden. Es sei jedoch denkbar, dass die erzwungenen Pausen von 20 und 30 Sekunden nicht ausreichten, um einen nachhaltig positiven Effekt auszulösen.

 

Zweifellos bleibt das Thema Spielerschutz an FOBTs in Großbritannien ein heißes Eisen. Ob es sich bei den freiwilligen Neuerungen der Industrie tatsächlich um wirksame Maßnahmen zum Spielerschutz oder doch eher, wie von Kritikern vermutet, um eine Art Feigenblatt handelt, wird die Zeit zeigen müssen.

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