, July 4, 2019

Apple veröffentlichte am Dienstag einen Transparenzbericht, der erstmalig die Anzahl der Apps nennt, die aufgrund von Regierungsanfragen aus dem App Store entfernt werden mussten. Weltweit wurde im zweiten Halbjahr 2018 die Entfernung von insgesamt 634 Apps, vorrangig wegen illegalen Glücksspiels, angeordnet.

 

Zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2018 stellten elf Länder insgesamt 80 Anfragen zur Löschung von 770 Apps, wie aus dem Transparenzbericht [Seite auf Englisch] hervorgeht. 634 Apps wurden auf die Regierungsanfragen hin aus den lokalen App Stores entfernt.

 

China als Spitzenreiter

 

Die meisten Anfragen stammten aus China. Hier wurden insgesamt 517 Apps auf das Ersuchen der Behörden hin aus den Apps Stores entfernt. Apple machte zwar keine Angaben dazu, um welche Apps es sich jeweils handelte, nannte aber die Gründe für die Löschungsanfragen. In China wurden die Apps wegen Verstößen gegen die gesetzlichen Regulierungen zu Glücksspiel und Pornografie entfernt.

 

Vietnam, Österreich, Russland, die Schweiz, Norwegen und die Niederlande forderten das Unternehmen auf, insgesamt 109 Apps wegen illegalen Glücksspiels zu entfernen, von denen 84 tatsächlich gelöscht wurden. In Kuwait, dem Libanon und Saudi-Arabien wurden 31 Apps wegen Verstößen gegen den Datenschutz gelöscht. Die Türkei verlangte wegen Verstößen gegen das Urheberrecht und illegalen Inhalten die Löschung von drei Apps.

Unternehmensinterne Versuche, Glücksspiel-Apps strenger zu prüfen

 

Um bessere Kontrolle über Glücksspiel-Apps im Apple Store zu erhalten, legte Apple bereits Anfang Juni fest, dass Glücksspiele mit Echtgeld nur noch von nativen Apps angeboten werden dürfen. Browserbasierte HTML5-Spiele sind damit im Apple Store nicht mehr zugelassen. Unternehmen, die ihre Glücksspiel-Apps weiter im App Store anbieten wollen, müssen hierfür eigene iOS-Apps entwickeln.

Regierungsanfragen zur Gerätekennung

 

Nach Angaben des Unternehmens betrafen die Regierungsanfragen nicht nur Apps, sondern auch den Zugriff auf Kundendaten in Zusammenhang mit den Geräten. Hierzu heißt es im Transparenzbericht, es handele sich um Anfragen nach:

„… Kundendaten verbunden mit spezifischen Gerätekennungen, wie der Seriennummer oder der IMEI-Nummer. Anfragen können in verschiedenen Formen, wie Vorladungen, Gerichtsbeschlüssen, Haftbefehlen oder anderen gültigen legalen Anträgen erfolgen.“

Insgesamt sind weltweit 29.183 solcher Anfragen bei Apple eingegangen, in 22.691 Fällen gewährte das Unternehmen den Zugriff auf die gewünschten Daten. Die meisten Anfragen stammten von den deutschen Behörden.

 

Sie forderten 12.343 Mal Zugriff auf insgesamt 19,380 Geräte, gewährt wurde dieser in 77 Prozent der Fälle. Hauptgrund sei der Versuch der Behörden gewesen, gestohlene oder verloren gegangene Geräte wieder aufzufinden. In den USA verlangten die Behörden im selben Zeitraum lediglich 4.680 Mal Auskunft über den Besitzer der Geräte.

 

Auskünfte zu Namen und Adressen der Nutzer

 

Apple MacBook, Apple iPad

Die Behörden verlangten auch Auskunft über Nutzerdaten, iCloud-Inhalte und finanzielle Informationen. (Bild: Pixabay)

Neben Anfragen zur Gerätekennung wurde im Zuge von Ermittlungsverfahren auch die Herausgabe von in der iCloud gespeicherten Daten gefordert. Diese Anfragen wurden beispielsweise von Strafverfolgungsbehörden gestellt, die das Unternehmen aufforderten, Angaben wie Namen und Adressen, in einigen Fällen aber die in der iCloud gespeicherten Inhalte, wie Fotos, E-Mails oder Kontaktdaten, herauszugeben.

 

Weltweit wurde Apple 4.875 Mal zur Herausgabe solcher Daten aufgefordert, 335 Anfragen kamen aus Deutschland. Insgesamt kam Apple der Aufforderung in 82 Prozent der Fälle nach, in Deutschland waren es 73 Prozent.

 

Regierungsanfragen nach finanziellen Informationen gab es weltweit 4.626 Mal. Mehr als ein Viertel der Ersuche kam aus Deutschland, wo die die Daten in 85 Prozent der Fälle herausgegeben wurden. Diese Anfragen seien auf Betrugsfälle mit Kreditkarten zurückzuführen, die für den Erwerb von Apple-Produkten oder -Dienstleistungen missbraucht wurden.

 

Apple betont, dass Kunden über Anfragen informiert werden, die ihre persönlichen Daten betreffen, sofern dies gesetzlich zulässig sei. Gleichwohl behalte Apple sich das Recht vor, hierbei Ausnahmen zur machen, beispielweise wenn die Information eine Person gefährden könne oder wenn es um die Gefährdung von Kindern ginge.

 

Nicht ersichtlich wird aus dem Bericht, wie viele Kunden tatsächlich über die Regierungsanfragen zu ihren Nutzerdaten oder zu ihren Apple-Geräten informiert wurden.