, 04.01.2019

Ein britisches Ehepaar aus Grosmont im Bezirk North Yorkshire wollte sein 500.000 Pfund (ca. 555.000 Euro) teures Haus verlosen und einen Teil der Einnahmen der Krebsforschung spenden.

 

Nun wurde das Vorhaben von der UK Gambling Commission als illegales Glücksspiel eingestuft.

Was ist die UK Gambling Commission?

Die UK Gambling Commission (UKGC) ist eine Regulierungsbehörde für Glücksspiel in Großbritannien. Aufgabe der UKGC ist sowohl die Lizenzierung von Glücksspiel im Vereinigten Königreich als auch die Kontrolle der Einhaltung der Gesetze, die für das Glücksspiel erlassen wurden.

 

Glücksspielangebote wie Lotterien werden von der UKGC auf Grundlage des National Lottery Act aus dem Jahre 1993 kontrolliert.

Eine persönliche Geschichte

 

Ein altes Sprichwort besagt, dass der Weg in die Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist. Diese Erfahrung mussten nun auch Avril (68) und Robert Smith (75) machen.

 

Das Rentnerehepaar aus dem Nordosten Englands wollte sich zwei Wünsche erfüllen. Zum einen in die Nähe ihres Sohnes nach Harrogate ziehen, zum anderen Geld an die Krebsforschung spenden.

 

Die finanzielle Unterstützung der Erforschung von Krankheiten war dem Paar ein ganz persönliches Anliegen. Vor 10 Jahren wurde bei Avril Smith Krebs diagnostiziert. 2015 starb die Tochter des Ehepaars mit nur 39 Jahren unter tragischen Umständen an plötzlichem Herztod.

 

Die Idee eines Preiswettbewerbs

 

Um Umzug und Spendenvorhaben zu kombinieren, entschloss sich das Rentnerehepaar auf Anraten ihres Sohnes Matthew im Sommer 2018 zu einer spektakulären Aktion.

 

Lotterieschein

Haben die Smiths einen Preiswettbewerb oder eine illegale Lotterie veranstaltet? (Quelle:Pexels)

Das gemeinsame Familienhaus mit vier Zimmern, einem Swimming Pool und einem Outdoor-Blockhäuschen sollte verlost und ein Teil der Einnahmen an die Vereinigung Cancer Research UK gespendet werden.

 

Insgesamt wollte das Paar 60.000 Tickets zum Preis von 10 Pfund (ca. 11 Euro) verkaufen. Jeder Volljährige mit einem Wohnsitz in England, Schottland oder Wales sollte an der Aktion teilnehmen können. Die Aktion sollte bis zum 02. Januar 2019 dauern und der Sieger sollte am 03. Januar 2019 durch einen Zufallsgenerator ermittelt werden.

 

Doch noch bevor ein Sieger der Aktion ermittelt werden konnte, teilte die UK Gambling Commission dem Ehepaar mit, dass die von der Cancer Research UK geförderte Spendenkampagne eine Lotterie und kein legaler Preiswettbewerb sei.

 

Das Ehepaar gab daraufhin auf seiner Website (Link auf Englisch) bekannt, dass die Aktion beendet und die Ticketpreise rückerstattet werden.

 

Große Enttäuschung bei den Smiths

 

Bei den Smiths sitz die Enttäuschung über das schlimme Ende der Spendenaktion tief. Besonders deshalb, weil die UK Gambling Commission bereits seit dem 30. Juli 2018 von der Aktion wusste, allerdings bis kurz vor Weihnachten keinerlei Beanstandungen gegen die Spendenkampagne vorgebrachte.

 

In einem Statement an die Kampagnenunterstützer ließ Robert Smith keine Zweifel über seine Frustration:

Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt, haben meine Frau und ich in den letzten drei Jahren viel durchgemacht. Wir hatten gehofft, dass uns dies eine kleine Verschnaufpause verschaffen würde. Unglücklicherweise stehen wir wieder am Anfang (…). Wir verstehen all eure Enttäuschung und können uns nur ernsthaft entschuldigen und euch euer Geld zurückgeben.

Auch Jaelith Leigh-Brown, Sprecherin von Cancer Research UK, gab sich betroffen:

Wir möchten Avril und Robert für ihr Angebot einer Spende für Cancer Research UK danken. Wir hoffen ehrlich, dass sie einen Weg finden, näher zu ihrem Sohn nach Harrogate zu ziehen.

Wie das Nachrichtenportal Sky News unterdessen berichtete, wolle sich die UK Gambling Commission nicht zum Einzelfall äußern.

 

Die Aufsichtsbehörde teilte allerdings über einen Sprecher mit, dass es ihre Aufgabe sei, illegales Glücksspiel zu verhindern.

 

Nicht die erste Losaktion, bei der es um Immobilien geht

 

Obwohl die Losaktion der Smiths definitiv zu den ungewöhnlicheren Spendenaktionen gehört, sind sie nicht das erste Ehepaar, das auf diese Weise sein Haus veräußern will.

 

Im letzten Jahr hatten Nigel und Melanie Walsh aus Hertfordshire versucht, ihre 7.500 Quadratfuß große Villa in der Nähe von London zu verkaufen.

 

Nach Schätzungen ist das Anwesen über 5 Millionen Pfund (ca. 5.56 Millionen Euro) wert, ließ sich allerdings aufgrund des angespannten Immobilienmarktes, dem bevorstehenden Brexit und der hohen Urkundensteuer nicht zu diesem Preis verkaufen.

 

Die Walsh riefen daraufhin eine Aktion ins Leben, bei der 600.000 Tickets zum Preis von 13.50 Pfund (ca. 15 Euro) verkauft werden sollen.

 

Der Gewinner, der im Sommer 2019 gekürt werden soll, darf sich nicht nur über ein stilvolles Haus aus dem 18. Jahrhundert freuen, sondern auch über einen Weinkeller, einen Kinoraum, ein eigenes Fitnessstudio und Grünflächen mit englischem Rasen.

 

Bisher ist nicht bekannt, ob auch die Aktion der Walshs die Aufmerksamkeit der UK Gambling Commission erregt hat. Sollte dies der Fall sein, könnte für das Ehepaar auch im Jahre 2019 jede Menge Rasenpflege anstehen.