, 01.12.2020

Der Betreiber der britischen Nationallotterie, Camelot, hat sich zu einer möglichen neuen Altersbegrenzung für seine Produkte geäußert. Es sei davon auszugehen, so Camelot-CEO Nigel Railton, dass die Umsetzung eines Verkaufsverbots an Minderjährige eine lange Vorlaufzeit benötige. Nun haben glücksspielkritische Parlamentarier mit scharfen Worten auf die Aussagen reagiert.

 

„Bis zu 12 Monate Vorlaufzeit“

 

Im Gespräch mit britischen Medien haben Mitglieder einer All-Party Parliamentary Group (APPG), die sich mit den Negativfolgen des Glücksspiels auseinandersetzt, die jüngsten Aussagen Railtons als „lächerlich“ bezeichnet.

 

Der Camelot-Chef [Seite auf Englisch] hatte bei einem Treffen mit den Parlamentariern erklärt, dass die vollständige Umsetzung einer neuen Altersbegrenzung nach Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes noch bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen könnte.

Der Streit um den Verkauf von Produkten der britischen National Lottery an Minderjährige schwelt bereits seit langem. Während die Teilnahme an staatlichen Lotterien fast weltweit erst ab Vollendung des 18. Lebensjahres erlaubt ist, sind Lotto und andere Produkte von Lotteriebetreiber Camelot in Großbritannien auch für 16- und 17-Jährige erhältlich.

Es sei unmöglich, so Railton britischen Medien zufolge, Änderungen dieser Größenordnung „über Nacht“ zu vollziehen. So koste der landesweite Austausch der Warnhinweise in Annahmestellen und Kiosken das Unternehmen geschätzte 6 Mio. Pfund Sterling (rund 6,7 Mio. Euro).

 

Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-bedingten Herausforderungen könne die Umsetzung einer solchen Vorgabe nur eine von mehreren Prioritäten seines Unternehmens darstellen.

 

„Aufkleber austauschen“

 

Das konservative Parlaments- und APPG-Mitglied Richard Holden wirft dem Camelot-Chef vor, die Prozesse vorsätzlich in die Länge ziehen zu wollen. Er erklärte Medienvertretern gegenüber:

Es ist lächerlich zu behaupten, dass es 12 Monate dauern würde, um ein paar Aufkleber in Geschäften auszutauschen. Das ist lediglich eine weitere Art, wie Camelot eine Entscheidung zum Thema Kinder und Glücksspiel verschleppt.

Auch Carolyn Harris, die Vorsitzende der Parlamentariergruppe, kritisiert den Lotterieanbieter scharf. Der Verkauf von Lotterieprodukten an Minderjährige müsse umgehend gestoppt werden. Daher sei die Aussage, dass bis zu einer vollständigen Umsetzung bis zu 12 Monate verstreichen könnten, „völlig inakzeptabel“.

 

Sie begrüße es, dass die Regierung entsprechende Gesetzesänderungen endlich auf den Weg bringen wolle. Dies müsse jedoch im Laufe des kommenden Jahres und ohne weitere Verzögerungen abgeschlossen werden.

 

Bereits zuvor hatten Medien mit Berufung auf interne Quellen berichtet, dass eine Anhebung des Mindestalters zur Nutzung von Lotto-, Rubbellos- und Sofortgewinn-Produkten bereits für Anfang 2021 geplant sei.