, 07.10.2019

In Großbritannien wurde ein vermeintlicher Lottomillionär wegen Betruges zu neun Jahren Haft verurteilt. Der 54-jährige Edward Putman wurde für schuldig befunden, 2009 mittels eines gefälschten Lottoscheins 2,5 Millionen Pfund Sterling von der Lottogesellschaft Camelot ergaunert zu haben.

 

Ein Komplize bei der Lottogesellschaft

Bei seinem Betrug war Edward Putman äußerst gerissen vorgegangen. Um sich die Millionen zu erschwindeln, hatte er die Hilfe seines Komplizen Giles Knibbs genutzt. Dieser war damals bei der Lottogesellschaft Camelot in einer Abteilung beschäftigt, die für die Aufdeckung Betrugsfällen zuständig war.

 

Aufgrund seines umfangreichen Insiderwissens kannte Giles Knibbs die Schwachstellen des internen Kontrollsystems bei Camelot. Mit diesem soll die Authentizität von Lottogewinnen überprüft und verifiziert werden, doch Giles Knibbs wusste, wie er das System überlisten konnte.

Die im englischen Watford beheimatete Camelot Group ist Betreiberin der britischen Lotterie (National Lottery). Das Unternehmen besitzt bis zum Jahr 2023 die Lizenz für das Lottogeschäft in Großbritannien. Es erwirtschaftete 2017 bei einem Umsatz von 5,5 Milliarden Pfund Sterling einen Gewinn von 47,2 Millionen Pfund.

 

Die Lizenzbedingungen sehen vor, dass 24 % des Umsatzes an wohltätige Zwecke gehen. Zu den Hauptanteilseignern des Glücksspielanbieters zählen die britische Post sowie Cadbury Schweppes, Fujitsu Services und Thales Electronics.

Giles Knibbs verschaffte sich damals Zugang zu einer Liste mit nicht abgeholten Lottogewinnen. Der entsprechend instruierte Edward Putman gab kurz vor Ablauf der 180 Tage-Frist zur Anmeldung von Lottogewinnen bei Camelot einen nicht eingelösten Schein ab und forderte den 2,5 Millionen Pfund-Gewinn.

 

Das gefälschte Ticket wies die Gewinnzahlen auf, verfügte jedoch über keinen Barcode, um die Echtheit zu überprüfen. Doch aufgrund der Insider-Informationen von Giles Knibbs wusste sein Komplize, in welchem Geschäft das Ticket erworben worden war. Camelot bestätigte daraufhin auf “Basis der verfügbaren Belege”, dass der Millionengewinn rechtmäßig sei und gab die Auszahlung frei.

 

Suizid des Komplizen und Ermittlungen

Giles Knibbs

Giles Knibbs (Bild: Wikipedia)

Der Betrug der beiden Männer nahm im Jahr 2015 eine tragische Wendung, als Giles Knibbs sich das Leben nahm. Zuvor war es zu Streitigkeiten um die Verteilung des Millionengewinns gekommen. Giles Knibbs hatte sich von seinem ehemaligen Partner übervorteilt betrogen gefühlt.

 

Anstatt den Millionenanteil mit ihm zu teilen, habe ihm Edward Putman lediglich 280.000 Pfund Sterling bezahlt. Nachdem der Komplize sich über die geringen Zahlungen beschwert hatte, zahlte er ihm später noch einmal weitere 50.000 Pfund.

 

Nachdem er gedroht hatte, den Betrug auffliegen zu lassen, war es zu einem handfesten Streit zwischen den beiden gekommen. Edward Putman war daraufhin zur Polizei gegangen und hatte seinen Komplizen wegen Erpressung und Diebstahl angezeigt, woraufhin Giles Knibbs für kurze Zeit in Gewahrsam genommen wurde.

 

Kurz danach nahm sich Giles Knibbs das Leben. Vor seinem Freitod hatte der Camelot-Mitarbeiter jedoch Freunden von dem Betrug erzählt. Nachdem diese die Polizei [Seite auf Englisch] informiert hatten, wurden die Ermittlungen gegen Edward Putman aufgenommen. Im September 2018 erfolgte die Anklage, auf deren Basis nun die langjährige Haftstrafe erlassen wurde.

 

Für Camelot ist der Betrugsversuch kein Einzelfall. So erregte in diesem Jahr der angebliche Millionengewinn zweier Serienstraftäter besondere Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu dem Fall Putman weigerte sich der Konzern jedoch von Beginn an, den Männern die geforderte Summe auszubezahlen.

 

Edward Putman verbüßte bereits mehrere Haftstrafen

Edward Putman ist nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Bereits in den frühen 1990er Jahren war er wegen sexuellen Missbrauchs einer jungen Frau zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

 

Nachdem ihr damaliger Peiniger nun verurteilt wurde, sagte die inzwischen 45-jährige Frau der britischen Tageszeitung The Mirror:

Er war ein Monster, ein brutaler Missbrauchstäter. Er ist nun dort, wo er hingehört. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.

Nach der Tat hatte das Opfer Edward Putman auf Schmerzensgeld verklagt. In dem folgenden Prozess war er zur Zahlung einer Geldstrafe von 50.000 Pfund Sterling verurteilt worden. Die Frau spendete das Geld an eine karitative Organisation.

 

Selbst nach seinem ergaunerten Millionengewinn wurde Edward Putman erneut gerichtsauffällig: 2012 verurteilte ihn ein Gericht zu neun Monaten Gefängnis. Der damalige Grund: Er wollte sich bei staatlichen Stellen durch falsche Vermögensangaben 13.000 Pfund Sterling erschleichen, eine Summe, die angesichts der Lotto-Millionen auf seinem Konto nachgerade winzig erscheint.

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