, 20.10.2021

Eltern in China, deren Kinder spielsüchtig werden oder kriminelles Verhalten an den Tag legen, sollen künftig für das Betragen ihres Nachwuchses zur Verantwortung gezogen werden. Ein neuer Gesetzesentwurf soll vorsehen, dass Eltern gerügt und angewiesen werden sollen, ein Familienberatungsprogramm zu durchlaufen. Dies berichtete das US-Nachrichtenportal CNN [Seite auf Englisch] am Dienstag.

 

Der Entwurf des Gesetzes zur Förderung der Familienerziehung soll zudem Eltern dazu auffordern, ihren Kindern ausreichend Zeit zum Spielen, Ausruhen und für Sport zu geben. Auf diese Weise sollen Jugendliche vor übermäßiger akademischer Belastung geschützt werden.

 

Der Sprecher der Legislativkommission des Nationalen Volkskongresses (NVK), Zang Tiewei, erklärte:

Es gibt viele Gründe, warum sich Jugendliche schlecht benehmen, und der Hauptgrund dafür ist die mangelnde oder unangemessene Erziehung in der Familie.

Familienerziehungsprogramm: Hilfe oder Kontrolle?

Der Entwurf sieht vor, dass die Familienerziehung die körperlichen und geistigen Entwicklungsmuster und individuellen Unterschiede der Minderjährigen respektieren soll.

Der harte Alltag chinesischer Schülerinnen und Schüler

 

Der schulische Alltag in China beginnt morgens um 7:30 Uhr und endet um 16:30 Uhr. Anschließend besuchen die Kinder noch Förder- und Nachhilfestunden. Bis in den späten Abend müssen dann noch die Hausaufgaben erledigt werden.

 

Viele Kinder besuchen zusätzlich Kurse an den Wochenenden, um sich in wichtigen Bereichen, zum Beispiel in Informatik, fortzubilden. Die Eltern hoffen damit auf bessere Berufschancen ihrer Kinder.

Die Regierung wolle mit dem neuen Gesetz gegen die übermäßige Belastung der Kinder vorgehen. So soll es Bildungseinrichtungen künftig verboten sein, kommerziellen Nachhilfeunterricht anzubieten.

 

Eltern oder Erziehungsberechtigte, die ihren Erziehungspflichten in der Familie nicht oder nicht ordnungsgemäß nachkämen, sollen die gesetzliche Verantwortung tragen. Wenn sich ein Minderjähriger schlecht verhalte oder Straftaten begehe, würden die Erziehungsberechtigten ermahnt oder aufgefordert, ein Familienerziehungsprogramm zu absolvieren.

 

Doch es soll auch Hilfen für Familien geben. So sollen Eltern bei der Arbeitssuche oder Unternehmensgründung Unterstützung erhalten, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

 

Yang Xiong, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Shanghai Academy of Social Sciences und Chefexperte der Shanghai Family Education Research Association, sagte am Dienstag gegenüber der Global Times, dass das Gesetz chinesische Eltern über die wichtigsten Gebote und Verbote bei der Erziehung ihrer minderjährigen Kinder informieren solle.

 

Yang sagte weiter:

Der Entwurf definiert Verantwortungs- und Verhaltensgrenzen von Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder aus rechtlicher Sicht. Aber er konzentriert sich mehr darauf, Eltern zu unterstützen und zu ermutigen, ihre Kinder richtig zu erziehen, anstatt ihnen einfach zwingende Einschränkungen aufzuerlegen.

Chinas Kampf gegen Online-Spielsucht und „Verweichlichung“

Peking hat in diesem Jahr bereits mehrere Maßnahmen entschieden, um junge Menschen vor der Sucht nach Online-Spielen zu schützen, die als eine Form des „spirituellen Opiums“ gelten.

 

So hat das Bildungsministerium eingeschränkte Spielzeiten für Minderjährige festgelegt. Gespielt werden darf nur freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen für je eine Stunde.

 

Gleichzeitig fordert China junge chinesische Männer auf, sich „männlicher“ zu benehmen und weniger „weiblich“ zu sein. In seinem im Dezember veröffentlichten „Vorschlag zur Verhinderung der Feminisierung männlicher Jugendlicher“ forderte das Bildungsministerium die Schulen auf, Sportarten wie Fußball auf dem Campus zu fördern.