, 23.11.2018

Im kommenden April wird im deutschen Fußballmuseum in Dortmund die „Hall of Fame“ des deutschen Fußballs eröffnet. Auf Initiative des Museums hin haben anerkannte Sportjournalisten nun die Gründungself gewählt.

 

Eine Jury aus 26 führenden Sportjournalisten hat über die ersten elf Spieler und den Trainer der Hall of Fame des deutschen Fußballs abgestimmt. Sie wird Teil der Dauerausstellung des deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Die Jurymitglieder haben viel über die „Erste Elf“ diskutiert. Jeder von ihnen durfte eine persönliche Vorschlagsliste einreichen. Die Vorgabe hierfür war, dass es sich um Fußballer deutscher Herkunft handele, deren Karriereende mindestens fünf Jahre zurückliegt.

 

WDR-Hörfunk-Sportchefin Sabine Töpperwien zum Auswahlvorgang:

„Wir haben über verschiedene Weltmeister-Elfen, über völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, über Trainer, Torhüter, Stürmer, Mittelfeldspieler und Abwehrspieler gesprochen. Sich dabei am Ende für Einzelne zu entscheiden, das war wirklich sehr, sehr spannend.“

Aus der Diskussion war für die finale Abstimmung eine Shortlist mit 26 Spielernamen und drei Trainern hervorgegangen.

 

Diese Finalisten halten Einzug in die Hall of Fame

 

Einen festen Platz wird als Trainer Sepp Herberger erhalten, der als erster deutscher WM-Sieger-Trainer in die Fußballgeschichte eingegangen ist. Höhepunkt seiner Laufbahn war die Fußball-WM von 1954, deren Endspiel als „Wunder von Bern“ bekannt geworden war.

Das Wunder von Bern

Als „Wunder von Bern“ wird das Weltmeisterschaftsfinale vom 4. Juli 1954 in der Schweiz bezeichnet, in dem die deutsche Fußballnationalmannschaft überraschend gegen die ungarische Nationalmannschaft mit einem 3:2-Sieg gewann. Das Spiel fand im Wankdorf-Stadion in Bern statt. Der damalige Bundestrainer Sepp Herberger und die Mannschaft um den Kapitän Fritz Walter sind als „Helden von Bern“ in die Sportgeschichte eingegangen. Das „Wunder von Bern“ gilt als Beispiel für die gesellschaftspolitische Bedeutung, die der Fußball erlangen kann. Im Nachkriegsdeutschland, das von einer gedrückten Stimmung geprägt war, löste es eine Euphorie aus, die nahezu die gesamte Bevölkerung ergriff und prägend für die folgende Zeit des deutschen Wirtschaftswunders war.

Bei den Spielern fiel das Votum der Jury auf den Torhüter Sepp Maier, die Mittelfeldspieler Fritz Walter, Lothar Matthäus, Matthias Sammer und Günter Netzer, die Abwehrspieler Franz Beckenbauer, Andreas Brehme und Paul Breitner sowie die Stürmer Gerd Müller, Uwe Seeler und Helmut Rahn.

 

Bei einer feierlichen Gala im April 2019 soll die Aufnahme der Gründungsmitglieder erfolgen. Im nächsten Jahr wird die Jury zudem über eine weibliche Hall of Fame Gründungself abstimmen. Zeitlich fällt die Abstimmung mit dem Jubiläum des ersten EM-Titelgewinns der deutschen Frauen-Nationalmannschaft 1989 zusammen. Im jährlichen Rhythmus sollen dann weitere Neuaufnahmen aus dem Männer- und Frauenfußball hinzukommen.

 

Debatten um NSDAP-Vergangenheit von Sportlern

 

Sepp Herberger

Sepp Herberger gehört zu den Mitgliedern der Hall of Fame. (Bild: Wikipedia)

Bei der Auswahl der Sportler für die Hall of Fame des deutschen Fußballs ging es vor allem um sportliche Verdienste. Um Diskussionen über die politische Vergangenheit der Fußballer kam man jedoch nicht herum. Wunder Punkt ist immer wieder die NSDAP-Mitgliedschaft von Sepp Herberger, der bereits im Mai 1933 in die NSDAP eingeschrieben wurde. Beim Entnazifizierungsverfahren wurde er 1946 als Mitläufer eingestuft, da er nicht als Verehrer des Regimes galt, sich aber auch nicht oppositionell verweigerte.

 

Diskussionen zur politischen Vergangenheit der Sportler hatte es bereits 2008 gegeben, als die Hall of Fame des deutschen Sports zunächst als virtuelle Stätte gegründet worden war. Auch in diese war Sepp Herberger aufgenommen worden. Neben ihm gab es vier weitere Mitglieder mit NSDAP-Vergangenheit, Josef Neckermann, Rudolf Harbig, Gustav Kilian und Willi Daume.

 

Der deutsche Sporthistoriker Professor Manfred Lämmer, der Mitglied der Jury der Hall of Fame des deutschen Sports war, hatte sich hierzu gegenüber der Zeitung Die Welt geäußert:

„Man sollte keine ungebührlichen moralischen Maßstäbe an Sportler ansetzen. Gleichwohl sollte man natürlich sehr sorgfältig in Einzelfällen nachsehen, ob die Vorbildwirkung von Sportlern durch Verhalten in anderen Lebensbereichen konterkariert wird.“

Dies konnte die Deutsche Sporthilfe (DSH), die die Hall of Fame des deutschen Sports gegründet hatte, im Fall dieser Athleten nicht feststellen und auch bei der Wahl Sepp Herbergers wog seine Bedeutung für die Bundesliga die Zweifel auf. Positiv wurde von der Jury zudem die Brieffreundschaft von Sepp Herberger mit der jüdischen Fußballlegende Gottfried Fuchs gewertet.

 

Fuchs, mit dem Herberger seit 1955 Briefkontakt pflegte, war nach Kanada emigriert, wo er unter dem Namen Godfrey E. Fochs lebte. Als im Mai 1972 das Münchner Olympiastadion eingeweiht werden sollte, schlug Herberger dem DFB vor, Fuchs als Zeichen der Wiedergutmachung als Ehrengast einzuladen. Die entstehenden Kosten sollte der Verband übernehmen. Der DFB jedoch lehnte Herbergers Vorschlag jedoch ab.

 

Neben Diskussionen zur politischen Vergangenheit der Sportler hatte es bei der Gründung der Hall of Fame des deutschen Sports Kritik an der Wahl eines englischen Begriffes gegeben. Dieser allerdings ist international populär und in der Sportwelt geläufig.