, 16.09.2016

Oddset Affäre - Franz Beckenbauer

Oddset Affäre: Während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der WM 2006 hat Franz Beckenbauer Millionen erhalten (Bildquelle).

Der ehemalige Fußballspieler, Trainer und Ehrenpräsident des FC Bayern München Franz Beckenbauer war Chef des Organisationskomitees der Fußball Weltmeisterschaft 2006. Diese Tätigkeit führte er ehrenamtlich aus. Jetzt wurde bekannt, dass der heute 71-Jährige ein Honorar von 5,5 Millionen Euro erhalten hat. Bei der Summe handelt es sich um eine Beteiligung an Erlösen aus einem Sponsorenvertrag mit dem Sportwetten Anbieter Oddset. Medienberichten zufolge soll Beckenbauer die Summe nicht unverzüglich versteuert haben. Der Deutsche Fußball Bund räumt inzwischen ein, dass man nicht mehr von einem Ehrenamt sprechen kann. Die Oddset Affäre rückt die Beziehungen zwischen staatlichen Sportwetten und der Lotterie Branche ins Rampenlicht.

Oddset Affäre: Beckenbauers Ehrenamt und die Einnahmen aus Sponsorenverträgen

Bereits im Jahr 2000 stand Franz Beckenbauer als Chef des Organisationskomitees der Fußball WM 2006 fest. “Ich mache das natürlich ehrenamtlich”, lautete das Versprechen des ehemaligen Fußballspielers und Trainers. Inzwischen ist klar: Beckenbauer hat in seiner Funktion als Organisator 5,5 Millionen Euro für einen Werbevertrag mit dem staatlichen Sportwetten Anbieter Oddset erhalten. Eine diesbezügliche Berichterstattung im “Spiegel” und anderen Medien haben sowohl der DFB als auch die Anwälte Beckenbauers inzwischen bestätigt. Allerdings herrscht jetzt Uneinigkeit darüber, wer über den Vorgang zu welchem Zeitpunkt informiert war, und wie die Oddset Affäre insgesamt zu bewerten ist.

DFB auf Distanz zu Beckenbauer

DFB Chef Reinhard Grindel distanzierte sich klar von Franz Beckenbauer. Während des derzeitigen UEFA Kongresses in Athen fand er klare Worte und sprach Beckenbauer das Ehrenamt für seine Tätigkeit rund um die WM 2006 ab:

“Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5,5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat. Man kann vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war.”

Beckenbauers Anwälte widersprechen

Ganz anders klingt die Schilderung der Situation aus dem Lager Beckenbauers. Die Anwälte des 71-Jährigen haben schriftlich zu seiner Tätigkeit als Komitee-Chef Stellung bezogen. Im Detail widersprachen die Anwälte Reinhard Grindels Aussage und gaben bekannt:

“Dem DFB ist der gesamte Komplex von Beginn an bekannt. Es gab keine Geheimverträge und keine ‘versteckte Millionen-Zahlung’. Der Vertrag von Oktober 2004 wurde auch nicht, wie DFB-Chef Reinhard Grindel suggeriert, zwischen Franz Beckenbauer und dem Organisationskomitee (OK) abgeschlossen, sondern zwischen Franz Beckenbauer und dem DFB.”

Bei den 5,5 Millionen Euro für Beckenbauer soll es sich seinen Anwälten zufolge um eine prozentuale Beteiligung an DFB-Einnahmen aus dem Sponsorenvertrag mit Oddset handeln. Beckenbauer selbst hatte den Anbieter von Sportwetten Oddset 2004 als WM Sponsor angeworben. Dem Unternehmen war es wichtig, Beckenbauer aktiv in die Werbung einzubinden.

Oddset Affäre: Warum der Werbe-Deal skandalös ist

Die widersprüchlichen Aussagen beider Seiten zeugen davon, dass die Oddset Affäre komplizierter ist als nur ein einfacher Sponsorenvertrag. Fakt ist, dass Franz Beckenbauer in der Tat für Oddset geworben hat. Es stellt sich aber die Frage, warum dafür kein direkter Vertrag zwischen ihm und Oddset zustande kam, sondern stattdessen eine Entlohnung aus den WM-Finanzen des DFB erfolgte. Der Verband äußerte sich hierzu nicht. Die Oddset Affäre am erst durch eine Wirtschaftsprüfung ans Licht. Im Jahr 2008 untersuchte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag der FIFA den Vertrag zwischen DFB und FIFA für die WM 2006. Dabei stießen die Prüfer auf den Oddset Sponsorenvertrag. Alle der insgesamt sechs nationalen Förderer der Fußball Weltmeisterschaft 2006 zahlten in die Kasse des Organisations-Komitees. Doch im Fall von Oddset existierte ein Nebenabkommen, dass Beckenbauer einen erheblichen Teil der Zahlungen zuschrieb.

Steuerhinterziehung oder unverzügliche Versteuerung?

Weitere Unstimmigkeiten gibt es hinsichtlich der Versteuerung der gezahlten Millionen in der Oddset Affäre. Beckenbauers Anwälte schreiben in ihrer Stellungnahme, dass Beckenbauer die Summe “unverzüglich an seinem Wohnsitz in Österreich ordnungsgemäß versteuert” habe. Der “Spiegel berichtete jedoch, dass zumindest der Versuch bestand, die Millionen am Finanzamt vorbei zu transferieren. Da Franz Beckenbauer seinen ständigen Wohnsitz im Ausland hat, fielen für diese sogenannten Zahlungen an einen Steuerausländer Abzugssteuern an. Wie der DFB bestätigte, flossen tatsächlich auch 1,16 Millionen Euro an Abzugssteuern an das Finanzamt Frankfurt. Allerdings erst im Dezember 2010. Dann nämlich war das Finanzamt bei einer Steuerprüfung aufmerksam geworden. Vom ehemaligen DFB Präsident Theo Zwanziger heißt es, alles sei “in Ordnung.” Die verspätete Versteuerung sei “ein Fehler in der Buchhaltung” gewesen.

Oddset Affäre: Welche Rolle spiele der staatliche Wettanbieter?

Oddset Affäre - Reinhard Grindel

In der Oddset Affäre distanziert sich DFB Präsident Reinhard Grindel von seinen Vorgängern (Bildquelle).

Im staatlichen Glücksspielgeschäft pflegen Politik, Sport und Anbieter eine Nähe, die zuweilen Fragen aufwirft (lesen Sie auch unseren Bericht zur Partnerschaft zwischen Wettanbietern und Bundesliga). Im aktuellen Fall muss sich erst noch zeigen, welche konkrete Rolle Oddset und der Deutsche Lotto- und Totoblock gespielt haben. Keineswegs neu ist aber die Praxis der Parteien und Regierungen in den einzelnen Ländern, Würdenträger in Top Positionen der staatlichen Lotto Gesellschaften einzusetzen. In Brandenburg: Horst Mentrup, ehemaliger Finanzstaatssekretär. Im Saarland: Michael Burkert, ehemaliger Stadtverbandspräsident, und Peter Jacoby, ehemaliger Finanzminister. In Rheinland-Pfalz: Jürgen Häfner, früher Innenstaatssekretär. In Baden-Württemberg: Marion Caspers-Merk, früher Drogenbeauftragte der Regierung.

Wie der DFB jetzt erklärte, legte man bei Oddset rund um die Fußball WM 2006 Wert darauf, Beckenbauer aktiv in die Werbung einzubinden. Man war sich also der Medienwirksamkeit der ehemaligen Fußball-Größe bewusst. Wollte Oddset aber nicht dafür zahlen? Fedor Radmann, ein Freund Beckenbauers, will ein Honorar für den ehemaligen Fußballspieler gefordert haben, das von Oddset abgelehnt wurde. Es ist nicht klar, ob die Gelder in der Oddset Affäre über den DFB ohne Kenntnis des staatlichen Sportwetten Anbieters flossen.

Der heutige DFB Chef Grindel kritisierte seine Vorgänger in der Sache aufs Schärfste:

“Für mich ist dieser ärgerliche Vorgang ein neuerlicher Beleg, dass das Organisationskomitee der WM 2006 auf Abschottung gesetzt hat, dass dort keine Transparenz geherrscht hat und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist. Das verurteile ich.”