, 16.12.2018

Das Glücksspiel in den Vereinigten Staaten von Amerika war in diesem Jahr ein großes Thema, denn auf rechtlicher Ebene gab es viele Änderungen. Doch neben dem berühmten Las Vegas Strip gibt es noch eine ganz andere Glücksspiel Welt, nämlich die der Indianerstämme.

 

Jährlich steigende Umsätze

Die Welt der Indianerstämme Nordamerikas ist faszinierend und fernab typischer moderner US Cities auch für viele Touristen sehr reizvoll. Eine besondere Attraktion in einigen Reservoirs des Landes sind prachtvolle Casinobauten, die in ihrer Größe und Ausstattung viele der Casinos in Las Vegas übertrumpfen. Doch auch die kleineren Spielhallen bieten für Reisende ein außergewöhnliches Erlebnis.

 

Die Beliebtheit des Glücksspiels in Indianer Casinos spiegelt sich auch in den jährlich anwachsenden Umsätzen wieder. Letzte offizielle Zahlen belegen, dass allein im Jahr 2017 der Jahresumsatz um 3,9 % auf insgesamt 32,4 Milliarden US-Dollar gestiegen war.

 

Las Vegas welcome sign

Viele Menschen zieht es in die Casinos in Las Vegas. (Bild: pixabay.com)

Ein Blick in die zusammengefasste Einkommensteuererklärung [Seite auf Englisch] aller 272 Casinos des Bundesstaates Nevada zeigt, dass im selben Zeitraum etwa 11,1 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet wurden.

 

Selbst mit Hinzunahme aller Umsätze durch Hotelzimmer, Essen, Trinken und Sonstigem in Las Vegas und anderen Casino Hotspots bleibt der Bundesstaat mit rund 26,17 Milliarden Dollar unter den Einnahmen der Gesamtheit der Indianercasinos.

 

Doch nicht nur die Gesamtsummen sind hier im Vergleich interessant, sondern auch die Trends, denn während die Umsätze der Ureinwohner Jahr für Jahr wachsen, vermeldeten viele Las Vegas Casinos zunehmend zum Teil drastische Rückgänge.

 

Staat hat keinen Anspruch auf Steuern

Ein komplexer und faszinierender Aspekt des Indianer Glücksspiels ist die damit einhergehende Steuerfreiheit. Während viele Bundesstaaten in diesem Jahr auch aus steuerlichen Gründen das Glücksspiel legalisiert haben, lassen sich durch den Betrieb der Indianer Casinos keine staatlichen Gelder einfordern.

 

Bedenkt man, dass die 235 Indianerstämme in insgesamt 28 Bundesstaaten mehr als 400 Spielstätten betreiben, wären dies immense potentielle Steuergelder. Doch die Ureinwohner Amerikas sind generell komplett von staatlichen Steuern ausgenommen, da diese sich unabhängig selbst verwalten.

 

Dennoch zählen Einzelpersonen der verschiedenen Stämme zu den US Bürgern und müssen auf ihre persönlichen Einkünfte durchaus Steuern zahlen. Der Indian Gaming Regulatory Act von 1988 (IGRA) legt dabei fest, dass die Gewinne aus Casinos als Einkommen gerechnet werden.

 

Über eine komplexe Klausel können die Stämme dann einen Durchschnittswert des Pro-Kopf-Einkommens aus dem Glücksspiel errechnen. Nur dieser Wert muss dann versteuert werden.

In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es insgesamt 326 individuelle Landesgebiete, die von Indianerstämmen besiedelt werden. Die Reservoirs decken eine Fläche von mehr als 227.000 km² ab. Das entspricht etwa zwei Dritteln der Fläche Deutschlands und fast dem Dreifachen der Größe Österreichs.

Viele der Indianerstämme wurden aus ihren ursprünglichen Gebieten verdrängt und oft kam es zu Konflikten und Gewalt zwischen den Ureinwohnern und den Kolonisten, den heutigen Amerikanern. Heute sind die Stämme daher klar von der normalen Bevölkerung abgegrenzt, organisieren sich selbst und leben unter ihrer eigenen Rechtsprechung.

Wohin gehen also die milliardenschweren Einnahmen der Casinos? Im Grunde verwenden die Stämme die hohen Geldsummen ähnlich, wie die Regierungen der Bundesstaaten mit großen Teilen ihrer Steuereinnahmen umgehen (sollten). Es wird regelmäßig in die Verkehrsinfrastruktur oder Bildungseinrichtungen investiert und in einigen Fällen wird auch bedürftigen Familien finanziell geholfen.

 

Die sehenswertesten Indianer Casinos

Beim Anblick einiger der größten Indianer Casinos gerät man wahrlich ins Staunen, denn die prächtigen luxuriösen Bauten sind wahrliche architektonische Meisterwerke und vielerorts die Eye-Catcher der gesamten Gegend.

 

Zu den beliebtesten Casinos zählt das Seneca Niagara Resort & Casino, welches vom Stamm Seneca Nation betrieben wird. Das 26-stöckiges Hotel-Casino in der Nähe der Niagara Fälle beeindruckt bereits mit seiner gläsernen Außenfassade, welche durch eine gigantische regenbogenfarbene Indianerfeder geschmückt wird.

 

Betritt der Besucher das Casino, erwarten ihn faszinierende kulturelle Eindrücke und er erfährt die lange Geschichte des Stammes hautnah. Neben dem Casinospielbereich, welcher mit Spielautomaten, Pokertischen, Roulette Tableaus und vielem weiteren ausgestattet ist, stehen zahlreiche Restaurants und Entertainmentbereiche zur Verfügung.

 

Seven Feathers Hotel Casino in Oregon

Seven Feathers Hotel Casino in Oregon
(Bild: Wikimedia)

Ebenfalls zu den für Touristen reizvollsten Casinos zählt das Harrah’s Cherokee Casino Resort in North Carolina. Dem Stamm war bei dem Bau des Casino Hotels wichtig, dass dieses zugleich prachtvoll dasteht, sich aber auch perfekt in die umgebende Berglandschaft einfügt.

 

Im Inneren werden alle typischen Arten des Glücksspiels angeboten, insbesondere Automaten und Tischspiele. Holzschnitzereien, Skulpturen und Gemälde sorgen für ein naturnahes Ambiente, welches die Naturverbundenheit des Stammes wiederspielen soll.

 

Längst jedoch sind nicht alle der von Indianerstämmen betriebenen Casinos so hochmodern und luxuriös designt. In einigen lässt sich durchaus auch das typische Wild West Feeling spüren und fernab typischer Touristenorte findet man viele kleinere Spielstätten mit vorwiegend klassischen Spielautomaten.

 

Wer also durch die Vereinigten Staaten reist und sich für die Welt der Ureinwohner interessiert, kommt um einen Besuch der Indianer Casinos nicht herum. Gerade wer das Glücksspiel liebt, sollte sich längst nicht auf Las Vegas beschränken, sondern in die faszinierende Welt der Indianerstämme und ihrer Casinos hineinschauen.