, April 26, 2018

Schatzkanzler Philip Hammond steigt in London in ein Auto

Schatzkanzler Philip Hammond soll neuen Einsatzgrenzen für FOBTs zugestimmt haben. (Bild: zdf.de)

Der britischen Glücksspielbranche steht ein großer Einschnitt bevor. Wie diese Woche bekannt wurde, soll Schatzkanzler Philip Hammond einer radikalen Reduzierung der Einsätze bei FOBTs zugestimmt haben.

 

Sollte sich dies bestätigen, so sind zukünftig nur noch maximal Einsätze in Höhe von 2 Pfund an den Geräten möglich. Aktuell gelten noch Maximaleinsatzgrenzen von 100 Pfund.

 

Die Regierung würde damit den Empfehlungen der UK Gambling Commission folgen. Die britische Aufsichtsbehörde gehört zu den renommiertesten und strengsten der Welt und misst Spielerschutz und verantwortungsvollem Spiel einen hohen Stellenwert bei.

 

Laut Berichten soll Philip Hammond als Schatzkanzler auch die Steuereinnahmen seines Landes im Hinterkopf haben. Diese würden mit einer Herabsetzung der Einsatzgrenzen bei FOBTs ebenfalls sinken.

 

Dennoch soll er zugunsten einer besseren Glücksspielregulierung dem Vorschlag der UKGC zugestimmt haben. Der endgültige Bericht zur Lage der FOBTs wird für diesen Mai nach den Kommunalwahlen erwartet.

 

Wettterminals seit Jahren in der Kritik

Wettterminals in UK

Wettterminals (Bild: belfasttelegraph.co.uk)

Die Diskussion um die umstrittenen sogenannten FOBTs (fixed-odds betting terminals) in Großbritannien ist bereits seit mehreren Jahren im Gange. 2017 wurde die Debatte erneut befeuert, denn seitdem steht eine Einsatzreduzierung auf bis zu 2 Pfund auf der Agenda der Regierung.

 

Die Geräte bergen ein hohes Suchtpotenzial. Außerdem können Spieler innerhalb sehr kurzer Zeit extrem hohe Summen verlieren. So können etwa aktuell alle 20 Sekunden bis zu 100 Pfund gesetzt werden.

 

Die Mehrheit der Abgeordneten im britischen Parlament befürwortet die Reduzierung auf 2 Pfund, allen voran die Mitglieder von Premierministerin Theresa Mays Conservative Party. Matt Hancock, der Minister für Digitales, Kultur, Medien und Sport, würde eine Einsatzsenkung ebenfalls gutheißen.

 

Gleiches gilt für diverse andere Institutionen und Einrichtungen im Vereinigten Königreich, einschließlich Spielsuchtpräventionsstellen wie GambleAware oder GamCare. Auch Gesundheits- und Kirchengruppen haben sich bereits für eine Reduzierung ausgesprochen.

 

Aktien im freien Fall

William Hill Wett-Shops in UK

William Hill ist besonders stark betroffen (Bild: telegraph.co.uk)

Nach Bekanntwerden der zu erwartenden Einschnitte für Glücksspielanbieter zeigten sich erste Folgen an der Londoner Börse. Die Aktien großer britischer Buchmacher wie William Hill oder Paddy Power Betfair befinden sich derzeit auf Talfahrt. So verzeichnete William Hill einen 13%igen Wertverlust seiner Wertpapiere.

 

Hinter den Maschinen, die von bekannten Marken wie William Hill, Paddy Power oder Ladbrokes Coral aufgestellt werden, stecken unter anderem die Hersteller Scientific Games und Inspired Entertainment. Experten gehen davon aus, dass diese besonders stark von den neuen Regeln betroffen sein werden.

 

GVC Holdings, der Mutterkonzern von Ladbrokes, dürfte sich ebenfalls auf empfindliche Verluste einstellen müssen. In ihrer Einschätzung beziehen Fachleute bereits das „worst case“-Szenario mit ein, sodass die aktuellen Prognosen besonders düster für die Betreiber ausfallen.

 

So kann laut dem internationalen Finanzdienstleister Macquarie davon ausgegangen werden, dass Inspired Entertainment bei einem Rundumschlag mit Verlusten zwischen 15 und 20 Millionen US-Dollar zu rechnen hat. Sollten die Einsatzgrenzen nur für Slotspiele gelten, so könnte sich der Gewinn des Unternehmens um lediglich 5 Millionen verringern.

 

Neben Slotspielen ist Roulette das bei weitem beliebteste Spiel an FOBTs. Die Empfehlungen für den Maximaleinsatz beim Roulette liegen derzeit bei 30 Pfund oder weniger.

 

FOBTs bald von Online Casinos ersetzt?

FOBTs sind ein wichtiger Faktor auf dem britischen Glücksspielmarkt. Anbieter erwirtschaften mit den Geräten einen Großteil ihrer Einnahmen, sodass die zu erwartenden Einschnitte erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftskraft der einzelnen Unternehmen haben dürften.

 

Dennoch gibt es noch einen anderen Bereich, der großes Potenzial birgt. So wächst der Markt für Online Glücksspiel in Großbritannien kontinuierlich und könnte so ein wichtiges zukünftiges Aktivitätsfeld für betroffene Anbieter werden.