, 02.08.2020

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Regierung von Indonesien in dieser Woche aufgefordert, die Prügelstrafe zu verbieten. In der Provinz Aceh werden Verstöße gegen die islamische Scharia, darunter Glücksspiel und außerehelicher Sex, regelmäßig mit brutaler körperlicher Züchtigung geahndet.

 

„Unaussprechliche Grausamkeit“

 

Der Leiter des indonesischen Arms von Amnesty International, Usman Hamid, hat sich am Donnerstag mit einem dringenden Appell an die Regierung des südostasiatischen Landes gewandt. Er forderte die Verantwortlichen auf, die in der Provinz Aceh gängige Methode der Prügelstrafe zu unterbinden.

 

Bei der körperlichen Bestrafung, so Hamid, handele es sich um eine grausame und unmenschliche Praxis, die sowohl schwere körperliche als auch mentale Traumata hervorrufe. Diese Art der Justiz dürfe niemals normalisiert oder toleriert werden. Zuvor hatte er bereits erklärt:

Diese Auspeitschungen sind ein unwürdiges und bösartiges öffentliches Spektakel. Niemand hat es verdient, diese unaussprechliche Grausamkeit über sich ergehen zu lassen. Die Behörden in Aceh und Indonesien müssen das Gesetz unverzüglich abschaffen und die damit zusammenhängenden Strafen mit den internationalen Standards und den Menschenrechtsverpflichtungen Indonesiens gemäß seiner eigenen Verfassung in Einklang bringen.

Prügel als öffentliches Spektakel

 

Indonesien stellt als eines der wenigen Länder weltweit das gesamte Glücksspiel unter Strafe. Als einzige Region des Landes setzt jedoch die Provinz Aceh die Vorgaben des islamischen Regelwerks Scharia fundamentalistisch um. Dies bedeutet auch, dass Verhalten, welches als „unislamisch“ definiert ist, mit Prügel bestraft wird.

 

Als haram (dt. verboten nach islamischem Recht) gelten der Scharia zufolge unter anderem Sex außerhalb der Ehe, Homosexualität, der Konsum von Alkohol und anderen Drogen sowie das Glücksspiel.

 

Bei Zuwiderhandlung gegen die strengen Richtlinien drohen in Aceh bis zu 200 Hiebe. Allein 2020 sollen bereits 173 Personen öffentlich ausgepeitscht worden sein. Berichten zufolge herrsche während der Ausübung der Bestrafungen eine Volksfeststimmung, bei der Zuschauer das Geschehen bejubelten und die mutmaßlichen Missetäter beschimpften.

Im Jahr 2018 hatte ein Paar in Aceh öffentlich acht respektive sieben Stockschläge erhalten. Die 66- und 45-Jährigen hatten sich nach Ansicht der islamischen Richter des Glücksspiels schuldig gemacht, als sie an einem öffentlich angebotenen Kinderspiel teilgenommen hatten. Als Christen waren sie vor die Wahl zwischen Bestrafung nach islamischen oder weltlichen Recht gestellt worden und hatten sich für die Schläge mit dem Bambusstab entschieden. Jeder Hieb diente als Äquivalent zu einem Monat im Gefängnis.

Ob der Appell von Amnesty International in Jakarta und Aceh Gehör finden wird, darf indes bezweifelt werden. Der politische Arm des fundamentalistischen Islams gewinnt Experten zufolge in ganz Indonesien zunehmend an Einfluss. Setzt sich dieser Trend fort, dürfte künftig eher mit mehr als mit weniger Repression gerechnet werden.

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