, 09.10.2020

Beim European Gaming Congress 2020 [Link auf Englisch] haben am Dienstag dieser Woche Wirtschaftsvertreter und Rechtsexperten aus Tschechien, der Slowakei und Polen über die Entwicklung der Glücksspielbranche in Zentraleuropa gesprochen und ihren Ausblick für die Industrie gegeben.

 

Besonders intensiv wurde über die Hürden für internationale Online-Glücksspielanbieter und die Auswirkungen der Corona-Pandemie in der Region diskutiert. Casinoonline.de war bei dem Gespräch dabei.

 

Tschechische Regulierung mit Abstrichen zufriedenstellend

 

In der Tschechischen Republik gestalte sich der Markt nach der Neuregelung des Glücksspiels im Jahre 2017 den Zahlen nach „sehr gesund“, sagte der tschechische Glücksspielexperte Jan Rehola:

„Die Regulierung sieht auf dem Papier sehr gut aus, weil alle Produkte auf dem tschechischen Glücksspielmarkt, landbasiert oder online, betrieben werden können. Es gibt auch kein Monopol, so dass man eine Lizenz für die Lotterie erhalten kann. Aus rechtlichen Gründen scheint es für die Glücksspielbetreiber nicht viele Hindernisse für den Markteintritt zu geben.“

Der Teufel liege bei der tschechischen Glücksspielregulierung allerdings im Detail. Größte Herausforderung für die Online-Anbieter sei gegenwärtig der Registrierungsprozess für Spieler.

 

Diese müssten sich vor dem Spielen im Internet in einem Ladengeschäft des Betreibers anmelden. Dies sei keine Lösung für das 21. Jahrhundert, so Rehola. Viele internationale Anbieter blieben aus diesem Grund dem Markt fern.

 

Slowakei bittet ausländische Anbieter zur Kasse

 

Euro Banknoten

In der Slowakei wird es teuer für Glücksspielanbieter. (Quelle: Pixabay)

Dr. Robert Skalina, Berater bei der Anwaltskanzlei WH Partners, erklärte, dass der Markt für Online-Glücksspiel in der Slowakei zwar auf dem Papier geöffnet sei, in der Realität hätten etablierte lokale Anbieter aber noch immer einen Vorteil.

 

Im Gegensatz zu ihnen müssten Neubewerber aus dem Ausland hohe Lizenzgebühren zahlen. Die Lizenzkosten für Online-Casino-Spiele beliefen sich auf drei Millionen Euro.

 

Anwärter auf eine kombinierte Sportwetten- und Online-Casino-Lizenz müssten sogar fünf Millionen Euro zahlen. In Anbetracht der geringen Marktgroße seien dies vergleichsweise hohe Kosten.

 

Ausländische Betreiber könnten davon abgeschreckt werden.

 

Covid-19-Pandemie schwächt Sportwettenmarkt in Polen

 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Polens Sportwettenmarkt erklärte die polnische Juristin Anna Wietrzyńska-Ciołkowska beim European Gaming Congress 2020.

 

Unter der Pandemie hätten insbesondere landbasierte Sportwettenbetreiber gelitten. Eines der ehemals 19 lizenzierten Unternehmen habe im Zuge der Krise sogar seine Lizenz aufgeben müssen. Ein „Albtraum“ für die Anbieter sei zudem die hohe Umsatzsteuer in Höhe von 12 %. Sie mache das Geschäft für ausländische Firmen wenig lukrativ und hindere beim Markteinstieg.

 

Jakub Myszkorowski vom Sportdaten-Unternehmen Statscore unterstrich, dass die polnischen Sportwettenbetreiber in der gegenwärtigen Situation Anpassungsfähigkeit zeigen müssten. Anbieter sollten ihr Wettportfolio diversifizieren und dürften dieses nicht nur auf traditionelle Sportarten begrenzen. Die Unternehmen müssten offen für neue Zielgruppen sein. Junge Erwachsene mit E-Sport-Wetten zu erreichen, sei eine besondere Chance. Anbieter, die dies bereits getan hätten, navigierten besser durch die Krise.

 

Doch auch abgesehen von den augenblicklichen Umständen müssten E-Sport-Wetten von Betreibern in Zukunft stärker berücksichtigt werden, so Myszkorowski. Für die kommenden Generationen könnten Wetten auf Videospiele, die sie selbst spielten, sehr attraktiv werden.

 

Casinoonline.de hat beim European Gaming Congress 2020 auch die Diskussionen zur Glücksspielneuregulierung in der Ukraine verfolgt. Über die Ergebnisse berichten wir am Sonntag.