, 22.03.2021

Die Umstände des geplanten Verkaufs der Westspiel-Gruppe sind erneut in den Mittelpunkt von Diskussionen gerückt. Am Wochenende berichtete Der Spiegel über den landeseigenen Casino-Betreiber. Demnach habe die Regierung von NRW Kapitaleinlagen in Höhe von rund 35 Millionen Euro aus dem Unternehmen abgezogen und quasi gleichzeitig von der Bundesregierung Coronahilfen in Millionenhöhe beantragt.

 

Der Spiegel stützt seinen Bericht auf interne Dokumente aus dem Glücksspielunternehmen. So habe die Regierung im vergangenen November beschlossen, eine Kapitaleinlage im zweistelligen Millionenbereich von Westspiel abzuziehen. Um einen drohenden Liquiditätsengpass zu umgehen, so der Spiegel, könnten sich die Politiker daraufhin dazu entschlossen haben, beim Bund Coronahilfen zu beantragen.

 

Dieser Vorgang sei durchaus legitim, da dem Unternehmen die Hilfe wegen der Corona-bedingten Schließung der Casinos zustünde. Allerdings bleibe aufgrund der abgezogenen Millionen ein schaler Beigeschmack. Schließlich habe dies die Cashflow-Situation erheblich verschlechtert und die angespannte Lage somit verschlimmert.

Dem Artikel zufolge habe die Regierung neben der Beantragung von Coronahilfen weitere Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung von Westspiel erwogen. Unter anderem sei im Gespräch gewesen, Kredite aufzunehmen oder auf die Pensionsrücklagen zurückzugreifen.

Ein Grund für die Rochade könnte dem Bericht zufolge in dem von der Regierung angestrebten Verkauf von Westspiel liegen. Die Hilfsmittel könnten zur Stützung des Casino-Betreibers dienen, damit dieser für mögliche Bieter interessant bleibe.

 

Aus Regierungskreisen werden etwaige Finanztricks energisch bestritten. So sei der Kapitalabzug bereits seit Längerem geplant gewesen.

 

Verkauf trotz sprudelnder Gewinne?

Bei Finanzexperten und Oppositionspolitikern wird der geplante Verkauf kritisch gesehen. Es stelle sich die Frage, warum das Unternehmen überhaupt veräußert werden solle.

 

Zwar habe Westspiel jahrelang Verluste eingefahren. Dem Management sei es jedoch gelungen, die Gruppe durch Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen zu sanieren. Internen Schätzungen zufolge könnte der jährliche Gewinn bis 2035 auf über 20 Millionen Euro steigen.

 

Die Opposition kritisierte Anfang März die Intransparenz rund um den Verkauf. Neben den Gründen für den Deal sei nur wenig über die drei verbliebenen Bieter und ihre Angebote bekannt.

 

Es sei äußerst fraglich, ob NRW den angestrebten Kaufpreis in Milliardenhöhe realisieren werde. Von daher könne der Deal laut SPD-Finanzexperte Stefan Zimkeit dem Land sowie den Westspiel-Mitarbeitern viele Nachteile bescheren.