, 09.10.2018

 

Am 16. Oktober 2018 findet im Grand Hotel Union, Ljubljana der jährliche European Gaming Kongress statt. Das Branchen-Event gilt als wichtigster Diskussionszirkel für die führenden Gaming-Anbieter Europas. Auch in diesem Jahr werden die neuesten Entwicklungen der Gaming-Industrie diskutiert und neue Herausforderungen besprochen. Veranstalter des Kongresses ist in diesem Jahr Zoltán Tűndik, der den Charakter der Veranstaltung wie folgt umreißt:

 

„Der European Gaming Kongress ist speziell dazu da, die Experten der Industrie, Gesetzgeber, Regulatoren und Dienstleister zusammen zu bringen, um die brennenden Fragen des Marktes bezüglich Lizenzierung und Regulierung zu diskutieren.“

 

Grand Hotel Ljubljana

Konferenzort des European Gaming Kongress 2018. Das Grand Hotel Ljubljana (Quelle: Wikipedia)

Panels mit den Größen der Branche

 

Der European Gaming Kongress ist gespickt mit großen Namen und einer abwechslungsreichen Agenda. Direkt zum Auftakt dürfen sich die Teilnehmer auf eine Diskussionsrunde mit dem Fokus auf Serbien, Montenegro und Bosnien Herzegowina freuen.

 

Dabei dürfte es vor allem um das Wachstumspotential dieser Märkte gehen, die in den letzten Jahren attraktiver für Gaming-Anbieter wurden. Von Interesse wäre zudem die Frage, wie sich die Südosteuropäischen Staaten mit Hinblick auf die Lizenzierung von Online-Glückspiel verhalten werden.

 

Sorgenkinder mit Potential

 

Richtig spannend dürfte es auf dem Panel zu Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Malta werden. Jüngst hatten sich die ersten beiden Länder dazu durchgerungen, eine gemeinsame Möglichkeit zur Lizenzierung von Online-Poker-Anbietern zu erarbeiten und schließlich auch durchzusetzen. Dies bedeutet: die einst getrennten Spielerpools konnten vereint werden und damit die Tische von Pokerstars und Co. füllen. Das waren gute Nachrichten für Spieler, die ihr Glück an den virtuellen Tischen suchen. Weniger gut sieht es hingegen für Spieler aus, die an den echten Tischen der spanischen Casinos Platz nehmen.

 

Unlängst wurde bekannt, dass die spanische Steuerbehörde Jagd auf Gewinner von Pokerturnieren macht. So wurde ein deutscher Profi-Pokerspieler, der seine Gewinne ordnungsgemäß in Deutschland anmeldete, zu einer saftigen Nachzahlung durch den spanischen Fiskus verdonnert. Begründung der Behörden: Gewinne, die in spanischen Kasinos ausgezahlt werden, müssen auch in Spanien versteuert werden. Ob dies das Doppelversteuerungsabkommen verletzt, werden letztlich wohl die Gerichte klären müssen.

 

Was passiert in Deutschland und Österreich?

 

Wie unlängst zu lesen (Seite auf Englisch) war, bietet der diesjährige European Gaming Kongress ein Podium für Teilnehmer aus Deutschland und Österreich. Mit dabei sind
unter anderem Raffaela Zillner, Generalsekretärin der österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel, Helmut Kafka vom Automatenverband, sowie Martin Arendts von Arendts Anwälte.

 

Arendts ist seit mehr als 11 Jahre im Glücksspiel- und Wettrecht tätig und berät die größten Casino- und Sportwettenanbieter Europas. Interessant dürfte seine juristische Perspektive hinsichtlich der Frage sein, welche Chancen eine umfassende Lizenzierung von Online-Sportwetten- und Online-Casino-Anbietern in den Bundesländern über die nächsten Jahre haben könnte. Noch immer wissen viele Spieler nicht, ob sie sich bei virtuellen Wetten und Spielen in legalem Fahrwasser befinden.

 

In Österreich scheint die Lage derzeit konfuser als je zuvor. Nachdem die Alpenrepublik in den letzten Jahren verstärkt gegen illegale Glücksspielanbieter vorging, und so das staatliche Monopol schützen wollte, werden nun neue Wege beschritten um das ausbleibende Casino-Publikum zu erreichen.

 

Durch das Glücksspiel-Portal win2day, das von den österreichischen Behörden im Schnelltempo lizenziert wurde, erhofft man sich die online-affine Jugend an die Spieltische zu bringen. Offen bleibt allerdings die Frage, wieso eine flächendeckende Lizenzierung von Anbietern außer der Casinos Austria ausbleibt. Diese Frage ließe sich besonders mit Hinblick auf die europarechtlich garantierte Dienstleistungsfreiheit diskutieren.

 

Die Verantwortung der Werbung

 

Ein Schwerpunkt des Kongresses wird die IMGL Masterclass sein. In dieser werden brandaktuelle Themen wie neu verabschiedete Gesetze und staatliche Regularien diskutiert. Hauptaugenmerk liegt in diesem Jahr auf Italien.

 

Im August dieses Jahres hat die italienische Regierung im offiziellen Amtsblatt des Landes ihr “Dignity Decree” veröffentlicht. Das Gesetz verbietet jegliche Form von Glücksspielwerbung und ist damit ein schmerzender Dorn im Auge der Glückspielanbieter. Ziel des Gesetzes ist der Schutz der Bürger durch Suchprävention.

 

Ob eine Verringerung der Spielsucht bei italienischen Verbrauchern durch ein Werbeverbot für Glückspielprodukte erreicht werden kann, wird die Zeit zeigen. Das italienische Gesetz, so lässt sich vermuten, könnte ein gefährliches Vorbild für andere europäische Gesetzgeber sein und das Werbepotential der Glücksspielanbieter empfindlich beschränken.

Was ist der European Gaming Kongress?

Auf dem European Gaming Kongress treffen sich jährlich die Spitzen der Industrie, um über die Veränderungen der Gaming-Branche zu sprechen. Der Fokus der meisten Panels liegt auf Regulierung und Lizenzierung des europäischen Glücksspiels. Es werden zudem technische Topics wie die Implementierung von Blockchain-Technologie in den Glücksspielmarkt diskutiert. Der Kongress gilt außerdem als Networking-Hub für Branchenexperten.

Offene Fragen

Würfel fallen

Wie die Würfel für die Gaming-Industrie fallen, entscheidet sich auf dem European Gaming Kongress (Quelle: Pixabay)

Wie wir im September 2018 berichteten, musste das Glücksspielportal Mr. Green und dessen Mutterkonzern MRG Group in den Niederlanden eine empfindliche Geldstrafe hinnehmen.

 

Begründet wurde die Entscheidung damit, Mr. Green habe ohne niederländische Lizenz operiert. Eine Klärung der undurchsichtigen Regularien in den Niederlanden hätte auf dem European Gaming Kongress sicherlich für Gesprächsstoff gesorgt.

 

Nichtsdestotrotz ist der European Gaming Kongress ein Pflichttermin für die Gaming-Industrie und dürfte die Diskussion um Regulierung und Lizenzierung der Branche erneut bereichern.