, 13.07.2021

Die ehemalige Chefin von Lotto Sachsen-Anhalt Maren Sieb (48) fordert nach ihrer fristlosen Kündigung eine Gehaltsnachzahlung. Der Fall soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge ab heute vor dem Landgericht in Magdeburg verhandelt werden. Sieb war entlassen worden, weil sie der Vetternwirtschaft und des Postenschachers verdächtigt wurde. Zudem soll es unter ihrer Leitung zu einem mutmaßlichen Geldwäschefall in einer Lotto-Annahmestelle gekommen sein.

 

Sieb gegen Sachsen-Anhalt

 

Im Juli 2020 stellte der Aufsichtsrat der sachsen-anhaltinischen Lottogesellschaft die beiden Geschäftsführer von Lotto Sachsen-Anhalt, Maren Sieb und Ralf von Einem, frei. Im September folgte die Abberufung mit fristloser Kündigung zum 19. Oktober.

 

Vorgeworfen wurden beiden die fragwürdige Vergabe von Fördermitteln und Posten sowie mutmaßliche Fälle von Geldwäsche. Sowohl Sieb als auch von Einem hatten die Vorwürfe vehement bestritten.

Zwischen Anfang 2017 und Herbst 2018 waren verdächtige Oddset-Sportwetten in Sachsen-Anhalt eingegangen. Vier Spieler, darunter eine Annahmestellen-Betreiberin, hatten in einem Lottoladen der Stadt Zerbst extrem hohe Gewinne erzielt.

 

Möglich sei dies gewesen, weil die Lotteriegesellschaft eine Erhöhung des Spiellimits in dem fraglichen Geschäft genehmigt hatte. Inwieweit strafbare Handlungen hinter den Wetten gestanden haben könnten, ist bis heute ungeklärt.

 

Der Lotto-Geschäftsführung war vorgeworfen worden, den Vorgang zwar an die zuständige Geldwäschestelle, nicht aber wie vorgesehen an das Finanzministerium und den Aufsichtsrat gemeldet zu haben.

Nun, so berichtet unter anderem der MDR, wird sich das Landgericht mit der, nach Auffassung Siebs, unrechtmäßigen Kündigung befassen. Ein heute um 14 Uhr beginnender Zivilprozess solle klären, inwieweit die Beklagte, das Bundesland Sachsen-Anhalt, die ehemalige Lottochefin nach der Kündigung hätte weiter vergüten müssen. Strittig sei die Zeit von September 2020 bis Mai 2021.

 

Lotto-Krimi in Sachsen-Anhalt

 

Begonnen hatte der sachsen-anhaltinische Lotto-Krimi im Juni 2019. Damals hatte die Magdeburger Landtagsfraktion der AfD bekanntgegeben, Strafanzeige gegen Sieb gestellt zu haben. Die Politiker hätten Hinweise darauf, dass die Geschäftsführerin die Vergabe von Fördermitteln aus dem landeseigenen Lotterietopf an persönliche Gefälligkeiten geknüpft habe.

 

Auch die Vergütung der Lotto-Chefin, die binnen sechs Jahren um 42,6 % auf rund 175.000 Euro im Jahr 2018 angestiegen war, hatte für scharfe Kritik gesorgt. So erklärte beispielweise Die Linke mit Blick auf Sieb:

Lotto verstößt gegen den Beschluss des Landtages, der besagt, dass Geschäftsführer maximal das Gehalt eines Staatssekretärs erhalten sollen.

Ab September 2019 hatte im Magdeburger Landtag ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Vorgänge bei Lotto Sachsen-Anhalt die Lupe genommen. Letztlich kam der Ausschuss jedoch im April 2021, also rund ein halbes Jahr nach der fristlosen Kündigung Siebs, zu dem Schluss, dass sich die Vorwürfe nicht hatten erhärten lassen.

 

Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass Sieb in dem heute als Urkundenprozess startenden Verfahren gute Chancen zugerechnet werden können. Bei der Streitsumme soll es sich MDR-Informationen zufolge um einen Betrag im „niedrigen sechsstelligen Bereich“ handeln.

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