, 13.12.2019

Irlands nationaler Lottoanbieter Premier Lotteries Ireland (PLI) wird sich in Kürze vor dem Finanzkomitee des irischen Parlaments (Oireachtas) für einen groben Fehler verantworten müssen: Die Lotterie soll versäumt haben, Rubbelkarten mit Gewinnsummen von insgesamt 180.000 Euro in Umlauf zu bringen.

 

Während die PLI ihren Fehler durch eine Sonderziehung wieder gut machen will, fürchten Politiker, dass das Vertrauen in die irische Lotterie seitens der Kundschaft nachhaltig beschädigt worden sein könnte.

 

Nationale Lotterie in Erklärungsnot

Für einige irische Glücksspieler dürften die jüngsten Medienberichte über die nationale Lotterie des Landes keine guten Nachrichten sein. So berichteten verschiedene Zeitungen am Mittwoch, dass die Premier Lotteries Ireland der Bevölkerung Rubbellosgewinne in Höhe von 180.000 Euro unterschlagen haben soll.

 

Es handle sich dabei um fehlende Rubbelkarten in drei der seit 2014 in Umlauf gebrachten 178 Spielpakete. Um wie viele einzelne Karten es sich genau handele, ist bisher nicht spezifiziert worden.

 

Irlands republikanische Partei Fianna Fail hat den Betreiber daher aufgefordert, sich in der Angelegenheit vor dem Finanzkomitee der irischen Regierung zu äußern.

 

Dabei bedürfe es vor allem einer Erklärung, warum die betroffenen Kartenpakete noch immer im Verkauf seien. Der Fehler sei seitens der PLI schließlich bereits vor sechs Wochen entdeckt worden.

Die Premier Lotteries Ireland ist ein privatgeführtes Unternehmen, welches in Irland seit 2014 die einzige offizielle Lizenz hält, die nationale Lotterie zu organisieren und Rubbellose zu verkaufen. Laut dem letzten offiziellen Jahresbericht nutzten im Jahr 2018 insgesamt 1,3 Mio. Iren die Produkte der PLI, wodurch Einnahmen von 805 Mio. Euro erzielt wurden.

 

Die Lotterie ist gesetzlich dazu verpflichtet, 50 % ihrer Einnahmen in Form von Gewinnen auszuschütten. Von dem restlichen Betrag müssen darüber hinaus mindestens 65 % in wohltätige Projekte investiert werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Nationallotterie, Andrew Algeo, erklärt, dass die Ursache der vergessenen Rubbellosen „menschliches Versagen“ gewesen sei. Die Lottoprodukte, darunter EuroMillions und Daily Millions, seien aber zu keiner Zeit beeinträchtigt worden.

 

Das Unternehmen habe bereits Maßnahmen ergriffen, damit ein derartiger Fehler nicht erneut passieren könne. Algeo betont des Weiteren, dass die 180.000 Euro lediglich 0,01 % aller bis dato ausgezahlten Gewinne entspräche.

 

Um den Fehler wieder gut zu machen, plane die Lotterie eine Sonderziehung, in welcher die Geldsumme definitiv ausgeschüttet werden soll.

 

Der Sprecher des Finanzkomitees der Fianna Fail Partei, Michael McGrath, hält von dieser Lösung wenig. Es sei deutlich sinnvoller und fairer, wenn der gesamte Betrag ohne Umschweife für wohltätige Zwecke gespendet würde.

 

Grundvertrauen in die Lotterie zerstört?

Doch der vermeintliche „Patzer“ könnte womöglich nachhaltige Folgen für die Lotterie mit sich bringen. McGrath geht davon aus, dass einige Bürger sich betrogen fühlen und langfristig das Vertrauen verlieren könnten.

 

Der Erfolg der Lotterie hinge jedoch genau von diesem Vertrauen ab. McGrath sagt dazu gegenüber der Presse:

Die heutigen Enthüllungen werden ohne Zweifel die Zuversicht und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Nationallotterie schädigen. Ohne das Vertrauen der allgemeinen Bevölkerung kann der Erfolg der Nationallotterie keineswegs garantiert werden. Die Tatsache, dass die Preise in den vergangenen fünf Jahren nicht angeboten wurden, wirft ernsthafte Fragen an die Nationallotterie auf.

Die Verantwortlichen sollen daher so bald wie möglich vor dem Finanzkomitee Rede und Antwort stehen. Ebenfalls hinzugebeten werde die Nationale Lotterieaufsicht (Regulator of the National Lottery, RNL).

 

Das Finanzkomitee wolle wissen, warum die Behörde [Seite auf Englisch] einen derart groben Fehler nicht früher entdeckt habe. Die RNL sei daher auch aufgefordert, den Fall ihrerseits gründlich zu prüfen und die Ergebnisse vor dem Komitee darzulegen.

 

Ob sich der Vorfall tatsächlich auf die künftigen Verkaufszahlen von Rubbellosen und Lotterieprodukten auswirken wird, bleibt abzuwarten.