, 16.09.2020

Seit rund zwei Jahren bemüht sich der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador darum, den kostspieligen Luxus-Jet seines Amtsvorgängers loszuwerden. Nachdem dies mehrmals scheiterte, sollte eine landesweite Sonderlotterie für Abhilfe sorgen. Gestern erfolgte die Ziehung.

 

Millionenteurer Luxus-Jet

 

Die große Sonderverlosung der mexikanischen Nationallotterie endete gestern um 16 Uhr Ortszeit im Beisein des Präsidenten López Obrador und mehreren Ministern seines Kabinetts. 100 Besitzer von Glückslosen können sich nun über Gewinne von jeweils 20 Mio. Pesos (ca. 800.000 Euro) freuen.

 

Die Gesamtsumme von umgerechnet rund 160 Mio. Euro soll ungefähr dem Preis entsprechen, den die Regierung des ehemaligen Präsidenten Enrique Peña Nieto kurz nach dessen Amtsantritt 2012 für einen Luxus-Jet ausgegeben hatte.

 

Bereits im Wahlkampf 2018 hatte López Obrador den Flieger als „Beleidigung für das Volk“ bezeichnet. Das 2012 erstandene Flugzeug stehe sinnbildlich für die Exzesse und das Ausmaß an Korruption der Regierung Peña Nieto, so der linke Politiker [Seite auf Englisch].

 

Auch in einem TV-Spot, in dem der Präsident die nun zu Ende gegangene Lotterie beworben hatte, hatte er seinem Ärger Luft gemacht:

Dieses Flugzeug ist für Könige! Sehen Sie sich den Luxus an!

Lotterie als symbolischer Akt

 

López Obrador hatte mehrfach erfolglos versucht, einen Käufer für den Jet zu finden. Letztlich hatte der Politiker Anfang des Jahres eine Verlosung angekündigt. Doch die Idee, den schwerverkäuflichen Flieger per Auslosung in den Besitz eines normalen Bürgers zu überführen, war öffentlich auf Zweifel und Häme gestoßen.

 

Daraufhin hatte López Obrador die Verlosung zu einem symbolischen Akt erklärt, mit dem Politik und Bevölkerung sich für Solidarität und gegen Korruption im Land aussprechen könnten. Statt des Jets winkten hohe Geldpreise, die übrigen Einnahmen aus dem Verkauf sollten in erster Linie der Ausstattung von Krankenhäusern zugutekommen.

Zur Unterstützung von Kliniken hat die mexikanische Regierung Lose im Wert von umgerechnet rund 20 Mio. Euro erstanden und diese landesweit an Krankenhäuser vergeben. Ob eines von ihnen unter den Gewinnern ist, ist bislang nicht klar.

Inwieweit die Lotterie einen Erfolg für López Obrador darstellt, scheint eher zweifelhaft. Am Montag waren erst rund 70 % der insgesamt sechs Millionen Tickets verkauft worden. Genaue Angaben zu den endgültigen Verkaufszahlen wurden bislang nicht öffentlich.

 

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der Einzelpreis von 500 Pesos (umgerechnet rund 20 Euro) für viele Einwohner des von Armut betroffenen Mexiko zu hoch gewesen sein könnte.

 

Wie es mit dem Jet weitergehen soll, steht indes weiterhin in den Sternen.