Montag, 24. Januar 2022

Versuchter Mord an Lotto-Millionärin: Ex-Partner zu langer Haftstrafe verurteilt

Blutiges Messer auf karierter Tischdecke Die Lotto-Gewinnerin war in ihrer eigenen Küche Opfer eines Messerattentats geworden (Quelle:flickr.com/Guillermo Ruiz, licensed undxer CC BY-NC-ND 2.0)

Rund vier Jahre, nachdem sie beim Lotto zur Millionärin wurde, überlebte eine heute 50-jährige Britin nur schwer verletzt einen Angriff ihres damaligen Partners. Nun entschied ein Gericht im walisischen Merthyr Tydfil, dass Stephen Gibbs (45) wegen versuchten Mordes an Emma Brown für mindestens 13 Jahren Gefängnis muss.

Der einschlägig vorbestrafte Mann sei nicht mit der Unabhängigkeit klargekommen, die der Lotto-Gewinn seiner Freundin verschafft habe.

Kurzes Glück nach Lotto-Gewinn

Im Jahr 2017 gewann Emma Brown 5,5 Mio. GBP (rund 6,5 Mio. EUR) bei einer Ziehung der National Lottery. Im Januar 2021 setzte ihr damaliger Lebensgefährte dem Glück der Waliserin ein jähes Ende.

Medienberichten zufolge attackierte Stephen Gibbs seine Freundin am frühen Abend des 30. Januar 2021 in der Küche des gemeinsam bewohnten Hauses mit einem Messer. Dabei habe er wiederholt auch auf das Gesicht der Frau eingestochen.

Mugshot von verurteiltem Waliser

Die Polizei hatte ein Bild des nun Verurteilten veröffentlicht (Quelle:South Wales Police)

Emma Browns Leben habe nur durch eine Operation gerettet werden können. Die Folgeschäden wögen schwer: So habe sie vor Gericht ausgeführt, dass ihre Sehkraft seit dem Angriff nur noch 75 % betrage. Zudem leide sie im Gesicht unter Taubheitsgefühlen und ein Arm sei in seiner Bewegung stark eingeschränkt.

Besonders machten ihr seit der Attacke jedoch psychische Probleme zu schaffen. Vor Gericht habe sie erklärt:

Wir waren 12 Jahre lang zusammen und glücklich, und ich habe nie etwas gesehen, was mich auf die Idee gebracht hätte, dass er so etwas tun könnte. Ich glaube nicht, dass ich jemandem wieder vertrauen kann. (…) Dieser Angriff hat mein Selbstvertrauen zerstört, weil ich ihm vertraut habe, und ich kann nicht glauben, wie sehr er in der Lage war, mich zu täuschen.

Peilsender und Trennungsabsichten

Die Anklage vor dem Merthyr Tydfil Crown Court habe dargelegt, dass sich die Dynamik in der Partnerschaft nach dem Lotto-Gewinn verändert hatte. So habe Gibbs nicht akzeptieren können, dass Brown finanziell von ihm unabhängig geworden sei. In der Folge habe er verstärkt eifersüchtiges und kontrollierendes Verhalten an den Tag gelegt. Unter anderem er habe einen Peilsender an ihrem Wagen angebracht.

Als er ihr am Tatabend erneut massive Vorwürfe gemacht habe, habe Emma Brown ihm mitgeteilt, dass sie die Beziehung beende. Daraufhin sei es zu dem Mordversuch gekommen.

Experten zufolge sind Frauen in der Zeit nach (Ankündigung) einer Trennung am gefährdetsten, Opfer eine Tötungsdeliktes zu werden. Gerade wenn die Beziehung bereits zuvor von Dominanzgebahren geprägt war, wendeten Täter Gewalt an, um Macht zu demonstrieren . Unterstützung und Beratung bei schwierigen Situationen bietet unter anderem das Hilfetelefon des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Vor Gericht habe sich Stephen Gibbs geständig gezeigt. Er bedauere die Tat und habe wohl „irgendwie den Verstand verloren“.

Als strafmildernd habe der Richter die Einlassung jedoch nicht gewertet. Vielmehr habe er auf eine Verurteilung des Angeklagten aus dem Jahr 2005 hingewiesen. Damals habe Gibbs seine damalige Lebensgefährtin und deren elfjährigen Sohn mit einem Messer attackiert.

In der Gesamtschau zeige sich, dass der Angeklagte eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle. Deshalb sei eine Gefängnisstrafe von 18 Jahren angemessen. Nach frühestens 13 Jahren bestehe die Möglichkeit, eine Freilassung auf Bewährung zu prüfen.